Horst Gunkel, Band 4 der Metta-Sangha-Saga: Nilay - der Sohn Jesu - Kapitel 7                                        letztmals bearbeitet am 08.02.2026
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7 - Auf Thomas´ den Spuren  in Taxila1



Die Suche nach dem unbekannten Jesus

Nilay hatte inzwischen zwei buddhistische Schulen kennengelernt, das Theravāda und das Sarvastivada. Für ihn stand fest, dass die Lehren der Mettā-Sangha, diesen beiden Strömungen überlegen waren, auch wenn die ethischen Grundlagen und die grundsätzliche Weltsicht in allen drei Traditionen identisch waren. Er wunderte sich, dass sein Vater, er hieß damals noch Jesus von Nazareth, als er in seinem Alter nach Gandhāra gekommen war, in Puruschapura hängen geblieben war und nicht in die Hauptstadt Taxila weitergereist war, sondern sich nach Süden gewandt hatte. Vielleicht hätte er in Taxila mehr über die Lehre des Erwachten lernen können als in Puruschapura.

Anders als Jesus hatte sich sein Apostel Thomas nach Taxila begeben, und dieser Apostel war es, der Nilay interessierte. Bisher hatte er die zunächst euphorische und dann dramatische Karriere seines Vaters, bevor dieser ins Kaschmirtal kam, nur aus dessen eigenem Mund gehört. Auch wenn er seinem Vater keinesfalls unterstellen würde, etwas absichtlich falsch darzustellen, so war ihm doch klar, dass jeder, der seine eigene Lebensgeschichte erzählt, diese etwas anders darstellt als ein Dritter, der Zeuge seines Handelns war, das tun würde.

Nilay wusste auch, dass die Lehre, die Yuz jetzt predigte, sich von der unterschied, die er damals in Palästina predigte. Der Jesus von Nazareth war jüdisch geprägt und er sprach zu Juden. Der Yuz, der heute sein Vater war, lebte in einer hinduistisch-buddhistisch geprägten Umgebung und war stark von Amita beeinflusst. Wenn er Thomas träfe, könnte er vielleicht mehr von dem Jesus erfahren, der vor einem Viertel Jahrhundert in Judäa und Galiläa gewirkt hatte.

Taxila lag nur etwa sechs Tage von Puruschapura entfernt gen Sonnenaufgang. Nilay wusste, dass es auf dem Weg dorthin keine Gebirge zu überwinden gab, dass die Strecke relativ flach verlief. Es gab auch keinen Flusslauf, für dessen Überquerung man eine Fähre benötigte. Es handelte sich also um eine ruhige, gemächliche Reise. Wie es ihm Yuz geraten hatte, versuchte er unterwegs mit Leuten ins Gespräch zu kommen, und oftmals wurde er dann zum Essen eingeladen oder bekam sogar ein Nachtlager angeboten. Dass die Reise dadurch langsamer ging und es ein paar Tage mehr dauerte, war kein Problem. Er war jung und nicht in Eile.

Bereits an zweiten Tag erreichte er den Fluss Kabul, der aus dem Hindukusch kam und hier in der Ebene gemächlich dahinfloss. Diesem Flusslauf konnte er nun mehrere Tage folgen. In der Ebene zu beiden Seiten des Flusses gab es reichlich Landwirtschaft, denn die Gegend war fruchtbar und die Hauptstadt Taxila war ein großer Absatzmarkt. Auch die Verkehrsanbindung war optimal, denn Nilay folgte der Seiden­straße, dem Teil hinter Puraschapura, dem sein Vater nie gefolgt war.

Mit jedem Schritt spürte er eine seltsame Mischung aus Emanzipation und Zielstrebigkeit: Er entfernte sich von den Spuren seines Vaters, während er sich gleichzeitig dem Apostel Thomas näherte – und damit dem unbekannten Jesus von Nazareth.


Taxila - die Stadt aus Stein und Misstrauen

Am Vormittag des neunten Tages erreichte Nilay die Stadt. Sie war tatsächlich noch größer als Puruschapura!2 Und sie war auch deutlich älter: überall ragten historische Gebäude empor, Zeugnisse einer gewachsenen, uralten Kultur.

