Horst
Gunkel, Band
4 der Metta-Sangha-Saga: Nilay - der Sohn Jesu - Kapitel 8
letztmals bearbeitet am
16.02.2026
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Am späten Nachmittag des zweiten Tages, nachdem Nilay den Jhelam überquert hatte, kam er an einen weiteren Fluss des Fünfstromlandes - an den Chanab. Der Fluss war hier in etwa so breit wie der Jhelam, aber er schien etwas langsamer zu fließen. Der Weg, dem er gefolgt war, endete am Ufer und ging an der anderen Seite weiter. Da weit und breit kein Boot zu sehen war, das als Fähre diente, vermutete Nilay hier eine Furt - wofür auch sprach, dass es zwei kleine Inseln aus Flusskieseln gab. Andererseits sah es nicht so aus, als könne man bequem hindurch waten.
Während er noch überlegte, ob er seine Kleidung ausziehen und während der Überquerung auf dem Kopf tragen sollte, sah er auf seiner Seite des Ufers in etwa 400 Schritt Entfernung einen anderen Wanderer kommen. `Den könnte ich fragen - sieht aus, als ginge der öfter hier entlang.´
Nilay überlegte die Vor- und Nachteile der Art des Überquerens: Würde er mit seiner gesamten Kleidung durchzugehen versuchen und es käme doch plötzlich eine tiefe Stelle, so würde er sicher vom Fluss ein Stück weiter gespült, denn die Robe bot einen guten Angriffspunkt für die Strömung. Er konnte zwar schwimmen, jedoch hatte er das bislang immer nackt gemacht. Wenn er aber die Kleidung über dem Kopf tragen würde, so bestand die Gefahr, dass er, falls er doch ein Stück schwimmen muss, seine Kleidung verlöre – und damit möglicherweise auch sein Geld.
Inzwischen war der andere Wanderer näher gekommen, er trug ähnliche Roben wie die buddhistischen Mönche, jedoch in weißer Farbe – wobei das kein blütenweißes Weiß war, sondern eher ein helles Grau. Man sah ihm an, dass er diese Kleidung schon lang trug, auch wenn er alles andere als ungepflegt wirkte. Er hatte einen Bettelstab und eine Bettelschale bei sich, wie es umherziehende Pilger und Mönche haben.
Als er nah genug war, sprach Nilay ihn an: „Sieht aus, als wäret Ihr ein umherziehender Pilger und wolltet auch hier den Chanab überqueren. Mein Name ist übrigens Nilay - ich bin auf der Reise nach Kerala.“
Der Mönch wunderte sich: „Nach Kerala, da habt Ihr noch viele Monate der Reise vor Euch. Ich habe es längst nicht so weit. Ich möchte in ein anderes Kloster ziehen, einige Tagesreisen nach Süden von hier. Mein Name ist übrigens Sukhavati.“
„Welchem Orden gehört ihr an, welcher Lehre folgt ihr,
Ehrwürdiger,“ erkundigte sich Nilay.
„Ich bin ein Jain, ich folge der Lehre des Furtbereiters Mahavira.“
„Und Ihr, Nilay - welchem Meister folgt ihr?“
„Ich wurde von meinen Eltern, beide sind Gurus, erzogen. Meine Mutter folgt der Lehre des Buddha, sie war früher Nonne. Mein Vater orientiert sich auch am Buddha, wuchs aber im Römischen Reich auf und betet zu einem Gott namens Abba. Ich war ein halbes Jahr in Puruschapura im Theravada-Kloster als Novize. In Kerala suche ich einen Mann, der in der römischen Provinz Syrien früher mit meinem Vater zusammenarbeitete und wohl ein Kloster in der Tradition dieses Gottes Abba errichtet hat. Dort werde ich mir diese Lehre näher ansehen.“
Sukkavati schien von Nilays Rede angetan: „Da tut Ihr gut daran, Nilay, Euch zunächst umzusehen, welche Richtungen es gibt. Vielleicht schaut Ihr ja auch bei einem unserer Klöster vorbei und informiert Euch.“
Gewaltlosigkeit - Theorie und Praxis
„Schon möglich. Mein Vater war als junger Mann auch einmal in einem Jain-Kloster. Er hat mir gesagt, es gäbe da zwei Richtungen - Ihr gehört offensichtlich zu denen, die man Weißgekleidete nennt.“
