Horst Gunkel, Band 4 der Metta-Sangha-Saga: Nilay - der Sohn Jesu - Kapitel 9                       letztmals bearbeitet am 29.01.2026
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9 - Monsun und Frühlingsgefühle



Inzwischen befand sich Nilay auch nicht mehr in einer hinduistisch oder jainistisch geprägten Region. Hier dominierte eindeutig die Lehre des Buddha. Wann immer sich die Gelegenheit dazu bot, gimg er zur Meditation in einen dem Buddha geweihten Tempel. Er folgte jetzt meist einem Weg, der etwa zwei Kilometer von der Küste entfernt verlief.

Am Ende des Tages lief Nilay, wann immer sich die Möglichkeit dazu ergab, ans Meer, um sich darin zu erfrischen - wodurch er aber weitere Zeit verlor. Auch für die Gespräche mit den Menschen brauchte er Zeit, sodass er die Reise nicht, wie er erwartet hatte, in sechs Monaten abschließen konnte. Außerdem stellte es sich heraus, dass hier während der dreimonatigen Regenzeit an ein Weiterkommen nicht zu denken war, sodass es schließlich ein ganzes Jahr dauerte, bis er sein Ziel erreicht hatte.

Die Heftigkeit der Regenzeit überraschte ihn genauso, wie 35 Jahre zuvor seinen Vater – und das, obwohl er die entsprechenden Berichte seines Vaters gehört, aber wohl für übertrieben gehalten hatte. Die Straße war von einer Stunde zur anderen total verschlammt. Das geschah gerade, als er ein Dorf vor sich sah, ein Dorf von vielleicht drei- oder vierhundert Einwohnern. Leider gab es in diesem Dorf keinen Laden, natürlich auch kein Gasthaus. Er stand allein zwischen Häusern, durchnässt und wusste nicht, was er tun sollte. Durchnässt und unsicher, was er tun sollte, blieb er zwischen den Häusern stehen. Er spürte Blicke auf sich – ein unangenehmes Gefühl.


Es ist allerdings nicht so, dass es in der Regenzeit fortwährend regnet, aber es gibt jeden Tag mindestens einen heftigen Regenguss, der die – damals unbefestigten – Straßen aufweichte und unpassierbar macht. Und in Meeresnähe ist der Monsun noch heftiger als im Landesinneren.

Kaum hatte der Regen, jetzt wo Nilay unschlüssig im Dorf stand, aufgehört, kam ein Junge etwa acht Jahre alt auf ihn zu und fragte: „Ich habe dich noch nie gesehen, was willst du hier?“

Ich bin auf der Durchreise“, erklärte er. Der Monsun hat mich überrascht.“

Meine Mama sagt, wenn du willst, kannst du kurz zu uns reinkommen.“

Oh, das ist aber nett von deiner Mama“, freute sich Nilay und folgte dem Knaben ist Haus.


Gastfreundschaft und erste Verstrickungen

Dort stellte sich unser Wanderer vor: „Ich heiße Nilay, und bin seit vielen Monden unterwegs. Ich komme vom Rande des Himalaya und möchte ganz weit gen Mittag in einen Ort namens Palayur. Leider hat mich der Monsun überrascht.“

Was ist der Himalaya?“ fragte eine über 50-jährige Frau, deren Alter Nilay schlecht einschätzen konnte. Auch die anderen schienen das Wort noch nie gehört zu haben.

Es ist das höchste Gebirge der Welt, erklärte Nilay. So hoch dass auf seinen Bergen immer Schnee liegt.“

Was ist Schnee?“ fragte die Alte - sie hieß Aruni, wie er später erfuhr - jetzt.

Nilay versuchte zu erklären: „Wenn es ganz scheußlich kalt wird, werden die Wassertropfen fest, und sie fallen als weiße Stückchen vom Himmel - so wie Reiskörner.“

Das glaube ich nicht, das ist bestimmt nur so eine Geschichte,“ winkte Aruni ab.

Nun mischte sich eine jüngere Frau ein, vermutlich ihre Tochter, sie war Anfang 30: „Doch Mutter, davon habe ich auch schon gehört, ein wandernder Mönch hat davon berichtet.“

Dann wandte sie sich an Nilay: „Ich heiße Nikara, das ist meine Mutter, ihr Name ist Aruni. Mein Sohn heißt Prem, er hat dich hereingeholt. Außerdem gibt es noch meine Tochter Prija, und die jüngere Shyla“, die Mädchen waren elf bzw. dreizehn Jahre alt.

Und dein Mann?“ erkundigte sich Nilay.

Nikaras Gesicht verdüsterte sich: „Sunil ist vor zwei Jahren Jahr gestorben.“

Oh, das tut mir leid“, kondolierte Nilay.

Die Frau zuckte mit den Schultern, dann wechselte sie das Thema: „Deine Kleidung ist ziemlich nass, willst du sie nicht zum Trocknen aufhängen?“ Sie ging zu einem Gestell ,auf dem schon weitere Kleidungsstücke hingen, offensichtlich war eine von ihnen draußen, als der Monsun einsetzte.

Nilay gab ihr seine Decke, die er schon lange nicht mehr benutzte, dann zog er die äußere Robe aus, das Untergewand ließ er natürlich an, auch wenn es genau so nass war.

Die Frau beobachtete ihn: „Wenn du möchtest, kannst du mir auch das Untergewand geben, du kannst deine Blöße ja hiermit bedecken.“ Sie reichte ihm eine Art Handtuch.

Nilay überlegte rasch. Einerseits war es ihm peinlich, vor den Mädchen und Frauen nur ins Handtuch gewickelt dazusitzen, andererseits wäre es vielleicht unhöflich das Angebot abzulehnen, außerdem war ja im Untergewand auch der Geldbeutel festgenäht und dieses Geheimnis wollte er nicht preisgaben. Schließlich fiel ihm die richtige Antwort ein: „Meine Mutter würde mich darob tadeln, das sei nicht schicklich, sagt sie.“

Die Frau zuckte die Schultern, und Nilay schien es als seien die beiden Mädchen enttäuscht, aber vielleicht bildete er sich das nur ein. Er beschloss das Thema zu wechseln: „Meine Mutter hat mich in der Lehre des Erhabenen erzogen, verehrt ihr auch den Buddha?“

Das war das Stichwort für die Großmutter: „Ja, wir sind alle Anhänger des Buddha, schau nur, ich habe sogar ein Dharma-Cakra in meiner Gebetsecke.“

Jetzt sah Nilay es auch: ein besticktes Tuch, auf dem das achtspeichige Rad der Lehre abgebildet war, außerdem ein rotes, gelbes und blaues Juwel, die in etwa die Form eines Faustkeiles (mit der Spitze nach oben) hatten, also das Symbol der Drei Juwelen (Buddha, Dharma, Sangha).

Sehr schön“, bestätigte Nilay, habt Ihr das selbst gestickt?“

Nein“, sagte Aruni strahlend und zeigte auf ihre Tochter: „Das hat mir Nikara vor vielen Jahren geschenkt.“

Prija - die 13-jährige - wechselte das Thema: „Wie ist das eigentlich, Nilay, willst du trotz des Regens weiter oder willst du hier über die Regenzeit bleiben?“

Nilay kratzte sich den Kopf. „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, der heftige Regen hat mich überrascht. Dort, wo ich herkomme, haben wir das nicht. Aber natürlich wäre es mir ganz recht, wenn ich die Möglichkeit hätte hierzubleiben.“

Nikara nutzte diese Gelegenheit um Nilay ein Angebot zu machen: Seid mein Mann tot ist, ist ziemlich viel Männerarbeit liegen geblieben. Du siehst ja selbst, da hinten hat es herein geregnet. Also wenn du dich entsprechend nützlich machst, kannst du bleiben.“

Das wäre toll. Nilay freute sich aufrichtig. Ich bin jetzt zwar kein wirklicher Handwerker, aber zum Beispiel Dächer habe ich auch mit meinem Vater schon repariert, das bekomme ich hin.“

Und die Sachen, die Vater früher gemacht hat, erklärte Prija und zwinkerte Nilay zu, und die ich in der letzten Zeit notdürftig erledigt habe, da könnte ich Nilay anleiten. Dann hätten wir wieder einmal einen richtigen Mann im Hause!“ 

Einerseits war Nilay froh, dass er, der noch vor einer Stunde draußen im Monsun stand, ein Dach über dem Kopf hatte und das offensichtlich für die ganze Regenzeit, andererseits spürte er den Versuch einer Vereinnahmung, die fast schon auf längerfristigen Verbleib gemünzt zu sein schien: „Nach dem Ende der Regenzeit muss ich aber unbedingt weiter.“

Unbedingt!“ bestätigte Prija und zwinkerte ihm zu.

Auf jeden Fall!“ ergänzte Shyla.

Dann ist ja alles klar!“ das war Nikaras Kommentar.

„Prima, komm mit, wir holen die Materialien für die Dachreparatur aus dem Stall, besorgt haben wir sie schon“, freute sich Prija.

Also ging Nilay im Untergewand mit dem Mädchen in den Stall, dort standen zwei Wasserbüffel und ein Esel, außerdem liefen Hühner herum. Es stank ziemlich.

Wir benutzen den Stall natürlich auch als Abort, man kann sich ja im Dorf nicht einfach auf die Straße hocken“, erklärte Prija.

Werde ich nachher ausmisten“, zeigte Nilay seine Dankbarkeit.

Dann nahmen sie die Materialien für die Dachreparatur mit. Nilay entdeckte auch ein Leiter, die er anschließend gleich holte. Er stellte die Leiter an und stieg mit einem Teil des Materials nach oben, um die Dachreparatur zu beginnen, was ihm auch gelang. Als er fast alles Mitgenommene fertig verarbeitet hatte, nahm Prija den Rest des Materials und stieg bis zur dritten Leiterstufe, um es ihm zu reichen, dabei berührte sie mit ihrem Arm sein Untergewand: „Oh, da ist ja was ganz Hartes drin!“ flüsterte sie ihm zu.