Natürlich war da auch wieder einen Wächter am Tor: „Halt junger Mann, was willst du hier?“

Ich suche nach einer Arbeit.“

Fer Wächter musterte ihn skeptisch: „Das kann jeder sagen! Wer sagt mir, dass du nicht einer von den nichtsnutzigen Taschendieben und sonstigen Gaunern bist, von den Halunken, die hinterher die Stadt unsicher machen?“

Nilay entnahm dem, dass das Klima in der Stadt unangenehmer war als in Puruschapura, dass er also auf der Hut sein musste. Er überlegte einen Moment, dann fragte er: „Welchen Glauben habt Ihr, Wächter?“

Ich folge der Lehre des Erhabenen, aber was hat das damit zu tun, ob du einer dieser halbwüchsigen Gauner bist?“

Lieber Wächter, stellt mir eine Frage aus der Lehre des Erhabenen, von der ihr sicher seid, dass sie ein halbwüchsiger Gauner nicht beantworten kann!“

Der Wächter stutzte, dann fragte er: „Kennst du die fünf Vorsätze, die der Buddha den Laien gab?“

Aber selbstverständlich: 1. sich vorzunehmen, kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen; 2. sich vorzunehmen, nichts zu nehmen, was einem nicht gegeben wurde; 3. niemanden dadurch zu schaden, dass man seiner Sinnenlust folgt; 4. immer ehrliche, freundliche, liebevolle und Harmonie fördernde Rede zu führen; 5. seine Sinne nicht durch berauschende Mittel zu trüben.“

Der Wächter stutze einen Moment, dann sagte er: „Beeindruckend, das ist richtig, aber du hast es schöner formuliert, als ich es je hörte. Noch etwas junger Mann: es ist mitunter gefährlich in der Stadt, ich empfehle dir, eine Arbeit zu suchen und eine feste Unterkunft. Das Leben auf der Straße kann gefährlich sein.“ Dann erklärte er Nilay noch, wo morgens Tagelöhner eingestellt werden und wo man günstig ein festes Dach über dem Kopf bekommt.

Nilay bedankte sich artig und ging in die Stadt. Dort betrat er den ersten Tempel. Er setzte sich nieder und dankte für die sichere Ankunft. Dann überlegte er. Das war hier eine andere Nummer als Kazal oder als Puruschapura. Sein Vater hatte immer auf der offenen Straße übernachtet, meist an Märkten oder Tempeln, wo viele Obdachlose schliefen. Sollte er das auch tun oder dem Rat des Wächters folgen? Anders als seinen Vater hätte man ihn aber wirklich bestehlen können. Er hatte eine Gold, vier Silber und noch immer zwölf Kupfermünzen bei sich. Es sind schon Leute wegen wesentlich kleinerer Summen umgebracht worden. Warum sollte er nicht dort nach einer Schlafstelle fragen, wo es ihm der Wächter gesagt hatte? Er fand keinen Grund, also verließ er den Tempel und suchte das Haus auf, das ihm der Wächter empfohlen hatte. Es war ein großes Haus mit drei Etagen, im Erdgeschoss eine Schenke, bei der man auch Fertiggerichte kaufen konnte.

Er ging an die Theke und fragte die Wirtin, eine resolute Frau in den Vierzigern. Sie sagte: „Ja, wir bieten Obdach. Es gibt Viererzimmer und Einzelzimmer. Die Übernachtung im Viererzimmer kostet drei Kupfermünzen die Woche, das Einzelzimmer eine Münze pro Nacht.“

Nilay, der schon im Tempel drei Kupfermünzen aus seinem Gewand genestelt, sagte: „Gut, ich weiß noch nicht wie lange ich bleibe, ich bezahle zunächst für drei Nächte im Einzelzimmer, morgen werde ich mich nach einer Arbeit umsehen.“

Die Frau nahm die Münzen. An der Tür vom Schankraum zum Hausgang saßen drei Kinder beim Spiel, die Wirtin informierte sie: „Der hier“, sie zeigte auf Nilay, „wohnt für ein paar Tage hier, den könnt ihr durchlassen. Charu, führe den jungen Mann zu seinem Zimmer.“ Ein etwa acht Jahre altes Mädchen stand auf und brachte Nilay in die oberste Etage: „Das ist dein Zimmer, der Austritt ist dort hinten an Ende des Ganges“, sprach sie und verschwand rasch wieder.

In einer Ecke des Zimmers stand eine Kiste, in der man seine Sachen verstauen konnte, darauf ein Wassereimer. Vom Fenster aus konnte Nilay einen Brunnen sehen. Dort also konnte er Waschwasser holen. Das Bett bestand aus Stroh, über das eine grobe Decke gelegt war. Damit das Stroh sich nicht im ganzen Zimmer verteilte, gab es einen festgenagelten Rahmen.