„Das ist richtig. Mahavira, hat uns zu absoluter Gewaltlosigkeit verpflichtet. Das bedeutet: keinerlei Gewalt gegen Mensch oder Tier, so wie auch bei den Anhängern des Buddha. Aber Mahaviras Lehre geht weiter. Neben diesen beiden höchsten Arten von Wesen - den Menschen und den Tieren - bemühen wir uns auch, die Pflanzen so wenig zu schädigen wie möglich. Wir essen also nur so viel wie unbedingt nötig. Wir Weißgekleidete tragen unsere Roben so lang wie nötig, denn für ihre Erzeugung werden Pflanzenfasern benötigt, was ja bedeutet, Pflanzen in einer Art zu verwenden, die nicht deren Wesen entspricht. Es ist gewissermaßen eine Art Missbrauch. Daher auch diese beiden Richtungen im Jainismus: Wir Weißgekleidete sagen, ein Minimum an Kleidung ist ebenso nötig zum Leben wie ein Minimum an Nahrung. Es gibt aber Mönche des Jainismus, die sind da noch strenger und sagen, dass nur Nahrung unbedingt nötig sei - nicht aber Kleidung. Sie verbringen daher ihr Leben nackt; wir bezeichnen sie als `Luftgekleidete´.“
„Empfinden diese Luftgekleideten denn keine Scham?“, fragte
Nilay nach.
„Sie sagen, das Leid, dass sie durch ihre Scham ertragen müssten, sei geringer als das Leid, das wir den Pflanzen antun, wenn wir sie als Kleidung missbrauchen. Außerdem nehme ich an, dass das Schamgefühl allmählich verschwindet, wenn man sich daran gewöhnt, immer nackt zu sein.“
Nilay überlegte: „Im Männerkloster mag das ja noch angehen. Aber sind sie auch nackt, wenn sie in Dörfer oder Städte gehen, um ihre Nahrung zu erbetteln?“
„Ja, Nilay, auch dann gehen sie als Luftgekleidete. Warum auch nicht. Die Tiere gehen ja auch ohne Gewänder.“
Und nachdem er einen kurzen Blick auf den Chanab geworfen hatte, ergänzte er: „Nilay, jetzt wird es interessant, da drüben kommt ein Reiter. Wenn er den Fluss überquert, können wir sehen, wie tief die Furt ist.“
Beide Pilger betrachteten den Reiter. Sobald er das Ufer erreicht hatte, saß er ab, zog sich aus und legte seine Kleidung gut verschnürt aufs Pferd, das er dann am Zügel in den Fluss führte. Das Pferd schien keine große Scheu zu haben - vermutlich hatten Pferd und Reiter den Chanab hier schon oft überquert. Tatsächlich gingen sie nicht in gerader Linie durch den Fluss, sondern zunächst auf eine der beiden Kieselsteininseln und danach durchs Wasser - wobei sie an einer Stelle die Richtung nach links änderten. Als Pferd und Reiter angekommen waren, trocknete sich der Mann mit seinem Obergewand ab, dann zog er sich wieder an.
Nilay sprach ihn am: „Es sieht so aus, guter Mann, als wärt Ihr sehr erfahren im Durchqueren des Flusses an dieser Stelle.“
„Das ist richtig - ich bin ein Nachrichtenbote und reite diese Strecke einmal monatlich in jede Richtung. Derzeit ist die Flusstiefe moderat. Wenn ihr von hier schaut, geht ihr am besten direkt auf die drei Bäume dort drüben, am anderen Ufer, zu.“
„Aber an einer Stelle habt Ihr die Richtung nach links
geändert,“ merkte Nilay an.
Der Mann lächelte: „Von Euch aus gesehen nach links - in meiner Gehrichtung war es nach rechts. Wenn ihr also von hier kommt, müsst ihr von hier aus gesehen nach links gehen, es ist die Stelle, an der der Flussgrund merklich tiefer wird. An dieser Stelle also nach links und dann auf die Mitte der Insel zu, der linken Insel wohlbemerkt. Dort wo der größte Kiesel - fast schon ein Felsbrocken - liegt, von dort aus nehmt ihr dann den direkten Weg ans andere Ufer. Wenn ihr so geht, ist es völlig ungefährlich, in dieser Gegend gibt es auch keine Krokodile.“
„Gut zu wissen!“ bestätigte Nilay.