Das ist mein...“, Nilay stockte, er wollte gerade wahrheits­gemäß erklären, dass das sein Geldbeutel sei, dann fiel ihm ein, dass er sein Geld bestimmt nicht behalten könnte, wenn sie erführen, dass er Gold und Silber bei sich trug. Der Besitz von Geld schien sich ihm immer mehr als Fluch zu offenbaren. Er schwieg und schaute nach den anderen, Nikara war zum Glück im Garten, Prem auch und die alte Arumi schien schwerhörig zu sein. Nur Shyla hielt sich kichernd die Hand vor dem Mund. Nilay bekam einen roten Kopf.

Ist doch nichts dabei, ist doch ganz normal“, lächelte Prija Nilay an. Doch der fragte sich, wie er das ein Vierteljahr würde aushalten können. Allerdings war die Alternative – im Monsun weiterzugehen – auch nicht gerade verlockender.

Als sie abermals den unteren Teil der Leiter hochkam, um den Rest des Materials zu bringen, drehte er seinen Körper deutlich zu Seite, damit das zuvor Geschehene sich nicht wiederholen konnte. Als er ihr mit seiner verrenkten Körperhaltung das Material abnahm, sah er in ihr enttäuschtes Gesicht, er glaubte einen kleinen Vorwurf darin zu erkennen.

Als er mit dieser Arbeit fertig war, erklärte Nilay:„Ich gehe jetzt den Stall ausmisten.“

Soll ich dir helfen, mach ich gern?“ fragte Prija freundlich.

Nilay aber, der absolut keine Lust hatte jetzt auch noch mit ihr allein im Stall zu sein, antwortete: „Nein, lass nur, dabei kann ich dich absolut nicht gebrauchen.“

Eigentlich schade“, sagte sie mit einem süffisanten Lächeln, als wollte sie ihm unterstellen, dort etwas absolut Unange­messenes zu tun.

Nilay entfernte mit einem Dreizack und einer Schippe die tierischen und menschlichen Fäkalien sowie das verschmutzte Stroh und verbrachte alles auf den Misthaufen. Dann holte er neue Einstreu aus dem an den Stall angrenzenden Schuppen.

Er wollte sich nach der Schmutzarbeit die Hände waschen, aber der Wassereimer auf der Bank hinterm Haus ist leer. Er nahm in und ging ins Haus: „Wo ist denn der Brunnen?“

Ich zeig ihn dir“, beeilte sich Prija zu sagen, „nimm du noch den anderen großen Eimer, ich nehm´ die zwei kleinen.“ Sprach´s und holte die Eimer, wobei Nilay auffiel, dass sie irgendwie an ihrem Leibchen herumhantierte. Dann kam sie mit ihren Eimern: „Der Brunnen ist ein paar Häuser weiter an der Straße.“

Während sie zum Brunnen gingen, sagte sie: „Du kannst ja künftig das Wasser holen, ich zeige dir, wie du es zu machen hast, schau einfach genau hin, wie es mache.“

`Ob die denkt, ich sei zu blöd, um Wasser zu holen?´ fragte sich Nilay, aber dann dachte er sich, `am besten, ich mach´s genau so wie sie will.´

Am Brunnen stellte sie sich gegenüber von ihm auf: „Schau einfach auf meine Hände, wie ich es mache.“

Er tat es,. Áls sie sich über die Brüstung des Brunnens beugte, fiel ihm auf, dass die Schleife ihre Leibchens offen war und dass sich ihm, als sie sich nach vorn beugte, zwei wirklich wunderschöne junge Brüste präsentierten. Unwillkürlich musste er darauf starren. Jetzt blickte sie ihm ins Gesicht und dann an sich herunter: „Du bis ja ein ganz Schlimmer, Nilay, lässt dir auch nichts entgehen!“ Sie lächelte breit, ohne sich zu bemühen, ihr Leibchen zu schließen. „Wenn ich das meiner Mami sage, wird sie ganz schön böse auf dich sein - mir einfach das Leibchen aufzuschnüren.“

Das war ich nicht!“ entfuhr es ihm entrüstet.

Na, wer denn sonst?“ fragte sie und verschloss das Leibchen wieder mit einer Schlaufe. Sie war sich ziemlich sicher, dass in ihm inzwischen Verlangen aufgestiegen war, das so schnell nicht wieder gelöscht werden kann.

So jetzt musst du es machen“, hieß sie ihm und gab ihm den anderen Eimer. Sie stellte sich hinter ihn, um ihn zu kontrollieren. Als er den Eimer hochzog, sagte sie: Du musst aufpassen dass...“ sie beugte sich über ihn, als wollte sie kontrollieren, wie er den Eimer hochholte. Sie berührte mit ihrem Leibchen seinen nackten Oberkörper – er trug ja noch immer nur das Untergewand, sodass er ihre harten Brustwarzen durch dass dünne Leibchen spüren konnte.

Dann zog sie sich zurück: „Alles in Ordnung, bringen wir das Wasser heim.“

Mit Genugtuung sah sie Nilays feuerrote Ohren, ihm hatte es inzwischen die Sprache verschlagen. Als sie gerade in ihr Haus gehen wollten überlegte Prija laut: „Ob ich meiner Mutter sagen sollte, dass du mir das Leibchen geöffnet hast und...“

Nilays Wangen und Augen glühten, als er jetzt das Haus betrat. Nikara starrte Nilay an, dann ihre Tochter. Die nestelte an ihrem Leibchen herum und Nilay wollte vor Verlegenheit im Boden versinken: „Ich bring das Waschwasser auf die Bank hinters Haus,“ sagte er und verschwand. Sollte er jetzt wieder ins Haus, oder... Dann verschwand er im Stall, schaute noch einmal, dass niemand anders kam...

Hinterher wusch er sich die Hände. Dann atmete er tief durch und ging ins Haus.

Dort stellte Shyla gerade die Schälchen auf die Ess-Decke und legte Löffel dazu. Es lag eine gewisse Spannung in der Luft. Arumi saß mit einer Handarbeit auf der Bank, sie schien etwas an einem Kleidungsstück zu reparieren. Nikara, die kochte, beschied ihn: „Deine Kleidung ist trocken, ich glaube es ist an der Zeit, dass du sie wieder anziehst.“

Das war deutlich. Er hatte zwar gesehen, dass die meisten Leute im Dorf nur ähnlich leicht bekleidet waren, schließlich war es heißer Sommer, aber in Anbetracht der Umstände wäre es wohl in der Tat besser, sittsam gekleidet zu sein.

Da hast du recht, Nikara, ich fühle mich vollständig bekleidet auch einfach wohler.“ Rasch zog er seine normale Robe über. Er stellte fest, dass auch Prija ihr Leibchen inzwischen sehr viel fester verschnürt hatte, als zuvor. Daher nahm er an, dass auch sie zurecht gewiesen worden war.

Kann ich sonst noch irgend etwas helfen?“ fragte Nilay.

Nein, das Essen ist fertig. Setzt euch. Alle nahmen Platz. Es gab einen Reis-Gemüse-Curry-Eintopf. Zufrieden stellte er fest, das jede Person ein eigenes Schälchen hatte und nicht alle mit ihrem Löffel aus dem gleichen Topf aßen, wie das vielfach üblich war.

Als sie fertig mit dem Essen waren, räumte Shyla das Geschirr beiseite. Nilay brach das Schweigen, das während des Essens geherrscht hatte: „Was ist denn in den nächsten Tagen zu erledigen. Das Dach in diesem Raum ist repariert, der Stall gesäubert. Woran kann oder soll ich in den nächsten Tagen arbeiten?“

Nachdem alle zunächst schwiegen, sagte Aruni: Eigentlich sollte schon lange der Schuppen neben dem Stall ausgebessert und vielleicht auch vergrößert werden. Immer wieder gehen Mäuse oder Ratten an die Vorräte. Sunil wollte da vor drei Jahren Jahr direkt nach dem Monsun damit anfangen, dann kam seine Krankheit dazwischen und dann verstarb er. Wenn das endlich in Angriff genommen werden könnte, wäre das sehr gut.“

Nilay schaute in die Runde, sonst schien niemand etwas sagen zu wollen: „Gut, dann ist das mein erstes Projekt hier, am besten wir schauen uns das gleich gemeinsam an, dann könnt ihr mir eure Vorstellungen gleich vor Ort beschreiben.“

Jetzt äußerte sich erstmals Nikara: „Das hat Zeit bis morgen früh. Bis dahin kann sich ja jede noch einmal Gedanken machen, was wichtig ist. Und Nilay kann mit dem derzeitigen Schuppen Erfahrungen sammeln, indem er dort übernachtet.“


In der Hitze der Nacht

Das macht Sinn“, stimmte Nilay zu. Prija sah ihn mit erschrockenen Augen an und auch Shyla schien befremdet.

Aruni aber schüttelte entschieden den Kopf: „Nein, das ist Unsinn, so etwas hat es hier noch nie gegeben. Wir haben immer zusammen gegessen, zusammen gearbeitet und hier in unserem einzigen Zimmer zusammen geschlafen. So war es immer, und so werden wir es auch jetzt halten!“

Normalerweise hatte in einer Familie, der Familienvater oder die älteste männliche Person das Sagen. Nach Sunils Tod gab es nur ein männliches Familienmitglied, nämlich Prem und der hätte das Sagen, wenn er zehn Jahre älter gewesen wäre - aber er war erst acht. Also war Aruni das faktische Familienober­haupt, ihr Wort war Befehl.

Nilay wagte dennoch einen Einwand: „Bisher wart ihr auch unter euch, alle waren Familienangehörige, das ist schon ein Unterschied. Außerdem seid ihr alle Frauen...“

Ich nicht!“ krähte Prem dazwischen.