Jetzt besah er sich den Austritt am Ende des Hauses. Er war sicher konstruiert, damit kein Erwachsener und auch kein mindestens fünfjähriges Kind nicht durchfallen konnte. Er lugte nach unten, dort war ein Misthaufen, daneben ein Stall aus dem der Schrei eines Maultieres zu hören war. Nilay stellte fest, dass es sich auf dem Land besser leben ließ, aber das schienen nicht alle so zu sehen, sonst wäre die Stadt nicht so voller Menschen.


Das Leben in der „Geld-Welt“

Als nächstes kundschaftete Nilay aus, wo der Stellenmarkt war. Am Rand des Marktplatzes fand er mehrere Männer, die dort saßen. Er gesellte sich zu ihnen. Es war gerade kurz nach Mittag, als ein Mann auftauchte: „Ich brauche noch einen Arbeiter für den Rest des Tages, das sind noch vier Stunden. Es gibt eine Kupfermünze.“

Was ist das für eine Arbeit?“ fragte einer der Herumsitzenden.

Einen Graben ausheben.“

Der Arbeiter feilschte: „Eine ist zu wenig, zwei Kupfermünzen!“

Jetzt erhöhte der Arbeitgeber sein Angebot: „Vier Kupfer­münzen für den Rest von heute und morgen den ganzen Tag, dazu heute eine und morgen zwei Mahlzeiten.“

Der Arbeiter, der schon vorher gesprochen hatte verlangte mehr: "Fünf Kupfermünzen und die Mahlzeiten, dazu eine Schlafstelle.“

Jetzt schaltete sich anderer Bewerber ein, der bis dahin noch geschwiegen hatte: „Ich mach´s für vier Kupfermünzen die drei Mahlzeiten und die Schlafstelle für eine Nacht!“

Du bis mein Mann!“ sagte der Arbeitgeber und nahm ihn mit.

Nilay fand das interessant: so ist das also in der Welt des Geldes! Er blieb noch zwei Stunden, um noch mehr über das Arbeitsmarktgeschehen zu lernen. Dann ging er weiter. Etwas ziellos fragte er herum, ob jemand etwas von einem Thomas wüsste, der hier gewesen sei. Er stellte aber fest, dass das nicht sehr ergiebig war. Zwar bekam er von verschiedenen Leuten eine Auskunft, aber die bezogen sich auf andere Personen dieses Namens. Er selbst hatte den ausländisch klingenden Namen Thomas noch nie zuvor gehört, und wohl auch sonst niemand in der Mettā-Sangha, hier aber war das anders, hier in der Weltstadt an der Seidenstraße.

Er ging zu seiner Unterkunft, inzwischen verspürte er großen Hunger. In der Stadt fand man schließlich nicht einfach so seine Nahrung, man musste sie sich kaufen! Also nahm er in der Wirtsstube eine Mahlzeit. Man hatte hier die Auswahl zwischen sechs verschiedenen Gerichten, alles Eintöpfe, die in einer Essschüssel serviert wurden, dazu gab es ein kleines Stück Fladenbrot und einen Krug Wasser, das Ganze für eine Kupfermünze. Er bestellte sich ein Reis-Gemüse-Curry. Das Essen war in Ordnung. Er sah auch, dass mitunter drei oder vier Leute zusammen kamen und für jeden ein Gericht nahmen und dazu gemeinsam ein ganzes Körbchen mit Brot für eine weitere Kupfermünze. Das machte Sinn, sagte er sich. Aber er war auch so gesättigt, schließlich hatte er heute nicht gearbeitet.

Dann begab er sich in sein Zimmer meditierte und legte sich anschließend in sein Bett. Morgen, so entschied er, würde er arbeiten gehen!

Er wachte beim ersten Hahnenschrei auf, es war zwar noch vor Sonnenaufgang, aber die Nacht war mondhell. Er sah aus seinem Zimmer auf den Gang: Wie schön, es war niemand auf dem Abtritt! Er befürchtete, dass dieser Ort später stärker nachgefragt sei. Also ging er zuerst dorthin, dann nahm er den Eimer in seinem Zimmer, holte sich Wasser und wusch sich im Zimmer. Als Handtuch diente ihm die Überrobe, jenes Kleidungsstück, das er nur an kalten Tagen trug und ihm in kühlen Nächten als Decke diente. Danach meditierte er. Als er dann sein Zimmer verließ, sah er, dass der Abtritt besetzt war und eine weitere Person – eine Frau – wartete, dass dieser Platz frei würde. Eine Etage tiefer, wo die Vierbettzimmer waren, gab es zwei Abtritte, aber noch viel mehr Leute in der Warteschlange. Nilay sagte sich, dass er es genau richtig gemacht habe und beschloss immer den Abtritt zu benutzen, bevor er sich wusch und meditierte.