„Herzlichen Dank für Eure hilfreiche Auskunft, Nachrichtenbote, damit habt Ihr Euch gutes Karma gemacht“, verabschiedete sich Sukhavati. Dann wandte er sich an Nilay: „Dann werden wir jetzt beide vorübergehend zu Luftgekleideten!“
„Aber dass diese Gewohnheit ja nicht einreist!“ scherzte Nilay.
Und in der Tat war die Überquerung, bei der beide ihre Kleidung und was sie sonst noch mit sich führten, auf dem Kopf trugen, ein nur mäßig abenteuerliches Unterfangen.
Als sie sich wieder ankleideten und er des Geldbeutels Gewahr wurde, wunderte sich Sukhavati: „Du trägst Geld bei dir?“
„Ja - ich wollte das zwar nicht, aber meine besorgte Mutter hat es mir in meinen Reiseproviant für die ersten beiden Tage geschmuggelt.“
Sukhavati wunderte sich: „Nanu, sie war doch
buddhistische Nonne, da war sie doch gewohnt, ohne Geld
auszukommen.“
„Ja, sie war buddhistische Nonne - aber sie ist jetzt eben auch Mutter, eine besorgte Mutter.“
„Am besten du verwendest es, indem du das Geld an jemanden
schenkst, der es nötiger braucht als du, für eine Krankenbehandlung
etwa“, riet der Jain.
Nilay schwieg darauf. Er wusste, dass das ein edelmütiger Vorschlag war - andererseits wäre es eine Art Verrat an seiner Mutter. Nach einiger Zeit bat dann sein Reisebegleiter: „Nilay, du sagst, deine beiden Eltern seien Gurus, erzähle mir was sie lehren.“
Das ließ sich Nilay nicht zweimal sagen. Diesen Abend und den ganzen nächsten Tag berichtete Nilay vom Leben und der Lehre in der Mettā-Sangha. Sukhavati war ausgesprochen interessiert und fragte häufig nach, um etwas besser zu verstehen.
Am Ende des zweiten Tages hatte sich der Mönch ein genaues Bild von der Mettā-Sangha machen können: „Das klingt ausgesprochen toll, Nilay - dergleichen habe ich noch nie gehört. Für mich wäre es nichts, denn ich bin Mönch und möchte es bleiben. In so einer Umgebung allerdings, wird in einem bald der Wunsch aufsteigen, eine Familie zu gründen. Für alle, die jedoch nicht den zölibatären Weg der Mönche und Nonnen wählen, ist es sicher der beste Ort, in dem man leben kann.“
Nilay freute sich: „Danke mein Freund, ich weiß deine Aussage zu schätzen. Jetzt möchte ich aber auch noch etwas von euch Jains hören. Mein Vater war kurze Zeit auch als Novize in einem Jainkloster - allerdings vor über 30 Jahren und irgendwo am Sindh. Er ist dort weggegangen, da sich ein Mönch, der von Würmern befallen war, im Dorf auf die Straße legte, jede Behandlung verweigerte und sagte, er sei nur einer - die Würme aber seien viele. Gern gäbe er seinen Körper als Nahrung für diese vielen Würmer und Insekten. Er starb dann und wurde wie ein Heiliger verehrt. Das hat meinen Vater veranlasst, aus dem Kloster auszutreten. Was sagst du dazu?“
„Ich weiß auch, dass es das gibt. Mir erscheint das – noch stärker als das Leben als Luftgekleideter – als übertrieben. Gewaltlosigkeit ist richtig, auch gegenüber Tieren, und selbst Pflanzen und Mineralien sollte man mit Respekt begegnen und sie nicht ausbeuten. Andererseits ist es unwahrscheinlich wertvoll, als Mensch geboren worden zu sein. Das menschliche Leben ist kostbar - es ermöglicht uns höchste Erleuchtung zu erreichen. Die Existenz als Mensch wegzuwerfen ist in meinen Augen falsch. Wenn man Würmer hat, muss man die entfernen - sicher mit Respekt vor dem Leben der Würmer, aber es geht darum, das menschliche Leben zu erhalten, zumindest solange man noch nicht erleuchtet ist.“
„Es freut mich, dass Ihr das auch so seht, Sukhavati. Da sind wir ganz dicht beieinander. Etwas anderes: Ihr habt bislang immer nur von Mönchen der Jains gesprochen, gibt es eigentlich auch Nonnen?“