Halt den Schnabel, du bis noch ein Kind!“ fuhr ihn Prija an und erklärte dann in aller Seelenruhe: „Aruni ist die Familienälteste, selbstverständlich gilt ihr Wort!“

Jetzt war Nikara in der Defensive, aber sie versuchte doch noch das Schlimmste zu vermeiden: „Aber nur, wenn ich entscheide, wie die Schlafplätze angeordnet werden.“

Daraufhin schwiegen alle und versuchten sich zu überlegen, worauf sie hinaus wollte. Nilay - der klügste von ihnen - ergriff als erster das Wort: „Das ist doch ein guter Kompromiss: Aruni als die Familienälteste hat entschieden, aber mir scheint Nikara macht sich bestimmte Sorgen, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann. Also legt sie fest, wer wo schläft.“

Nilay stellte fest, dass Prija das Gesicht verzog. Auch ihre Schwester bemerkte das, und es war nicht das erste was Shyla heute aufgefallen war...

Bevor irgend jemand etwas dagegen einwenden konnte, erklärte Nikara: „Danke Nilay, du bist vernünftiger als ich dachte. Aruni hat entschieden, dass alle hier in diesem Raum übernachten und ich lege die Reihenfolge der Schlafmatten fest. Also: Aruni schläft dort, wo sie immer schläft - auf der Bank - sie kann vom Boden nicht so gut aufstehen. Außerdem muss sie nachts gewöhnlich raus. Daher wird vor ihrer Lagerstatt immer etwas Abstand gehalten. Wir anderen ordnen uns von der hinteren Wand an. Ganz hinten schläft Nilay, er gehört nicht zur Familie und ist ein Mann, neben ihm kommt dann Prem, danach ich, schließlich die beiden Mädchen.“

Junge Frauen!“ widersprach Prija heftig, das war das einzige was sie noch tun konnte.

Der Eimer“, erinnerte Shyla ihre Mutter, „du musst noch sagen, wie es mit dem Eimer ist.“

Nikara hätte das Thema gern umgangen, das ging jetzt aber nicht mehr. „Ja, der Eimer. Aruni muss eigentlich jede Nacht aufstehen, Wasser lassen, dazu gibt es diesen Eimer,“ sie stellte ihn an das Fußende der Bank, auf der Aruni schlief.“

Da sie offensichtlich nichts anderes dazu sagen wollte, sahen sich Shila und Prija an. Prija nickte ihrer jüngeren Schwester zu, also erklärte die: „Und wenn jemand von uns anderen auch mal Wasser lassen muss, dann benutzen wir diesen Eimer auch. Und falls du das musst, Nilay, dann sei ganz vorsichtig, damit du ihn nicht umschüttest, schließlich ist es in der Nacht stockdunkel.“

Ihr habt kein kleines Licht über Nacht brennen?, fragte Nilay. Wie zündet ihr denn dann das Feuer zum Kochen wieder an?“

Das ist kein Problem. Die Nachbarn links und rechts haben nachts ein kleines Öllicht an, da holen wir dann das Feuer wieder“, erläuterte Shyla.

Inzwischen war die Dämmerung hereingebrochen. Nilay und Nikara räumten alles Störende zur Seite, damit die Lagerstatt für alle mit Strohmatten auf dem Boden ausgebreitet werden konnte. Dann gingen alle leicht bekleidet - wie es bei der Hitze üblich war - zu Bett.

Die beiden Mädchen (oder: jungen Frauen) unterhielten sich noch leise über Dorftratsch. Prem war heute viel herumgerannt und schlief als erster. Nilay sah, dass auch Nikara noch die Augen offen hatte. Er fragte: „Prija wird wohl bald aus dem Haus gehen und zu ihrem künftigen Mann gehen, ist es einer aus dem Dorf?“

Nein, nicht aus dem Dorf“, antwortete Nikara kurz.

Ein entfernter Verwandter?“ vermutete Nilay.

Nikara schwieg. Dafür mischte sich Prija, die das Gespräch wohl mitbekommen hatte, ein: „Nein, das hatte Vater früher so ausgemacht, aber mit seinem Tod ist das hinfällig. Ich bin niemandem versprochen, ich werde mir selbst einen aussuchen, der mir gefällt!“

Das war gerade das nicht, was Nilay durch das Gespräch erreichen wollte.

Nikara, die zunächst die Zähne zusammengebissen hatte, weil auch sie diesen Gesprächsverlauf absolut nicht mochte, zischte: „Nicht ganz, meine Tochter. Du kannst mir zwar einen Vorschlag unterbreiten, aber wen du heiratest, entscheide letztlich ich!“

Wenn du nicht zustimmst, gehe ich mit ihm weg!“ sagte Prija trotzig.

Das war eindeutig der Augenblick an dem Nilay klar Position zu beziehen hatte: „Das, was du sagst ist nicht in Ordnung. Wenn deine Mutter Einwände hat, dann hat sie dafür gewichtige Gründe. Und wegen so etwa überwirft man sich nicht mit seiner Mutter!“

Nikara war von der Bestimmtheit, mit der Nilay den Einwand vortrug, beeindruckt. Sie sagte das zwar nicht, aber sie zeigte es ihm durch ihren Gesichtsausdruck, dann drehte sie sich herum und wandte ihr Gesicht ihren Töchtern zu, diese aber hielten ihre Augen geschlossen. Allmählich wurde es stockdunkel im Zimmer.

Nilay erwachte, als Prem aufstand und überaus vorsichtig zum Eimer ging. Er war sehr leise und höchst umsichtig dabei, was Nilay beeindruckte. Als er jedoch zurückkehrte, ging er nicht zu seinem bisherigen Platz ganz am Ende, also noch hinter Nilay, sondern er legte sich zwischen seine Mutter und seine Schwestern - vermutlich dorthin, wo er sonst auch schlief. Sicher wollte er sich auch an seine Mutter kuscheln. Doch die drehte sich im Schlaf um und rückte damit unbewusst näher an Nilay heran. Ihr Körper berührte Nilays Rücken lag, was in ihm unangemessene Gefühle aufsteigen ließ.

Vorsichtig versuchte er von ihr abzurücken. Sie aber - vermutlich noch in tiefem Schlaf - legte ihren Arm auf ihn, sodass er nicht ausweichen konnte. Was sollte er tun? Sie wecken und zurückweisen? Wozu sollte das führen? Würden dann nicht alle wach? Was sollte sie dann tun, wenn er sich ihrer erwehrt? Sie würde dann ihn ihrerseits bezichtigen müssen, um nicht ihr Gesicht der Familie gegenüber  zu verlieren. Und er würde wieder in den Monsun verstoßen. - Er verwarf die Idee. Außerdem sagte er sich, dass sie das im Schlaf täte. Vermutlich eine alte Gewohnheit aus ihrer Ehe. Allerdings erregte ihn ihre spürbare Weiblichkeit gegen seinen Willen.

Natürlich war jetzt für ihn nicht mehr an Schlaf zu denken. Er bemühte sich, seinen Geist auf andere, zuträglichere Dinge zu richten. Dennoch gab es Elemente in seinem Geist, die immer wieder darauf drängten, diese Erregung zu spüren, auszukosten. Er schwitze, nicht nur weil es heiß war. So verging die Zeit, allmählich dämmerte der Tag, sie hatte sich zwar mehrfach leicht bewegt, allerdings dabei zwangsläufig an ihm gerieben, was in Nilay immer neue Schauer von Erregung hochsteigen ließ. Aber ihr Arm lag noch immer fest auf seinem Oberkörper und er spürte ihren weichen, weiblichen Leib von der Brust bis zu den Knien an seinem jungen Körper.

Dann hörte er ein Geräusch, er sah das jemand aufstand und schloss die Augen soweit, dass es aussehen sollte, als würde er schlafen, ließ sie aber einen kleinen Spalt weit offen, um zu sehen, was geschah, und ob Nikaras nur allzu intime Verbindung mit ihm bemerkt wurde.

Die da aufstand war Prija – und sie war völlig nackt! Sie muss ihr Nachthemd wegen der Hitze irgendwann ausgezogen haben. Warum auch nicht, es war ja da noch dunkel, sagte er sich.

Prija hatte auch bemerkt, wie intim ihre Mutter und Nilay miteinander dalagen. Das hatte sie nicht gewollt. Nilay hätte doch ihrer sein sollen – und jetzt drängte sich ihre Mutter dazwischen. Sie stand vor der Lagerstatt und beobachtete die beiden. Und sie sah, dass der Haltung nach, die Sehnsucht von ihrer Mutter ausging - er sich aber eher von ihr abwandte, allerdings war da eine deutliche Ausbeulung in seinem Untergewand, das er noch immer trug, zu erkennen.

Ob er wirklich schlief? War da nicht ein kleiner Spalt zwischen Augenlidern und Augen geöffnet? Sie bemerkte auch leichte Zuckungen an seinen Augen. Jetzt war sie sicher, dass er ihren nackten Körper sah. Er genoss mit den Augen ihren frischen, jugendlichen Körper, sagte sie sich – und strich sich mit ihren Händen über ihren nackten Körper, liebkoste ihre Brüste und ließ dann eine Hand weiter nach unten gleiten bis zur ihrer Scham, die sie langsam und genußvoll steichelte. Sie bemerkte, wie seine Augenlider nervös zuckten, und wie dann auch ein plötzliches, rhythmisches Zucken in seinem Untergewand war. Jetzt war sie sicher, dass er sie begehrte. Sie warf ihm einen Kuss zu, dann legte sie sich wieder hin und streichelte sich selbst.

Nilay war das Ganze entsetzlich peinlich. Ob sie gemerkt hatte was passiert war? Ob sie wusste, dass er sie beobachtet hatte? Wie sollte er aus dieser Zwickmühle jemals wieder herauskommen?

Er nahm vorsichtig Nikaras Hand und legte sie zur Seite, er befreite sich aus ihrer Umklammerung. Vermutlich hätte er das schon viel früher tun sollen! Nikara öffnete kurz die Augen, sah ihn verwundert an, bemerkte ihre Nähe zu ihm. Er blickte auch kurz zu ihr, dann stand er auf. Sie sah ihm ungläubig nach. Dann entdeckte sie, dass Prem auf der anderen Seite von ihr lag.