Er fand mühelos eine Arbeit an einer Baustelle und bekam dafür zwei Kupfermünzen und zwei Mahlzeiten. An diesem Tag musste er also im Wirtshaus kein Essen kaufen, das freute ihn, denn er nutzte nur ungern das Geld, das ihm seine Mutter ungebeten mitgegeben hatte. Auf dem Heimweg ging er noch in einen Meditationsraum und bat die Beschützer um Hilfe bei der Suche nach dem Apostel Thomas – und tatsächlich, danach war ihm klar, wie er vorgehen musste.


Die Suche nach Thomas

Am nächsten Morgen ging er zu dem Stadtkloster. Stadtklöster waren damals noch kaum üblich, die meisten befanden sich auf dem Land. Er fragte den ersten Mönch, den er dort fand:

Habt ihr jemals etwas von einem Thomas aus Galiläa im Römischen Reich gehört. Er soll Taxila besucht haben und dort von einer merkwürdigen Figur, einem Christos, erzählt haben, den sie gekreuzigt haben sollen?

Der Mönch wunderte sich: „Nein, nie gehört, warum fragt ihr das?“

„Ich komme von einem seiner Gefährten aus Galiläa und habe eine wichtige Nachricht für ihn.“

Also wenn da einer Bescheid weiß, dann am ehesten der Abt, sagte der Mönch. Und natürlich dessen Sekretär, der weiß genauso gut Bescheid, wenn nicht besser. Den könnt ihr auch leichter erreichen, am besten ihr kommt zur vierten Stunde wieder her, dann geht er auf Almosengang und hat anschließend frei. Ihr erkennt ihn an einem großen roten Mal über dem rechten Auge, sein Name ist Muditakirti.“

Nilay bedankte sich. Er hatte noch über eine Stunde Zeit. Da er heute noch nichts gegessen hatte, schaute er in den nahen Läden nach. Er feilschte mit dem Inhaber und sie einigten sich auf ein Fladenbrot, eine Mango und zwei gekochte Eier- alles für ein Kupfermünze. Nilay verspeiste sofort die Hälfte des Brotes und eines der Eier, an einem Brunnen trank er noch etwas Wasser. Etwas später begab er sich zurück zum Kloster, denn war die vierte Stunde brach an.

Als er einen älteren Mönch mit dem auffälligen Mal auf der Stirn sah, fragte er ihn: „Ich habe gehört, Ihr wüsstet Bescheid über einen gewissen Thomas aus Galiläa, der vor einiger Zeit hier war, er soll von einem Prediger namens Jesus Christos erzählt haben.“

Muditakirti war offensichtlich bereits informiert worden: Ach Ihr seid der, der eine Botschaft von einem Gefährten für diesen Thomas hat.“

Ja, richtig, und mein Auftraggeber - ein Gefährte von Thomas - hätte auch gern einen Zwischenbericht, wie es seinem Freund Thomas inzwischen ergangen sei, er hat ihn seit, wenn ich mich richtig erinnere, 18 Jahren nicht mehr gesehen.“

Muditakirti fragte verwundert: Seit 18 Jahren? Wo soll denn das gewesen sein?“

Die beiden trennten sich damals im Römischen Reich, in der Provinz Syrien, dann reiste mein Auftraggeber weiter nach Puruschapura, heute wohnt er im Kaschmirtal.“

Muditakirti nickte: Ja, das kann gut sein. Thomas ist erst vor wenigen Jahren hierhergekommen. Er soll wohl zuvor in Mesopotamien und in Persien die Lehre seines Meisters verkündet haben, eines Christos, eines Gesalbten.“

Ja, genau eines Jesus Christos!“, bestätigte Nilay.

Jesus Christos, genau, so hieß er, widerholte Muditakirti nachdenklich. - Merkwürdige Name. -  Ich kannte einmal einen Jesus, der kam auch irgendwo von dort her, von Syrien glaube ich, das muss dort ein häufiger Name sein.“

Nilay stutze: „War das vielleicht im Kloster in Puruschapura?“

Woher wisst Ihr das, junger Mann?“

Nilay lächelte: „Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, meine Name ist Nilay. Ich kenne das Kloster, ich war da einmal als Novize, habe aber dann mein Ordinationsgesuch zurückgezogen, dort hat man auch von einem Jesus gesprochen, der wohl dann rausgeworfen wurde.“

Muditakirti nickte: Stimmt! Aber das ist ganz lang her, ich war damals gerade frisch ordiniert, was wohl aus ihm geworden ist?“