„Ja, die gibt es auch, allerdings längst nicht so zahlreich wie Mönche. Ich weiß aber von mehreren Nonnenklöstern in Punjab. Allerdings gibt es selbstverständlich nur weißgekleidete Nonnen.“
Nilay dachte nach. „Das kann ich verstehen, was den Almosengang in Dörfern und Städten angeht. Aber im Kloster selbst? Da sind doch nur Frauen.“
„Das ist richtig, aber zum Kloster gehören ja auch die Gärten und sonstige Außenanlagen. Das wäre ja geradezu eine Einladung für zweifelhafte Gesellen. - Etwas anderes, Nilay, ich wundere mich, dass du noch nicht gefragt hast, warum ich immer mit diesem Wedelbesen den Weg vor mir kehre.“
„Ha - das weiß ich: Der ist dazu da, dass alle kleinen Lebewesen - Insekten usw. - weggekehrt werden, um sicher zu sein, von dir nicht zertreten zu werden.“
„Und, Nilay - findest du das nicht eine gute Übung zum Schutz lebender Wesen?“
„Naja - wie man es nimmt. Ich schaue selbstverständlich auch beim Gehen, dass ich keine Wurm, keinen Käfer, keine Schnecke und keine Ameise zertrete. Sollte es noch kleiner Wesen geben, die ich nicht sehen kann, bin ich mir nicht sicher, ob man da nicht mit dem Wedelbesen mehr dieser Wesen tötet oder verletzt als ohne.“
„Da ist schon etwas dran, Nilay, das habe ich mich auch gefragt. Daher benutze ich den Besen nur sehr vorsichtig. Andererseits mache ich mir durch diese Handlung immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, keine Wesen zu schädigen . ich arbeite dabei also auch an meinem Geist.“
„Mag sein, Sukhavati, aber wenn ich das machen würde, würde ich vermutlich dies genauso automatisch machen wie das Atmen, und wäre die meiste Zeit eben nicht dabei zu betrachten, wie wichtig mir der Schutz lebender Wesen ist.“
„Die Gefahr besteht“, gab der Weißgekleidete zu.
So gingen die beiden insgesamt vier Tage lang zusammen, sie
erbettelten sich nichts, sie kauften natürlich auch nichts, sondern
ernährten sich nur von den Früchten, die ihnen die Natur darbot.
Nach diesem vier Tagen trennten sich ihre Wege. Sukhavati
zeigte auf einen bewaldeten Hügel - davor waren mehrere Gebäude: das
Kloster der Jains. In etwa zwei Kilometern Entfernung rechts
und links davon war jeweils ein größeres Dorf für Almosengänge.
Sukhavati fragte seinen Begleiter. „Wie wäre es, möchtest du nicht für einige Zeit bei uns als Novize leben, so wie du es in Puruschapura gemacht hast?“
„Eine berechtigte Frage, Sukhavati! Als ich von zuhause fortging, wollte ich zunächst nach Taxila, um herauszufinden, wo dieser Thomas heute ist - und dann nach Puruschapura, anschließend nach Kerala zu Thomas. Dann entschied ich mich - obwohl das ein Umweg von vielen Tagen war - zuerst nach Puruschapur zu gehen und dann erst nach Taxila. Denn wenn, so sagte ich mir, ich erst wusste, wo dieser Thomas ist, würde ich unbedingt sofort dorthin gehen wollen - und nicht erst noch viele Monate in ein Kloster. Und genau so ist es jetzt. Thomas zu finden, ist der wichtigste Grund meiner Reise! Möglicherweise komme ich auf dem Rückweg sber hier wieder vorbei und dann – wer weiß?“
Sukhavati hatte dafür Verständnis. Zum Abschied umarmten sich die beiden Männer. Dann ging Sukhavati in sein Kloster und Nilay marschiere weiter nach Süden - Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat. Mitunter hatte er einen Reisebegleiter für ein paar Stunden oder Tage- meist jedoch nicht. Einmal ging er fast zwei Wochen lang als Gehilfe einer Karawane mit, um die Erfahrung zu machen, die sein Vater als junger Mann ebenso gemacht hatte. Dann trennte er sich wieder von dieser, denn Karawanen bleiben in manchen Städten einige Tage, um ihre Waren anzubieten, er aber bedurfte hier im vergleichsweise dicht besiedelten Bhārat Gaṇarājya nicht des Schutzes einer Karawane.