Nilay nahm sein Obergewand vom Haken und verließ die Hütte. Er ging hinters Haus, dort wo der Eimer mit dem Waschwasser stand, dann wusch er sich von Kopf bis Fuß, wusch allen Schweiß und sonstige Körperflüssigkeiten ab, anschließend zog er sein Obergewand an und wusch das Untergewand gründlich aus. Er wollte gerade zurückgehen, da fiel im noch ein, dass er den Eimer so nicht zum Waschen für die anderen stehen lassen konnte. Also schüttete er ihn aus, ging damit zum Dorfbrunnen und holte frisches Wasser.

Als er zurückkam ging er in die Stube, die anderen hatten inzwischen die Lagerstätten zur Seite geräumt und den Tisch wieder an seinen Platz gerückt. „Guten Morgen“, grüßte er und die anderen erwiderten seinen Gruß. Dann hängte er sein Untergewand zum Trocknen auf.

Aha!“ sagte Prija und lächelte ihn schelmisch-wissend an. Nilay lief rot an und und wäre am Liebsten in den Boden versunken. Man frühstückte zusammen, es gab Brei mit Früchten, aber es herrschte eine merkwürdige Stimmung, nur Aruni und Prem verhielten sich völlig unbekümmert, während Nikara und Nilay sehr schweigsam waren. Prija schaute etwas amüsiert drein und versuchte zweimal mit Nilay ins Gespräch zu kommen. Shyla beobachtete die merkwürdige Stimmung und versuchte sich einen Reim darauf zu machen.


Der Bau: Holz, Steine und zerbrochene Träume

Schließlich machte Nilay dem Spuk ein Ende: „Ich darf daran erinnern, dass wir uns um die Erneuerung des Schuppens am Stall kümmern wollten. Am besten wir gehen gleich nach dem Frühstück raus und sehen uns die Sache vor Ort an, ja Nikara?“

Fein, ich komme auch mit, habe auch so meine Ideen,“ die das sagte war Prija. Als Nikara dazu schwieg ergriff Nilay das Wort. „Ich meine, du solltest auch dabei sein, Aruni, schließlich bist du diejenigen, die hier bereits am längsten gelebt habt.“

Nein, Nilay, das ist nichts für alte Leute. Ihr baut für die Zukunft. Ich bin die Vergangenheit.“

Aber nein, Aruni, für die Vergangenheit bist du noch viel zu jung und rüstig, du wirst bestimmt noch 20 oder 30 Jahre hier wohnen!“ versuchte Nilay die Stimmung zu verbessern. Prija schaute zur Decke, um zu zeigen, dass sie das für Unsinn hielt.

Nikara stand auf: „Gut, dann macht ihr drei erst Mal den Haushalt fertig, Aruni, Shyla und Prija, und wir gehen nach draußen.“ So geschah es alsdann.

Nikara erklärte, was sie sich vorstellte: „Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wir bessern den Schuppen nur aus und vergrößern ihn dabei vielleicht etwas, denn er reicht bisher schon kaum aus. Oder wir lassen den Schuppen erst mal so, wie er jetzt ist und bauen einen neuen, größeren Schuppen auf die andere Seite des Stalls. Wenn wir damit fertig sind, können wir immer noch entscheiden, ob wir den alten Schuppen abreißen oder ausbessern. Was meinst du, Nilay.“

Während sie zurück in den Wohnraum gingen, dachte Nilay nach. Dort angekommen anwortete er ihr:  „Also der zweite Vorschlag, Neubau auf der anderen Seite ist sicher der eindeutig bessere. Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit. Der Abstand zwischen der Hütte und dem Stall ist relativ groß. Man könnte hier hinten an eure Wohnhütte nochmal einen gleich großen Raum anbauen. Dieser kann als Lager genutzt werden oder auch später einmal als Wohnraum, vielleicht von einem deiner Kinder, Nikara, wenn sie verheiratet sind, oder auch als Altenteil. Wenn wir mit dem Dach beginnen, vorn am Haus abgestützt, hinten an zwei großen Pfeilern, könnte ich dann hier hinten schon in ein paar Tagen nächtigen, in der Hütte scheint es mir doch ein bisschen beengt.“

Die zwei Frauen sahen ihn fragend an, daher erklärte er: „Wir hängen dort zu dicht aufeinander, das ist bei der Hitze nicht so gut, außerdem ist es euch doch sicher unangenehm, wenn da plötzlich ein fremder junger Mann immer bei euch ist, sogar nachts.“

Nikara sagte erst einmal nichts. Sie dachte nach. Als Nilay am Morgen aufgestanden war, hatte sie bemerkt, wie nah sie an ihm gelegen hatte. Entweder ihm missfiel dies, oder es muss den jungen Mann verunsicher haben, so dass er weg möchte. Sie sah die Schuld dafür bei sich. `Ich werde mit ihm darüber sprechen müssen´, sagte sie sich, `aber unter vier Augen´.

Statt ihrer schaltete sich jetzt Prija ein: „Also ich finde es in unserer Hütte nicht wirklich zu eng, aber wenn es dir da hinten, ganz am Ende, noch hinter Prem zu beengt ist, können wir ja auch einmal unterschiedliche Schlafanordnungen durchprobieren. Andererseits finde ich es gut, wenn wir einen weiteren Raum bekommen, vielleicht kann ich ja dann mit meinem künftigen Mann dort einziehen.“ Dabei warf sie Nilay einen auffordernden Blick zu, bevor sie fortfuhr: „Aber ich denke nicht dass wir Nilay schon in wenigen Tagen hier herausschicken sollten, noch dazu während des Monsuns.“

Nilay sagte verwundert: „Aber Prija, du wirst doch nicht hier wohnen bleiben, wenn du heiratest, natürlich ziehst du dann zu deinem Mann.“

Das werden wir erst einmal sehen, ob ich dann nicht doch mit ihm hier bleibe, oder ob ich mit ihm ziehe!“

Nilay, der vorhatte nach dem Monsun weiter zu ziehen, verstand sehr genau was sie meinte, als sie sagte: `oder ob ich mit ihm ziehe.´

Inzwischen hatte sich auch Nikara wieder gefangen: „Es scheint also Einigkeit zu bestehen, dass die beste Lösung ist, hier hinten an unserer Hütte einen weiteren Raum anzubauen. Alles andere kann ja später entschieden werden. So wie ich Nilay verstanden habe, benötigen wir dazu zwei tragende Säulen, wir müssen also zwei Bäume fällen. Am besten wir beginnen damit gleich heute Vormittag, bevor der nächste Regenguss kommt. Nilay, suche passendes Werkzeug im Schuppen, ich mache den Esel fertig.“

Und ich...“, begann Prija, die aber von ihrer Mutter scharf unterbrochen wurde: „Du gehst in den Garten, richtest, was der Regen kaputt gemacht hat und erntest das Gemüse für heute und morgen!“ Wenn Nikara so bestimmt sprach, traute sich nicht einmal Prija zu widersprechen.

Kurz darauf gingen Nikara und Nilay mit dem Esel los. Sobald sie außer Hörweite waren, sah Nilay die Frau an: „Du wolltest mit mir unter vier Augen sprechen.“


Zwischen Schuld und Verführung

Das ist richtig Nilay, ich bin etwas verwirrt über letzte Nacht. Ich hatte eigentlich Prem bewusst zwischen uns platziert, nicht dass irgendwelche unangemessenen Wünsche aufsteigen. Heute morgen lag er auf der anderen Seite von mir und wir beide lagen … unschicklich dicht zusammen.“

Das sehe ich genau so!“, bestätigte Nilay.

Aber Nilay, warum war Prem auf der anderen Seite?“

Er ging heute Nacht zu dem Eimer, übrigens für sein Alter ungeheuer vorsichtig. Auf dem Rückweg hat er sich zwischen dich und die Mädels gelegt, ich nehme an, er wollte lieber neben seiner Mami schlafen als hinter einem fremden Mann.“

Oh, ich dachte schon, du hättest ihn vielleicht ´rübergelegt!“

Wie konntest du so etwas von mir denken, ich bin ein anständiger Mann!“

Entschuldige, Nilay. Ich wollte nur verstehen, was war. Aber dann hast du dich doch sehr direkt an mich gelegt, kann ich ja auch verstehen, du bist schließlich ein junger Mann, also das ist jetzt nicht schlimm!“

Nein, Nikara, so war es nicht. Als Prem sich zwischen euch Frauen legte und an seine Mutter schmiegte, bist du ausgewichen, sodass ich mich von dir bedrängt fühlte.“

Um Himmels willen, das war nicht meine Absicht!“

Meine auch nicht! Als ich deinen weichen weiblichen Körper sehr nah, also direkt auf meiner Haut spürte, versuchte ich auszuweichen, dann hast du deinen Arm auf meinen Oberkörper gelegt, deine Brust lag auf meinem Arm, da konnte ich nicht ausweichen. Nicht, dass das unangenehm war, im Gegenteil, aber es war eindeutig unangemessen. Und ich traute mich nicht, deinen Körper wegzuschieben, weil ich Angst hatte, dass du davon aufwachst und das für einen Übergriff hältst.“

Oh, wie schrecklich! Das tut mir so leid!“

Aber, warum hast du es dann gemacht? Ich hatte Angst und konnte die ganze Nacht vor Erregung nicht schlafen!“

Jetzt war Nikara wirklich betroffen. Sie bekam ein rotes Gesicht und rote Ohren als sie versuchte zu erklären: „Ich ... davon weiß ich nichts … ich habe geschlafen … habe doch die ganze Zeit geschlafen... Warum nur?“

Sie schwieg eine Weile peinlich berührt, dann ergänzte sie: „Ich kann mir nur vorstellen, dass mich die ganze Situation, dein männlicher Geruch, an die Zeit mit meinem Sunil erinnert hat. Genau in dieser Haltung, die ich da hatte, also wie du es beschrieben hast, bin ich gewöhnlich eingeschlafen wenn wir … also du weißt schon … ich habe dann die Berührung mit seinem männlichen Körper mit in den Schlaf genommen. Vermutlich hat mir das seitdem gefehlt. Und es ist unbewusst im Schlaf wieder aufgestiegen.“ Sie seufzte: Ich habe mich heute morgen auch so erquickt gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Es tut mir leid, dass ich das getan habe, dass es dir so unangenehm war.“