Nilay verkniff sich eine Antwort: „Aber zurück zu diesem Thomas.“

Muditakirti dachte nach: „Das ist einige Jahre her, damals regierte noch König Gondophares. Thomas muss sich wohl irgendwo in Persien während seiner Missionstätigkeit mit den dortigen religiösen Autoritäten angelegt haben, jedenfalls scheint er festgenommen und dann als Sklave verkauft worden zu sein. Ein Sklavenhändler hat ihn dann hierher gebracht, wo er an den Hof von König Gondophares verkauft wurde.3 Es stellte sich dann wohl heraus, dass dieser Thomas ein Mann mit besonderen Fähigkeiten war, denn der König betraute ihn damit, einen Palast für ihn zu bauen.“

Merkwürdig“, sagte Nilay, der sich nicht erklären konnte wie ein Apostel, der ein Sklave ist, für ein Baumeister gehalten werden konnte.

Die Hintergründe kenne ich auch nicht, gab Muditakirti zu. Auf jeden Fall kam dieser Thomas dann zu uns ins Kloster, um mit unserem Abt zu sprechen, bei dieser Gelegenheit lernte ich ihn kennen. Er wollte mit uns gemeinsam ein Projekt für Arme und Kranke starten. Natürlich waren wir daran interessiert. Bei unserem dritten oder vierten Treffen stellte es sich allerdings heraus, dass er dafür die ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel für den Palastbau verwenden wollte.“
„Das wäre klar ein Verstoß gegen den zweiten ethischen Vorsatz!
rief Nilay. „Und der gilt sogar für Laien, wie viel mehr dann für Mönche, ein Verstoß nämlich gegen den Vorsatz, nichts Nichtgegebenes zu nehmen. Das Geld war ja nicht gegeben worden, jedenfalls nicht für soziale Zwecke.“

Richtig, daher haben wir uns auch aus dem Projekt zurück­gezogen“, erklärte Muditakirti. Thomas hat es dennoch durchgezogen, allerdings mit anderen Partnern.“

„Das musste doch früher oder später auffliegen!“, wunderte sich Nilay.

Natürlich - und eine empfindliche Strafe nach sich ziehen. Gondophares war außer sich vor Wut. Allerdings hatte sein Bruder Gad einen merkwürdigen Traum. Ihm träumte, es sei für Gondophares ein Palast im Himmel gebaut worden!“

Nilay nickte wissend: „Ich verstehe, durch die Gabe des Geldes und die Verwendung für einen guten Zweck hat sich der König gutes Karma erworben, wodurch er nach seinem Tode in einem himmlischen Palast wohnen würde.“

Gut kombiniert, junger Mann!“

Nilay überlegte weiter: „Ich kombiniere weiter: nachdem Ihr den Thomas zurück­gewiesen habt, hat der sich an Gad, den Bruder des Königs, gewandt und mit dessen Unterstützung das Projekt durchgeführt. Hinterher hat Gad den Thomas durch seinen vorgeblichen Traum gerettet.“

Nilay, an Euch ist ein Kriminalist verloren gegangen!“, scherzte Muditakirti.

Nilay dachte nach: „Über den Verbleib des Thomas wisst Ihr nichts?“

Nein, aber ich wüsste, wo Ihr weiter suchen könntet, was meinst Ihr.“

Ich wrde versuchen an diesen Gad heranzukommen“, beschloss Nilay.

Ja, aber der wohnt möglicherweise nicht mehr im königlichen Palast"“, warnte der Mönch. Seit dem Tod seines Bruders regiert dessen Sohn, ich weiß nicht, was aus Gad geworden ist.“

Vielen Dank, Muditakirti, Ihr habt mir sehr geholfen, ich habe doch jetzt wenigstens eine Spur!“

Viel Glück, Nilay“, sagte Muditakirti lächelnd und zog mit seiner Almosenschale zum Bettelgang.

Da es noch früh am Tag war, beschloss Nilay direkt zum Palast zu gehen. Er wollte unbedingt mit diesem Gad sprechen. Entweder er wohnt noch immer hier, oder man könnte ihm dort sagen, wo er den Mann finden konnte. Wenn dieser Gad tatsächlich den Thomas gerettet hatte, wäre es sehr wahrscheinlich, dass Gad in dessen weitere Pläne eingeweiht war.

Eine halbe Stunde später stand Nilay vor den Toren des Palastes, der natürlich streng bewacht wurde. Nilay ging auf einen älteren Wächter zu - von dem erwartete er mehr Verständnis und Kooperation als von den jüngeren.

Guten Tag, grüßte er. Ich möchte gern mit Gad sprechen.“

Mit Gad, dem Onkel des Königs? Das ist vollkommen unmöglich“, wies der Wächter ihn mit einem Kopfschütteln ab.