Was ihm aber allmählich klarer wurde, war, dass je weiter man nach Süden kam, desto heißer wurde es. Zunächst dachte er noch, das läge an der Jahreszeit - aber das konnte inzwischen nicht mehr stimmen. Und natürlich war Nilay eine solche Hitze nicht gewohnt, denn er war ganz im Norden von Bhārat Gaṇarājya aufgewachsen, im Himalaya, in einem Tal zwar, aber in einem Gebirgstal2. Daher machte ihm die Sonne doch mehr und mehr zu schaffen, und er füllte sich bei jeder Gelegenheit die Trinkschläuche voll.
Er reiste, wenn er allein unterwegs war, so wie er es von Anfang an gemacht hatte: Er versuchte, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Diese fanden seine Reiseberichte interessant und so erlernte er durch die Gespräche die Veränderung in den Dialekten des Prakrit. Auf diese Weise wurde er auch oft zum Essen eingeladen oder erhielt einen Übernachtungsplatz in Haus oder Scheune.
Natürlich musste er sich auch immer wieder nach dem Weg erkundigen, dabei nützten Ortsangaben nichts. Er fragte vielmehr, wie man am besten gen Mittag reist (also nach Süden). Eines Tages fragte er den Kaufmann einer Karawane – die hatten nämlich die besten Fernreisekenntnisse – und er erhielt die Gegenfrage: „Wollt ihr im Binnenland reisen, oder entlang des Meeres.“
Nilay überlegte, dann fragte er: „Worin besteht der Unterschied?“
„Die Reise entlang des Meeres ist etwas weiter, aber dort weht häufig eine angenehme Brise, im Binnenland ist es heißer.“
Und da er unter der Hitze litt, entschied er sich, lieber
in der Nähe des Meeres gehen zu wollen. Das Meer! Das war etwas, was
er nur aus den Erzählungen seines Vaters kannte. Weder er noch
irgendjemand anderes in der Mettā-Sangha hatte je das
Meer gesehen! Und im Meer konnte man sich an heißen Tagen
erfrischen! Also entschied sich Nilay dafür, die Route
entlang des Indischen Ozeans zu nehmen.
Er erreichte die Westküste Indiens in der Nähe eines kleinen Städtchens Mumbai (bei uns auch unter dem Namen Bombay bekannt). Damals hatte der Ort vielleicht 3000 Einwohner (heute sind es über 15 Mio.).
Fußnoten
1 Dieses Kapitel spielt im Punjab.
2 Der Ort wo die Mettā-Sangha war, liegt 1700 m über dem Meeresspiegel, nunmehr geht Nilay meist in einer Höhe von etwa 400 m über NN.
Erläuterungen
Abba – Wenn Jesus Gott anbetete, verwendete er dieses aramäische Wort für „Vater“. Er nahm nicht die Anrede JHWH, die im Tenach verwendet wurde. Während JHWH den alttestamentarischen strengen Gott, der ursprünglich der Kriegsgott der Juden war, bezeichnet, interpretiert Jesus das Göttliche neu und sieht darin eine milde, verständnisvolle und unterstützende Vaterfigur.
Bhārat Gaṇarājya – (Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien
Buddha – wörtlich: Erwachte/r; eine Person, die das Ziel des Buddhismus erreicht hat und damit befreit ist von den Fesseln des Ichglaubens.
Furtbereiter - Die geistigen Führer des Jainismus werden als Tirthankaras („Furtbereiter“) bezeichnet, um ihre Funktion als Mittler zwischen der materiellen und der spirituellen Welt zu verdeutlichen. Es soll insgesamt 24 Furtbereiter gegeben haben, nur die letzten beiden sind historisch belegt. Der letzte Furtbereiter war Mahavira.
Guru – spiritueller Lehrer und/oder Anführer
Jainismus – Der Jainismus ist eine indische Religion, die es seit etwa 3500 Jahren gibt (teilweise wir er auf noch älter geschätzt. Seine großen Lehrer werden als „Furtbereiter“ bezeichnet, weil sie die Furt auf gezeigt haben, zu denen es an das andere Ufer (Nirwana) geht. Historisch belegt ist der letzte dieser Furtbereiter, Mahavira der zur gleichen Zeit lebte wie der Buddha. Er war radikaler als der Buddha und gewissermaßen sein Konkurrent auf dem Markt der neuen Religionen Indiens vor 2500 Jahren. Im Gegensatz zum Buddhismus ist der Jainismus in Indien niemals verschwunden. Heute bekennen sich in Indien mindestens fünf Millionen Menschen zum Jainismus. Der wohl weltweit berühmteste Inder bis heute – Mahatma Gandhi, ein gläubiger Hindu – stand dieser Religion nahe, deren Anhänger eine radikale Gewaltlosigkeit zu leben versuchen.