Nilay schüttelte den Kopf. „Es war nicht unangenehm. Das ist ja das Schlimme. Es war angenehm, sehr angenehm - aber es war unangemessen. Du bist eine Witwe. Du bist mindestens doppelt so alt wie ich! Du hast allmählich Kinder im heiratsfähigen Alter! Und ich bin ein junger Mann, der in wenigen Wochen weiterzieht, der für immer fortgeht.“

Du hast recht.“ Dann schwiegen sie. Nikara dachte über das Gesagte nach. Ja, sie hatte unterschwellig gehofft, er würde da bleiben. Tatsächlich sehnte sie sich, die mit Anfang 30 keine alte Frau war, nach einer neuen Partnerschaft. Als Nilay plötzlich auftauchte, hatte sie manchmal das Gefühl, der Himmel habe ihn ihr geschickt. Nilay aber hatte jetzt sehr deutlich auf den Altersunterschied hingewiesen. Natürlich würde ein junger Mann wie er nicht die Mutter einer beinahe Gleichaltrigen begehren! Aber dennoch, wenn er, der sich in diesen nicht einmal 24 Stunden seit seinem Kommen so als tragende Figur des Haushalts herausgestellt hat, ihre Hütte verließe, wäre das vermutlich ein fast ebenso großer Verlust, wie der Tod von Sunil.

Aber wollte Nilay wirklich fort? Er engagiert sich doch so für sie, baut ihr Haus um. Warum muss er eigentlich fort? Um einen Thomas, einen Bekannten seines Vaters zu treffen? Wo er, ein mittelloser Wanderer hier dauerhaft ein festes Dach über dem Kopf haben könnte - für immer!

Ja, er hatte ihr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie zu alt für ihn sei. Aber Prija? Deren Interesse an Nilay war nur allzu deutlich. Bis jetzt hatte sie das verhindert, wohl aus Eifersucht. Sicher wäre es schön mit Nilay zusammen zu leben und auch das Bett mit ihm zu teilen. Aber wäre es nicht die zweitbeste Lösung, wenn er im Haus bliebe und ihre Tochter glücklich machte?

Bei diesem Gedanken spürte sie, wie wieder Eifersucht in ihr aufkam. Aber die Stimme der Vernunft war stärker. Und er wäre sicher auch das Beste, was ihrer immer einmal etwas widerborstigen älteren Tochter passieren konnte. Ja jetzt wusste sie, was sie wollte!

Diese beiden jungen Bäume wären genau dar Richtige!“ Nilays Worte holten Nikara in die Realität zurück. Kaum hatte Nilay den ersten Baum gefällt, er entfernte noch die Äste, da rief sie: „Schau nur, da hinten zieht es auf, in spätestens einer halben Stunde ist der Regen da!“

Nilay arbeitete schnell - er entfernte noch die größten Äste, schlug die Spitze des Baumes ab und band ihn an den Esel, der ihn zog. Doch kaum hatten sie die Hälfte des Rückwegs zurückgelegt, da setzte der Wolkenbruch ein. Sie brauchten für das kleine Stück bis zu Haus dann noch eine ganze Stunde, so langsam kam der Esel mit dem Stamm, der im Morast nachgezogen wurde, voran.

Dort brachten sie das Tier in den Stall und kamen bis auf die Haut durchnässt an. Arumi sah sie an und brachte ihnen zwei Tücher: „Zieht erst einmal die nassen Sachen aus, damit könnt ihr eure Blöße bedecken.“

Diesmal gehorchte Nilay, er drehte den Frauen den Rücken zu, als er sich auszog, dann umwickelte er die Hüften mit dem Sari.

Als er sich umsah, war auch Nikara nur mit dem Sari bekleidet. Nilays Anblick boten sich zwei noch immer sehr feste, volle Brüste. Sie sah seinen erschrockenen Blick.

Aber Nilay, zu Hause im Familienkreis, ist doch nichts dabei - oder ist das bei euch zuhause anders?“

Nein“, sagte er, „im Haus ist meine Mutter auch manchmal, wenn es heiß war, nur im Sari herumgelaufen. Aber ... da war es auch meine Mutter...“

Siehst du, und hier bin ich die Mutter, und du gehörst zum Haus, bist doch fast wie mein Sohn.“

Dann lasst uns essen, der Bohneneintopf ist fertig“, das war die Stimme von Aruni, die am Feuer stand, das inzwischen weit heruntergebrannt war: „Brinst du bitte den Topf in die Essecke, Nilay, du bist der kräftigste.“

Er tat es. Während des Essens bemühte sich Nilay, möglichst nicht in Nikaras Richtung zu schauen, er fürchtete, dass sich sein Blick nicht auf ihre Augen richten würde. Prija beobachtete ihn und bemerkte, dass das Verhalten ihrer Mutter anders war, als zuvor. Sie war sich nur noch nicht sicher, in welche Richtung es ging. Ihr fiel auch auf, dass Nilay das Gespräch besonders mit ihrer Großmutter und ihrer Schwester führte. Was war nur los?

Am Abend wurden wieder die Schlafmatten gebaut. Inzwischen war Arumi zum Stall gegangen. Als sie wiederkam trug auch sie nur einen Sari.

Großmutter, was ist?“ Shyla verschlug es fast die Sprache.

Ja, wieso? Bevor Nilay da war, haben wir, wenn es so heiß war, im Haus und besonders beim Schlaf auch nur einen Sari getragen – höchstens. Und wenn das Nikara jetzt macht, kann ich das auch. Auch wenn´s nicht so ästhetisch aussieht, wie bei ihr, hab ich recht, Nilay?“

Ich bin der letzte der euch Vorschriften macht, wie ihr in eurer eigenen Hütte rumlauft“, antwortete er diplomatisch. - Aruni sah sich bestätigt.

Ach, da ist noch etwas, was ich euch sagen möchte,“ erklärte Nikara mit einem leicht roten Gesicht. „Letzte Nacht ist Prem aufgestanden und hat sich dann auf die andere Seite von mir gelegt. Im Schlaf habe ich mich wohl herumgedreht und habe dann sehr nah an Nilay gelegen, also so, dass wir beide uns berührt haben, das war uns dann beiden sehr peinlich, daher werde ich heute Nacht ganz hinten schlafen, hinter Prem. Wie ihr euch legt ist eure Sache, ich möchte auf jeden Fall nicht neben Nilay liegen, das schickt sich nicht für eine Witwe.“

Kaum dass sie ausgeredet hatte verließ sie die Hütte, um zum Stall zu gehen, bevor sie zur Tür herausging, warf sie sich noch ein Tuch über, draußen wollte sie natürlich ordentlich bekleidet sein.

Merkwürdig“, wunderte sich Shyla, „also ich hätte keine Angst neben Nilay zu liegen, der tut uns doch nix.“

Ich auch nicht“, antwortete Prija, „soll er doch zwischen uns liegen.“ Sie sah in ihrer kleinen Schwester keine Konkurrenz. Aber irgend etwas musste zwischen Nikara und Nilay vorgefallen sein, so wie sie die beiden heute morgen vorgefunden hatte. Es schien, dass ihre Mutter aus dem Rennen um Nilay ausgestiegen war! Jetzt war sie sich sicher: er würde ihr gehören, sie hatte ihren Köder heute Morgen ausgeworfen, als er sich schlafend stellte und er hatte angebissen, da war sie sich sicher. Er wollte ja schon ihre eigene Hütte bauen, auch wenn er sie noch nicht so nannte!

Als Nikara wiedergekommen war, war die Dämmerung schon fortgeschritten, sie begab sich sofort in ihr Nachtlager. Die beiden Mädchen stellten sich mit dem Rücken zu ihm, als sie sich auszogen und einen Sari für die Nacht anzogen, aber Nilay blickte sie dabei nicht an, er sah nach Nikara, die flüsterte ihm zu: „Ich wünsche dir eine gute Nacht, mein Lieber!“ Dann legte sie sich hin und schloss sofort die Augen. Er erwiderte rasch ihren Wunsch, aber da kamen schon die beiden Mädchen, beide nur im Sari, und legten sich rechts und links neben ihm.

Prijas Lächeln wirkte besitzergreifend. Also entschloss er sich, sich auf die andere Seite zu drehen, wo er in Shylas offenes Gesicht sah, natürlich glitt sein Blick unwillkürlich auch kurz zu ihren noch jungen, aufknospenden Brüsten, dann sah er ihr wieder ins Gesicht. Seine Hand lag zwischen seinem und Shylas Gesicht, sie sah schön, offen, und nicht drängend aus, irgendwie unschuldig.

Er genoss den Anblick des Mädchens. Dann sah er und spürte er, wie sie ihre Hand in seine legte. Sie schloss die Augen und hauchte: „Schlaf schön!“ - „Du auch!“

Irgendetwas sagte auch noch Prija hinter ihm, aber da war er schon eingeschlafen, er hatte viel Schlaf nachzuholen.


Abschied von Shyla und der Traum von Maria

Zehn Wochen waren vergangen - die Regnezeit neigte sich dem Ende zu. Nilay srand kurz davof, das kleine Dorf, indem Nikara, Aruni, Prija, Shyla und Prem lebten, zu verlassen.

Er hatte – nach dem zuletzt berichteten – nur noch vier Nächte dort im Familienzimmer geschlafen, und immer hatte er sein Gesicht Shyla zugewendet, sie waren dann Hand in Hand eingeschlafen.

In der letzten dieser Nächte plagten ihn allerdings Träume des geschlechtlichen Verlangens. Als er davon mitten in der Nacht erwachte, erschrak er: eine Hand massierte ihn dort, wo es absolut unschicklich ist! Er schrak auf und drehte sich um. „Komm, fass´ mich auch an!“ säuselte Prija, die mit nacktem Oberkörper vor ihm lag und deren zweite Hand sich an eindeutiger Stelle unter ihrem Sari bewegte.