Nilay blieb hartnäckig: „Es geht um eine wichtige Angelegenheit betreffend den Thomas, der Apostel des Jesus Christos war. Für diesen Thomas habe ich eine wichtige Nachricht, weiß jedoch nicht, wie ich ihn finden kann. Man sagte mir Gad sei vermutlich der einzige in der Stadt, der seinen Aufenthalt kenne.“

Der Wächter rieb sich das Kinn: „Ja, wenn das so ist... Ich werde mal nachfragen,ob sich da etwas machen lässt!“

Sage ihm, dass ich eine Nachricht für Thomas von einer gewissen Maria habe“, ergänzte Nilay geistesgegenwärtig.

Der Wächter nickte: „Von Maria? komischer Name“, drehte sich um und ging, nicht ohne zuvor seinem jüngeren Kollegen beauftragt zu haben, den Nilay gut zu bewachen, damit er nicht unerlaubt eindränge.

Etwa eine halbe Stunde später kam der Wächter zurück: „Gad ist bereit, Euch zu empfangen, aber nicht jetzt, kommt morgen zur dritten Stunde wieder.“

Nilay bedankte sich artig, dann ging er zu seinem Wirtshaus. Er gönnte sich dort eine Mahlzeit, anschließend begab er sich auf sein Zimmer, um nachzudenken, wie er von Gad die nötigen Informationen bekommen könnte. Sicher wollte Gad auch wissen, von wem er käme, und was diese Person im Sinne hatte. Vorhin hatte er auf gut Glück den Namen Maria genannt, denn mehrere Personen aus Jesu Umfeld hießen Maria. Und eine davon kannte er nun wirklich, seine Tochter Maria. Allerdings dürfe er Thomas nichts vom wirklichen Aufenthalts­ort seines Vaters sagen - und auch nicht, dass Jesus/Yuz sein Vater sei und er eine Tochter namens Maria habe. Yuz hatte ihm erklärt, dass es keinen Sinn mache, Thomas zu sagen, dass er, Yuz, vormals Jesus von Nazareth, noch lebe. Das würde das gesamte Projekt, dass er damals in Palästina aufgebaut hatte, gefährden.


Im Palast – die Begegnung mit Gad

Am nächsten Morgen machte sich Nilay auf den Weg zum Palast. Dort angekommen ging er zu dem Wächter, mit dem er tags zuvor gesprochen hatte.

In Ordnung, junger Mann, ich werde Euch zu Gad führen,“ sagte dieser. Dann wandte er sich an einer seiner drei Kollegen: „Ravi, du übernimmst in meiner Abwesenheit das Kommando über die Torwächter.“

Nilay folgte dem Wächter auf dem Weg zum Palast. Sie benutzten nicht den Haupteingang, sondern einen Seiten­eingang. Dann ging es eine Treppe hoch und links in einen langen Gang, hier war ein weiterer Diener oder Wächter. Nilays Begleiter klopfte dann an eine der Türen. Als er das erwartete Signal bekam, öffnete er die Tür: „Herr, der junge Mann, der diesen Thomas sucht, ist da.“

Soll reinkommen“, antwortete Gad von drinnen.

Es war ein großer Raum, an einem Tisch saß der etwa fünfzigjährige Gad, einen Becher vor sich, mit etwas Abstand daneben saß ein anderer Mann, mit einem Palmblattbuch vor sich, zu dem sagte Gad: „Vorleser, du kannst dich zurückziehen, warte aber draußen im Gang, wenn ich deiner bedarf, werde ich es sagen.“

Sehr wohl, gnädiger Herr!“

Dann wandte sich Gad einer anderen Türe in einen Nachbarraum zu, dort sah Nilay eine ältere Frau und ein Mädchen stehen, vermutlich die Ehefrau Gads und seine Tochter, oder doch eher: Enkelin. „Mach die Tür zu, ich wünsche nicht gestört zu werden, Tamani.“ So geschah es.