Jains – Anhänger der Religion des Jainismus
JHWH – ist der Eigenname des Gottes im Tanach. Da es in der hebräischen Schrift keine Vokale gibt enthält er keine Konsonanten. Ausgesprochen wird er Jahwe, oder auch Jehova.
Karma – im Buddhismus jede absichtlich ausgeführte Handlung. Es wird davon ausgegangen, dass Handlungen Folgen haben, die (auch) auf den Verursacher zurückwirken. Im Hinduismus hingegen wird meist davon ausgegangen, dass es karmisch heilsam sei, sich an die Regeln und Beschränkungen seiner Kaste zu halten und die Brahmanen (bezahlte) Opfer für einen bringen zu lassen.
Kerala – Region im Südwesten Indiens, heute ein Bundesstaat Indiens mit ca 35 Mio. Einwohnern Über die Geschichte Kralas ist nur wenig bekannt. Vieles ist ungesichert oder nur in Legenden und Mythen überliefert. So soll der Apostel Thomas im Jahre 52 in Muziris (das heutige Kodungallur) gelandet sein – der antiken Hafenstadt, die im 1. Jahrhundert n. Chr. auch der römische Gelehrte Plimius der Ältere erwähnte – und das Christentum nach Kerala gebracht haben. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. soll es auch eine Masseneinwanderung von Juden nach Muziris gegeben haben. (nach Wikipedia 4.6.2025)
Mahāvira - wörtl.: „großer Held“ gilt vielen als der Begründer der indischen Religion Jainismus, die etwa zeitgleich mit dem Buddhismus entstanden ist. Die Lehre des Jainismus existiert in Indien bis auf den heutigen Tag; außerhalb des Subkontinents konnte sie jedoch – im Gegensatz zur Lehre Buddhas – nie nennenswert Fuß fassen. (Quelle: Wikipedia)
Mettā – (Pali) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind
Mettā Bhāvanā – Meditation zur Schaffung von Bedingungen damit mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen.
Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft
Prakrit (Sanskrit, प्राकृत, n., prākṛta) ist die Bezeichnung für diejenigen indoarischen Sprachen, die in der sprachgeschichtlichen Entwicklung auf das Altindische folgten.
Puruschapura - Heute heißt die Stadt am östlichen Ausgang des Chaiber-Passes Peschawar und hat 2 Mio. Einwohner; zu Jesu´ Zeiten war die Stadt erst vor wenigen Jahrzehnten von den buddhistischen Königen Gandharas gegründet worden.
Sindh – Der Strom ist bei uns als Indus bekannt. Er hieß damals in Indien und heute noch in Pakistan, wodurch er größtenteils fließt, Sindh.
Tanach - oder Tenach (hebr. תנ״ך TNK) ist eine von mehreren Bezeichnungen für die Hebräische Bibel, die Sammlung der heiligen Schriften des Judentums er enthält unter anderem die Tora (Weisung). Das Christentum hat alle Bücher des Tanach - etwas anders geordnet – übernommen. Sie sind das Alte Testament.
Taxila - war die historische Hauptstadt des Reiches Gandhara, das sich über die östlichen Gebiete des heutigen Afghanistan und den Nordwesten Pakistans erstreckte. Die Herrschaft hatten ab etwa 19 u.Z. die Parther. Deren König Gondophares soll der Überlieferung gemäß den Apostel Thomas an seinem Hof zu Gast gehabt haben. (Quelle: Wikipedia 19.4.2024)
Theravāda - eine der frühen Schulen des Buddhismus, die einzige Hinayana-Richtung, die noch existiert. Theravāda bedeutet „Schule der Älteren“, was darauf hinweisen soll, dass ihre Anhänger den Buddhismus so praktizieren, wie das der Buddha selbst gemacht hat. Bei ihnen stehen die Lehrereden des Pāḷi-Kanon, der ältesten buddh. Schriften im Mittelpunkt.
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