Nilay stieß die Hand, die ihn noch eben massiert hatte, barsch zurück. Er stand auf. Es war fast dunkel, nur ein fahles Mondlicht schien auf die Schlafenden. Er sah mit Abscheu auf dieses läufige Weibsstück! Nilay wandte sich zur Tür, ging hinaus. Was sollte er tun? So ging es nicht weiter! Hier konnte er nicht bleiben! Aber wo sollte er hin? Die Regenzeit würde noch mindestens acht, wenn nicht zehn Wochen dauern.

Nachdem er etwa zwei Stunden umhergegangen war und alles abgewogen hatte, wusste er was zu tun war: Er würde bleiben, aber von nun an in dem begonnen Anbau schlafen. Er hatte mit den Pfeilern und dem Dach begonnen, Regenschutz bot er schon jetzt. Er würde dort schlafen, aber konnte die Regenzeit hier im Dorf verbringen.

Er hatte in der Folgezeit Prija gemieden, was Nikara beunruhigte, die ihn nach ein paar Tagen zur Rede stellte. Er hatte zunächst ausweichend geantwortet, schließlich zugegeben, dass sie ihn bedrängt hatte, ohne in die Einzelheiten zu gehen. Daraufhin hatte Nikara wohl ihre ältere Tochter ins Gebet genommen. Danach war das Klima zwischen den Beteiligten angespannt. Nikara sah ihre Hoffnung schwinden, Nilay hier halten zu können. Sie selbst war ihm zu alt, Prija zu aufdringlich. Leider.

Am besten war der Kontakt noch zwischen Shyla und Nilay. Die beiden vertrauten einander. Einmal, als sie ihr Haar in dem Waschzuber wusch und danach versuchte, sich zu kämmen, sah er wie sie damit Probleme hatte: „Soll ich dir helfen?“ fragte er.

Das wäre ganz lieb!“, strahle Shyla.

Er verbrachte wohl fast eine Stunde damit, ihr Haar wieder in Ordnung zu bringen. Keiner von ihnen beiden hatte Eile. Die vertraute Nähe tat gut. Und die Tatsache, dass das in dem neuen Raum geschah und nicht dort, wo die anderen Familienmitglieder zugegen waren, verhinderte Störungen.

Woher kannst du das so einfühlsam?“

Ich habe früher oft meiner Schwester Maria dabei geholfen. Dein Haar ist genau wie ihres!“

Magst du deine Schwester?“

Ja, sehr!“

Erinnere ich dich an sie?“

Ja, durchaus, ihr seid euch sehr ähnlich. Obwohl sie natürlich zwei Jahre älter ist als ich. Du bis jünger.“

Stört dich das?“

Nein, durchaus nicht.“

Dann will ich deine jüngere Schwester sein!“

Schön“, sagte er und küsste sie auf die Stirn.

Bald wurde es ein Ritual, dass Shyla jeden Abend für eine halbe Stunde - manchmal auch etwas länger - zu ihm kam. Sie unterhielten sich, tauschten die Erlebnisse des Tages aus, und wurden so immer vertrauter miteinander. Ganz wie Bruder und Schwester – im besten Sinne. Und obwohl er ein junger Mann und sie ein Mädchen war, war das niemals ein Thema unter ihnen.

Natürlich hatte auch Nikara bemerkt, dass da etwas besonderes zwischen den beiden war. Als Shyla begann, jeden Abend für mindestens eine halbe Stunde zu verschwinden, war sie misstrauisch geworden. Daher war sie zweimal abends - zu der Zeit, als Shyla bei ihm war - zum Stall gegangen, was unverdächtig war, weil der ja als Abtritt diente. Die Wände von Nilays Neubau waren noch nicht fertig und sie konnte die beiden beim Hin- und Rückweg gut sehen. Sie lagen nebeneinander, aber in sittsamen Abstand und in angeregter Unterhaltung.

`Vielleicht verstehen sie sich ja so gut, dass Nilay schließlich nicht wegen Prija, oder wegen ihr selbst, wie sie anfangs gehofft hatte, hier blieb, sondern wegen Shyla!´, sagte sie sich.

So war die Zeit vergangen, inzwischen war der Neubau fertig, der zur Zeit noch Nilay als Schlafraum diente. Hier stand auch eine Bank mit einer großen Waschbütte, wo sie alle ihre Körperpflege erledigten. Wenn eine von ihnen hinging, um sich zu säubern, verließ Nilay immer sofort den Raum, ohne dass die Frauen das verlangt hatten.

In dieser Bütte wurde auch die Wäsche gewaschen, was Shylas Arbeit war. Da das eine schwere Arbeit war, bei der sie ins Schwitzen kam, verzichtete sie inzwischen auf die Oberbekleidung und verrichtete diese Tätigkeit nur im Sari, einem knappen Röckchen, was Nilay aber nicht störte, er ging nicht weg, warum auch, sie war ja jetzt seine Schwester.

Einmal, als Nikara zum Stall ging, sah sie durch die offene Tür von Nilays Raum, wie er ihr die Haare wusch, Shyla trug nur den Sari. Und als sie vom Stall kam, sah sie, wie beide auf der Lagerstatt saßen und er ihr die Haare abtrocknete. Aber sie machte sich keine Sorgen um ihre jüngere Tochter. Vielmehr hoffte sie, dass er doch hierbliebe, Shylas wegen.

Inzwischen, regnete es kaum noch, die Regenzeit ging zu Ende, die Straßen trockneten allmählich wieder.

Eines Tages fragte Nilay beim Frühstück, was noch zu erledigen sei, bevor er wieder wegginge. „Oh, kannst du nicht noch bleiben? Du hast so schön mit mir die Wurfspiele gespielt.“ Prem war der erste, der sich meldete.

Ja, mein lieber, wir haben dich alle schätzen gelernt und liebgewonnen, und zum ersten Mal haben wir einen Waschraum, wo man nicht gucken muss, ob einer auf der Straße vorbeikommt.“ Das war Arunis Meinung.

Jetzt glaubte auch Prija ihre Meinung sagen zu müssen: „Er hat von Anfang an gesagt, dass er weiter muss, und Reisende soll man nicht aufhalten. Außerdem muss man ja immer auf der Hut sein vor seinen Nachstellungen.“

Nilay errötete und Wut stieg in ihm auf, ob dieser Verkehrung der Tatsachen. Auch Nikara war erbost: „Das ging ja doch wohl eher von dir aus, so dass er schließlich aus unserem gemeinsamen Schlafzimmer fliehen musste.“

Prija warf ihre Breischale in die Ecke und ging erzürnt heraus.

Zu mir ist er wie ein Bruder!“ rief ihr Shyla nach.

Nilay seufzte: „Ja, dich werde ich vermissen, Shyla, meine liebe Schwester. Aber ihr seht, durch mich ist Unfrieden in dieses Haus eingekehrt und es ist besser, wenn ich gehe.“

Lass uns beide nachher darüber reden, Nilay,“ versuchte Nikara das Thema vorübergehend aufs Eis zu legen.

Nachdem der Tisch abgeräumt war, seufzte Nikara, dann sah sie erst Nilay an, danach Shyla: „Wir drei sollten jetzt einen Spaziergang miteinander machen.“ Nilay und Shyla waren gleichermaßen erstaunt, dass sie beide dazu aufgefordert wurden. Shyla sah Nilay an: „Wenn dir das auch recht ist?“

Warum auch nicht?“ antwortete der.

Unterwegs erklärte die Mutter, wie sie die Situation sähe: „Seit Sunil tot ist, lief unser Haushalt, die Bewirtschaftung des Gartens und der Äcker schlecht, die Hütte verfiel. Seit du hier bist, Nilay, hast du Wunder gewirkt.“

Dann wandte sie sich direkt an ihre Shyla: „Anfangs hatte ich mir sogar ein bisschen Hoffnung gemacht, er würde vielleicht wegen mir bleiben. Ich habe keinen Mann mehr, er keine Frau. Aber das war natürlich Unsinn, er ist ja so viel jünger als ich, ich könnte seine Mutter sein. Dann fiel mir auf, dass deine Schwester ein Auge auf Nilay geworfen hatte. Warum auch nicht, die beiden sind im richtigen Alter eine Ehe einzugehen. Aber leider ist es so, dass Prija sich ihm gegenüber unziemlich benommen hat, hat er dir das erzählt, Shyla?“

Diese Frage hatte das Mädchen nicht erwartet: „Nein, nicht so direkt, nur andeutungsweise. Aber ich habe ja selbst gesehen, wie scharf Prija auf ihn war. Ich fand es ausgesprochen widerlich. Schon als sie am ersten Tag zum Brunnen gingen, habe ich gesehen, wie sie vorher ihr Leibchen aufgeschnürt hat, um ihre Brüste wie einen Köder für ihn auswerfen!“

Ja, da bist du völlig anders, meine Tochter. Ich bin auch sehr enttäuscht über deine Schwester und hoffe nur, das sie bald einen Mann findet und auszieht.“

Nilay lächelte: „Ich denke, das dürfte nicht allzu schwer sein, es gibt genug Kerle, die auf Mädchen wie sie stehen.“

Nikara sah ihre jüngere Tochter an: „Aber dann wird noch mehr Arbeit an uns beiden hängen bleiben, wenn Nilay weg ist und auch Prija.“

Nilay musterte sie: „Warum so pessimistisch? Du hast noch eine wunderbare Tochter! Und auch wenn Shyla vielleicht in drei Jahren auch heiratet und auszieht, dann ist Prem fast so alt wie ich. Dann hast du einen jungen, starken Mann im Haus, der in einigen Jahren auch eine Frau ins Haus holt. Es wird wieder Kinder geben, die du mit aufziehst, sei doch nicht so pessimistisch.“