Nunmehr wendete sich Gad seinem Besucher zu, der sich tief verbeugte: „Sehr geehrter Herr, ich bin froh, dass Ihr mir die Gunst erweist, in einer wichtigen Angelegenheit bei Euch vorzusprechen.“

Gad strahlte: „Es ist schön, dass Ihr zu mir kommt. Thomas ist ein großartiger Mann, sehr sozial. Er unterstützt Menschen, gleich von welcher Kaste sie sind, so etwas schätze ich. Bei uns in Baktrien spielt die Kastenfrage ja glücklicherweise eine untergeordnete Rolle, wird nur von einer Minderheit so gelebt, von jenem, die dem Brahmanismus angehören. Aber in Bhārat Gaṇarāja, wo Thomas jetzt ist, ist es ganz schlimm. Ihr sagt, ihr kommt von Maria. Meines Wissens gab es in Jesu Umfeld drei Frauen dieses Namens, ist die Nachricht von seiner Lieblingsjüngerin, wie hieß sie doch gleich...?“

Nein, die Nachricht ist nicht von Maria Magdalena und auch nicht von seiner Mutter, sondern von den anderen Maria, die auch seine Jüngerin war“, antwortete Nilay.

Gad klatschte begeistert in die Hände: „Hervorragend, junger Mann, ihr habt den Test bestanden, ich wollte sehen, ob ihr wirklich Kontakt zum Umfeld von Jesus, der nunmehr zur Rechten Gottes sitzt, habt. Wie heißt ihr eigentlich?“

Nilay hatte an den Äußerungen seines Gegenüber bemerkt, dass dieser offensichtlich von Thomas religiös beeinflusst war, also erwog er seine Worte sorgfältig: „Mein Name ist Nilay und auch ich weiß, dass Jesus von Nazareth jetzt in einer himmlischen Umgebung wohnt und von dort viel Gutes tut, was seine Anhängerinnen und Anhänger auf Erden motiviert. Ich bin Euch ausgesprochen dankbar, dass Ihr Thomas mit Eurem Traum und der Einflussnahme auf Euren Bruder, den König, vor Schlimmem bewahrt habt.“

Gad nickte zufrieden: „Ja, das war alles andere als einfach, und ich habe Thomas geraten, sich so schnell wie möglich abzusetzen, habe ihm dabei geholfen. Sagt, Nilay, was ist das für eine Botschaft die Maria dem Thomas zukommen lässt.“

Mein Herr, niemandem würde ich lieber dazu Auskunft geben als Euch, dem Gönner und Retter des Apostels Thomas. Allerdings habe ich Maria versprechen müssen, keiner Menschenseele darüber Auskunft zu geben. Nur so viel: ich habe einige Zeit in einem Haus mit Maria und einem derjenigen zusammengelebt, die beim letzten Abendmahl, am Tag vor Jesu Kreuzigung, anwesend waren.“

Das wiederum verunsicherte Gad und er fragte: „Wie kommt ein so junger Mann, ich schätze Euch auf höchsten vierzehn Jahre, dazu, mit einem der Zwölf zusammenzuleben?“

Nilay erkannte, dass er einen Fehler gemacht hatte, den er ausbügeln musste: „Verzeihung, ich habe mich verplappert, ich hätte es verheimlichen sollen, jetzt aber muss ich es zugeben... Derjenige, der beim letzten Abendmahl zugegen war, ist mein Vater. Bitte, mein Herr, bringt mich nicht dazu noch mehr von dem zu sagen, worüber ich schweigen sollte.“

Gad bedauerte, dass er Nilay soweit in die Enge getrieben hatte. Vermutlich sollte niemand wissen, dass einer dieser Jünger dann wohl eine Familie gegründet habe - offensichtlich mit dieser Maria.

Nilay sah, dass er nun seinerseits Gad in Verlegenheit gebracht hatte und nutzte die Gelegenheit: „Mein Herr, kommen wir doch zu dem, was wichtig ist, nämlich dass Thomas die Botschaft von Maria und meinem Vater erhält. Ihr habt Thomas damals bei seiner Abreise unterstützt, wo wollte er hin?“

Gad machte eine Handbewegung, welche die scheinbar ausweglose Situation damals unterstreichen sollte: „Wo wollte er hin? Wo wollte er hin? Das wusste er doch selbst nicht! Der Mann hatte keinen Plan, er hatte keine Ahnung! Er wusste nur, dass Jesus ihn beauftragt hatte, die gute Lehre nach Bhārat Gaṇarājya zu bringen. Das Normalste wäre gewesen, entlang des Sindh zu gehen oder von hier gen Sonnenaufgang, da kommt er auch nach Bhārat Gaṇarājya. Hätte es sich jedoch mein Bruder, bei dem wusste man ja nie, plötzlich wieder anders überlegt und den Thomas doch zur Rechenschaft ziehen wollen, hätten seine Häscher natürlich genau dort gesucht. Ich aber wusste glücklicherweise von einem Kaufmann, der bereits am nächsten Tag mit dem Schiff den Sindh abwärts fahren würde, bis zur Mündung, dort wollte er kostbare Waren einkaufen, und zwar bei anderen Kaufleuten mit seetüchtigen Schiffen. Ich gab Thomas einen Brief an der Herrscher von Kerala mit, mit dem ich über meinen Vater in Kontakt gekommen war. Thomas fuhr also von der Mündung des Sindh auf dem Seeweg nach Kerala.“ Gad grinste: Mit meinem Brief an den dortigen Herrscher würde es ihm möglich sein, sich da anzusiedeln und die Lehre von Jesus von Nazareth zu verbreiten. Ich habe zwar von dort keine Mitteilung erhalten, aber ich gehe davon aus, dass er noch in Kerala lebt.“