Nikara sah in flehend an: „Das ist eine Variante. Eine andere ist, dass du vielleicht noch einige Zeit bleibst, du hast jetzt deinen eigenen selbstgebauten Raum. Und Shyla, also deine neue Schwester, könnte ganz zu dir ziehen. Bruder und Schwester, die ihre eigene Äcker bewirtschaften! Wenn Shyla bei dir wäre, hätten wir auch vorn etwas mehr Platz, dann können wir dort einen eigenen Waschzuber aufstellen und müssten nicht immer zu dir, um uns zu waschen, ich habe doch gesehen, wie dich das nervt!“

Nilay sah ihr Flehen - und er sah auch das Aufleuchten in Shylas Augen, und nichts lag ihm ferner, als seine geliebte neue Schwester zu enttäuschen, aber er musste es sagen: „Ich habe eine Aufgabe, ich muss diesen Thomas finden, ich muss erfahren, was mein Vater dort im Römischen Reich gemacht hat!“

Nikara hatte Tränen in den Augen, aber sie nickte: „Gut, Nilay, mach das. Du brauchst noch drei Monate für die Reise nach Kerala. Selbst wenn du ein oder zwei Monate dort bleibst, kannst du bis zur nächsten Regenzeit wieder hier sein. Du wirst doch irgendwo während des nächsten Monsuns unterkommen müssen! Tu es hier! Hier hast du eine Bleibe. Hier hast du einen Raum für dich allein - oder für dich und Shyla! Deine neue Schwester liebt dich. Ihr probiert dann während dieser drei Monate aus, ob das für euch gut und stimmig ist. Dann kannst du immer noch entscheiden, ob du zurückgehst zu deinen Eltern, oder ob du hier im Dorf bleibst bei Shyla.“

Shyla strahlte - doch sie fügte leise hinzu: „Oder ob du mich dann mitnimmst zur Mettā-Sangha!“

Das verschlug jetzt sowohl ihrer Mutter wie auch Nilay die Sprache.

Und nachdem alle einige Zeit geschwiegen hatte ergänzte Shyla: „Vielleicht sollten wir über die verschiedenen Möglichkeiten ein oder zwei Nächte schlafen.“

Am Abend war Shyla wie immer für ein Stündchen bei Nilay. Er kämmte ihr Haar. „Willst du jetzt darüber sprechen“, fragte sie.

Ich habe noch keine Nacht darüber geschlafen.“

Stimmt!“ antwortete sie und nach einer Pause: „Wie trägt eigentlich Maria ihr Haar?“

Sie sah ihn an, er schaute verträumt: „Ja, Maria, meine liebe Schwester Maria...“ Shyla bemerkte, wie sehr er seine Schwester mochte. Sie sah ihn an. Jetzt fiel ihm auf, dass er noch nicht geantwortet hatte: „Maria trägt Zöpfe, zwei lange Zöpfe!“

Hast du sie ihr geflochten?“

Meist hat sie das selbst getan, sie war darin viel geschickter als ich, aber manchmal, wenn wir abends auf dem Bett saßen und uns unterhalten haben, so wie wir jetzt, ja, manchmal habe auch ich ihr die Haare geflochten.“

Shyla lächelte wehmütig: „Würdest, du das auch für mich machen?

Wenn du magst.“

Ich dürstet danach.“

Dann begann er ihre Zöpfe zu flechten: „Merkwürdig, ich habe ein Gefühl wie damals bei Maria, es fühlt sich an wie bei uns zuhause in der Mettā-Sangha, ich sitze auf einem Bett mit einem schönen Mädchen, die nur eine Sari trägt und flechte ihr die Haare.“

Dein Schwester trug dabei auch nur einen Sari?“

Im Sommer ja, sonst ist es bei uns zu kalt.“

Bestimmt hat sie inzwischen geheiratet, jetzt sitzt ihr Mann bei ihr und flicht ihre Haare, während sie ihr Baby stillt.

Nein, das glaube ich nicht!“, rief Nilay entrüstet. Sie hat keinen Mann und schon gar kein Baby!“

Damals nicht, Nilay,“ antwortete Shyla sanft. „Aber das ist zwei Jahre her. Du warst ihr Vertrauter, dann warst du weg! Selbstverständlich hat sie sich dann nach einiger Zeit nach einem Mann umgesehen. Oder deine Eltern haben es für sie getan. So ist die Realität!“

Nein! Nein! Nein! Das glaube ich nicht!“, wiederholte Nilay, er hatte Tränen in den Augen, sie nahm ihn in den Arm, wo er sich an ihrer Brust ausweinte, bis er einschlief.

Vorsichtig legte sich auch Shyla hin. Es war für sie ungewohnt, ihn so dicht an sich zu spüren, sein Kopf lag jetzt auf ihrer jungen Brust. Sie konnte nicht schlafen.

Irgendwann erwachte er, bewegte sich. Er wusste nicht wo er war, tastete um sich, er berührte dabei auch ihre Brust. Jetzt erst erinnerte er sich, er bemerkte auch, das sie wach war: „Entschuldige, wenn ich dich da angefasst habe, ich wusste nicht wo ich bin.“

Ist schon in Ordnung, mein Lieber.“

Ich habe geträumt, aber es war so realistisch!“

Hast du von Maria geträumt?“

Ja, woher weißt du das?“

Weil ich dich kenne!“

Du machst dir aber keinen Begriff, davon, was ich geträumt habe!“

Du hast ihre Zöpfe geflochten...“

Ja, richtig! Und dann hat sie gesagt, dass ich ihr nie wieder die Zöpfe flechten werde, weil sie Nonne würde!“

Nonne!?“

Ja.“

Shyla seufzte: „Schlaf jetzt wieder, mein Lieber!“

Bleibst du hier?“

Ja, als deine Schwester!“

Dann legte sie wieder ihre Hand in die seine und schlief ein. Nilay aber lag wach, er konnte nicht mehr schlafen. Als die Morgendämmerung Licht ins Zimmer trug, sah er, wie das junge Mädchen noch immer schlief. Sie sah wunderschön aus mit ihren neuen, langen Zöpfen, einer lag nach vorne und es sah aus, als rahmte er ihre eine Brust ein.

Etwas später gingen sie zum Frühstück, natürlich war aufgefallen, dass Shyla die ganze Nacht nicht ins Familienschlafzimmer gekommen war, sondern bei Nilay nächtigte.

Guten Morgen!“ grüßte Nilay verlegen.

Nikara musterte die beiden, suchte nach Veränderungen, stellte aber nur die Verlegenheit bei beiden fest, was auch nicht verwunderlich war, dann sagte aiw: „Ich hoffe ihr beiden hattet eine schöne Nacht!“

Nilay errötete: „Es ist nicht so wie ihr denkt!“

Wir denken gar nichts!“ wiegelte Nikara ab.

Doch, ich denke schon etwas Mutter! In der ersten Nacht hat er sich an dich ´rangemacht, dann hat er es bei mir versucht, und als er da nicht landen konnte, hat er eben das kleine Mädchen gevögelt!“

Du verlässt sofort den Raum!“ Nikara schaute ihre ältere Tochter so wütend an, wie noch nie.

Prija hatte inzwischen die Hütte verlassen. Sie heulte.

Nikara versuchte sich für ihre Tochter zu entschuldigen: „Prija hat sich selbst Hoffnungen gemacht und ist nun enttäuscht. In den nächsten Tagen komme ich mit einem Teil der Nahrung zu euch ´rüber und esse mit euch drüben, bis sich die dumme Göre wieder eingekriegt hat.“

Das Frühstück verlief in frostiger Atmosphäre, obwohl Nikara verschiedene Anläufe machte, die Stimmung aufzuhellen.

Kommst du mit raus“, fragte Nilay das Mädchen schließlich. Sie gingen ins neue Zimmer. Er sah seine Freundin traurig an: „Du siehst, ich habe nur Unfrieden gebracht, es ist Zeit dass ich weggehen.“

Nein, mein Lieber, nicht du hast den Unfrieden gebracht, sondern Prija mit ihrer Geilheit und ihrer Intriganz!“

Mag sein, aber es läuft aufs gleiche raus, morgen, übermorgen oder in drei Tagen – ich muss weg, sobald die Straßen wieder begehbar sind.“

Ich weiß, Liebster, aber du kommst doch wieder, wenn du alles mit diesem Thomas erledigt hast. Bis dahin ist hier wieder Gras über die Sache gewachsen. Ich bin sicher, so nötig wie es meine Schwester hat, ist sie dann schon mit einem anderen mindestens verlobt.“

Nein, meine Liebe. Ich empfinde für dich genauso viel wie du für mich. Aber es geht nicht. Ich habe mich entschieden. Ich mache es so wie Maria. Ich werde Mönch!“

Aber du weißt das doch gar nicht von Maria, das hast du doch nur geträumt!“

Ich weiß seit letzter Nacht definitiv, dass sich Maria für das zölibatäre Leben entschlossen hat, und ich werde das auch tun.“

Shyla schluchzte, in rascher Folge liefen ihr Tränen über die Wangen: „Ich werde dich nie wieder sehen?“

Vielleicht werde ich auch Maria nie wieder sehen, ich musste sie zurücklassen, wie ich auch dich zurücklassen muss. Ich habe einen Auftrag, das spüre ich tief hier drinnen, und den muss ich erfüllen. Genauso wie mein Vater. Genauso wie meine Mutter. Aber so wie ich ganz sicher bin, letzte Nacht mit Maria in Kontakt gewesen zu sein, so können auch wir beide in entscheidenden Stunden unseres Lebens miteinander in Kontakt sein.“

Meinst du?“

Wir besiegeln das mit diesem Kuss!“ sagte er und küsste sie auf den Mund.

Dann sahen sie sich in die Augen. „Nilay, diesen Kuss werde ich nie vergessen!“

Ich auch nicht, meine geliebte Shyla, ich auch nicht!“

Am Abend kam sie noch einmal kurz zu ihm, aber nicht so lange wie sonst, denn was zu sagen war, war gesagt. Dem war nichts mehr hinzuzufügen. Auch kein weiterer Kuss.

Als es dämmerte, bekam Nilay erneut Besuch, diesmal von Nikara.

Nanu, was führt dich her?“

Shyla hat mir gesagt, dass du für immer weggehst.“

Und du bist gekommen, um mich umzustimmen?“

Nein, Nilay, ich weiß, dass ich dich nicht umstimmen kann, also werde ich es auch nicht versuchen. Aber Shyla hat mir auch gesagt, dass du Mönch werden möchtest, und das macht mich besorgt. Ehrlich gesagt, ich fürchte, dass wir daran Schuld sind. Wir haben dich alle drei irgendwie bedrängt. Erst ich, im Schlaf, in der ersten Nacht. Dann Prija, die sich wirklich aufführt wie eine läufige Hündin. Und schließlich Shyla auf ihre angenehm ruhige Art.“

Nilay seufzte: „Shyla hat mich nicht bedrängt, da war nichts. Letzte Nacht waren wir so traurig, ich musste weinen und bin dann eingeschlafen, mit dem Kopf auf ihrer Brust – aber sonst war nichts. Sie konnte nicht weggehen, weil mein Kopf ja ... – na und als ich aufwachte, war es längst dunkel. Aber wir haben nichts Unschickliches gemacht.“

Ich weiß Nilay, ich weiß. Du hast noch nie etwas Unschickliches gemacht, mit keiner Frau, mit keinem Mädchen und auch noch mit keinem anderen Wesen. Und du willst jetzt Mönch werden, weil du glaubst, dass deine Schwester auch Nonne ist. Aber das Verlangen kommt wieder. Und weißt du auch warum? Weil du keinerlei geschlechtliche Erfahrungen hast. Du wirst diese Sache überhöhen, so wie auch Prija sie überhöht. Und das ist der Grund, warum dich dein Verlangen übermannen wird, wenn du ordiniert bist. Das wirst du nicht aushalten!

Und deswegen meinst du ich solle mit einer von euch dreien?“

Das wäre eine Möglichkeit“, gab Nikara zu. Aber es gibt noch eine andere. Ich weiß, dass du Geld hast, ich weiß schon lange, dass du einen Geldbeutel bei dir trägst.“ Sie senkte die Stimme: Du kannst zu einer Kurtisane gehen. Oder zu mehreren. Du wirst feststellen: es ist nicht das, was du dir vorgestellt hast. Wir machen die Dinge, die wir nicht kennen, größer als sie sind. Daher lerne es kennen. Erkenne, wie es ist! Dann wirst du entdecken, dass du es nicht brauchst. Aber erst dann! Und es ist besser, das vorher zu entdecken, als davon geplagt zu werden, wenn du die Mönchskutte trägst und schließlich zu versagen.“

Ich werde definitiv nicht zu einer Kurtisane gehen.“

Ist aber einfacher, da musst du nicht einer Frau etwas versprechen, was du hinterher nicht halten kannst oder willst.“

Als er schwieg, fragte sie: „Oder soll ich Prija sagen, dass du hier auf sie wartest?“

Deine Tochter? Bist du verrückt? Und wenn sie schwanger wird?“

Wird sie nicht, sie hatte bis vor zwei Tagen ihre Periode, sie hat sie immer gleichzeitig mit mir. Vielleicht wäre der anschließende Liebeskummer ein gutes Heilmittel für sie.“

Nein, dazu war sie zu garstig, und als Strafe soll man so etwas nicht einsetzen. Nein, das ist absurd.“

Aber meine andere Tochter ist für so etwas zu schade. Nicht für einen, der hinterher weggeht.“

Nilay sah Nikara – so gut dies bei der fortgeschrittenen Dämmerung noch ging – in die Augen. „Du willst doch nicht sagen, ich solle ….“

Nein, nein!“, wehrte sie ab.Du sollst nicht. Es ist ein Angebot. Ich bin sicher, es wäre gut für dich. Und mir würde es auch nicht schaden.“

Weil du – wie Prija – bis vor zwei Tagen deine Periode hattest.“

Aber nur unter einer Bedingung, Nilay, nämlich dass du wirklich in ein oder zwei Tagen hier weggehst und nie wieder kommst, es soll eine einmalige Sache sein.“

Einige Stunden später schlief Nilay vor Erschöpfung ein. Nikara stand auf und wusch sie am Waschzuber sehr gründlich, dann schlich sie ins Haus, noch bevor der Morgen dämmerte. Zum Glück schienen alle zu schlafen, sie ging zu ihrer Lagerstatt. Wo war Prem? Ah, er schien sich jetzt neben Prija gelegt zu haben.

Als der Morgen graute, wachte Nikara von den Geräuschen der anderen auf, eine nach der anderen suchten den Stall auf. Als der Frühstückstisch gedeckt war, wunderte sich Shyla: „Wo ist denn Nilay, der ist doch sonst immer einer der ersten, soll ich nach ihm sehen?“

Nein, lass mal, ich habe gestern Abend mit ihm gesprochen. Er will nicht, dass sich so eine Szene wie gestern morgen wiederholt.“

Nach dem Frühstück instruierte Nikara Nilay, was sie den anderen gesagt hatte. Der antwortete: „Ich werde noch heute weggehen!“

Das ist gut, das vermeidet irgendwelche Komplikationen.“

Als sie gehen wollte sagte er noch: „Ach, und danke!“ Er lächelte etwas verlegen.

Es war mir ein Vergnügen!“ sie zwinkerte ihm zu.

Gegen Mittag regnete es nochmals kurz, es war aber nur ein kleiner Schauer, die Regenzeit war definitiv vorbei. Nilay verabschiedete sich, nur Prija war nicht zugegen, aber niemand war böse darum.

Nilay drückte seiner jungen Freundin die Hand: „Du bist wunderbar, Shyla, ich werde dich nie vergessen.“

Als letztes verabschiedete er sich von Nikara: „Danke!“

Diese erwiderte: „Wenn du es dir anders überlegen solltest, du kannst gern wiederkommen – aber nur, wenn du um Shylas Hand anhalten willst – und über alles andere kein Wort mehr!“

Nach fünfzig Schritten drehte er sich nochmal um, aber es war niemand von ihnen mehr auf der Straße. `Ist auch besser so´, dachte er.


Eine Zeit der Reflexion

Es dauerte zwei Wochen, bis er das alles verarbeitet hatte, was in Nikaras Familie passiert war. Er akzeptierte alles genau so, wie es gekommen war. Vielleicht hatte Nikara ja recht: Jetzt wo er die Vorzüge der körperlichen Liebe kennen gelernt hatte – aber auch die innere Leere, die dem folgte - war er bereit Mönch zu werden. Die vergangene Regenzeit war eine Lehrzeit für ihn, eine sehr intensive Lehrzeit, was die Beziehungen zwischen den Geschlechtern anging.

Er wusste jetzt, was er zu tun hatte: er würde zuerst diesen Thomas aufsuchen, dann würde er versuchen, auch an anderen Orten, wo sein Vater früher war, ihm nachzuforschen, und anschließend sich ordinieren zu lassen – am Liebsten im Kloster Weiße Wolke, auf den Spuren seines Vaters.

Vielleicht würde es ihm gelingen in etwa fünf bis sieben Jahren zurück zu sein in der Mettā-Sangha. Denn die hielt er für fast vollkommen – nur ein Kloster fehlte dort noch. Also müsste er dort eines gründen.


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Erläuterungen

Buddha – wörtlich: Erwachte/r; eine Person, die das Ziel des Buddhismus erreicht hat und damit           befreit ist von den Fesseln des Ichglaubens. Der historische Buddha lebte von 560 – 480 v. Chr. in Nordindien, sein bürgerlicher Name war Siddhartha Gotama von Śākya.

Dharmahier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des Buddha. Das Wort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz, Wissenschaft, Lehre.

Drei Juwelen – die drei höchsten Kostbarkeiten im Buddhismus: der Buddha (unser Ideal), der Dharma (die von ihm begründete Wissenschaft) und der Sangha (die Gemeinschaft der erfolg­reich Praktizierenden), der Sanskrit-Terminus hierfür ist Triratna.

Erwachen – andere spirituelle Traditionen sprechen von Erleuchtung, im Buddhismus verwenden wir besser den Ausdruck „Erwachen“ für das, was der Buddha erreicht hat. Während unter „Erleuchtung“ jeder etwas anderes verstehen kann, beschreibt „Erwachen“ das spezifisch Buddhistische, die Tatsache, dass die erwachte Person die drei Wesensmerkmale (Unvollkommenheit, Vergänglichkeit, Wesenslosigkeit) völlig verwirklicht hat. Es ist für die erwachte Person so, als sei alles, was vorher war, so absurd und unlogisch wie ein Traum, daher der Ausdruck „Erwachen“.

Erwachter – die deutsche Übersetzung von Buddha”

Mettā(Pāḷi) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn Mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind.

Mettā BhāvanāMeditation zur Schaffung von Bedingungen damit Mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen. 

Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft

Sanghaspirituelle Gemeinschaft, meist für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. (Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nur Erleuchtete.)

Sari - Im heutigen indischen Sprachgebrauch ein Kleid. Damals - und in manchen Teilen Indiens und in Sri Lanka auch heute noch ein einfaches Stück Stoff, das um die Hüfte gewickelt wird und bis zu dem Waden reicht, also in etwa ein weiter dünner Rock, wie auf dem Bild unten, das die Grüne Tara zeigt.

Thomas, der Apostel - Der Apostel Thomas kommt in allen vier Evangelien vor. Er war jener Jünger, der nicht an die Auferstehung Jesu glauben wollte, bevor er nicht mit eigenen Augen die Wundmale Jesu gesehen hatte. Deshalb wird er auch der Ungläubige genannt. Nach dem Tod Jesu wirkte Thomas als Missionar. Seine Wege führten ihn bis nach Persien und Indien. Thomas starb den Märtyrertod. Wahrscheinlich hat ihn ein Brahmane während eines Gottesdienstes in Kalamina, das ist vermutlich in der Nähe von Madras, ermordet. (Quelle: kathpedia.com 19.4.2024)


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