Da muss ich hin!“ freute sich Nilay, „wie weit ist das?“

Für einen jungen Mann, wie Ihr es seid, ist der Weg in einem guten halben Jahr zu schaffen.“

Das allerdings hatte Nilay nicht erwartet: „Ein gutes halbes Jahr, 200 Tagesmärsche?“

Gad zuckte mit den Schultern: „Ja, wenn euch Marias Botschaft das nicht wert ist...“

Natürlich muss ich dahin, ich bin nur etwas überrascht, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet... Mein Herr, ich bin Euch überaus dankbar.“

Bitte, bitte und wenn sonst nichts ist...“

Nein, mein Herr, vielen Dank für Eure wichtige Information, ich wünsche Euch noch einen guten Tag und ein langes Leben!“

Gute Reise, Nilay. Ach, und sag´ dem Vorleser auf dem Gang, er könne wieder hereinkommen.“

Das tat Nilay, der alsdann von dem Wächter, der auf ihn gewartet hatte, zurückbegleitet wurde. Nilay ging zurück zu seiner Pension. Dort nahm er eine Mahlzeit ein und ging aufs Zimmer, um nachzudenken und zu planen.


Die Reise nach Süden

Am nächsten Tag verließ er Nilay die Großstadt in südöstlicher Richtung. Er hatte herausgefunden, dass sein erstes Zwischen­ziel die Stadt Jhelam4 war, die etwa zehn Tagesmärsche entfernt lag.

Er verfuhr so, wie er es von seinem Vater gehört, und auch schon auf dem Weg nach Taxila bereits praktiziert hatte: Er versuchte, wo immer sich die Gelegenheit bot, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Hier, außerhalb der Städte, war die griechische Sprache weniger verbreitet, was ihm sehr entgegenkam, denn in dieser hatte er nur rudimentäre Kenntnisse von seinem Vater vermittelt bekommen. Hier hingegen wurden verschiedene Prakrit-Dialekte gesprochen. Das indoarische Prakrit war auch die Umgangssprache in der Mettā-Sangha.

Da diese Dialekte jedoch sehr stark variieren, war es wichtig, mit den jeweiligen Ortsbewohnern zu sprechen, um sich so an die allmählichem sprachlichen Unterschiede in den verschiede­nen Gegenden von Bhārat Gaṇarājya und der angrenzenden Länder zu gewöhnen. Diese Gespräche waren für Nilay außerdem von Vorteil, weil er dadurch häufig Einladungen zum Essen oder auch einen Schlafplatz erhielt. Im Haus oder Stall zu übernachten war sicherer, als das irgendwo am Wegesrand zu tun, gerade, wenn man als Einzelreisender unterwegs war - und nicht als Teil einer Karawane.

Für die Menschen, mit denen er so in Kontakt kam, waren die Gespräche eine willkommene Abwechslung, denn so erfuhren sie etwas über ferne Gegenden. Nilay reicherte die Gespräche häufig mit Geschichten an, die meist auch moralische Werte vermittelten, ganz so wie es zu Hause, in der Mettā-Sangha, üblich war.

Wie er erwartet hatte, kam Nilay nach genau zehn Tagen in Jhelam an. Die Stadt war wesentlich kleiner als Taxila oder Puruschapura, eher so groß wie Kazal. Der Fluss allerdings erwies sich als breiter, als es Nilay erwartet hatte, er war auch breiter als der Sindh, jedenfalls breiter als dort, wo Nilay diesen überquert hatte - aber das war auch noch im Gebirge, wo die Flüsse weniger breit sind, aber topographisch verursacht eine höhere Fließgeschwindigkeit hatten. Der Jhelam floss hingegen gemächlich dahin, hatte zahlreiche Inseln und veränderte vermutlich häufig den Verlauf seiner verschiedenen Haupt- und Nebenarme. Die Ufer waren teilweise von Schilf bestanden, in dem eine reichhaltige Vogelwelt ihre vielfach unterschiedlichen Stimmen erklingen ließen. In heutigen Maßeinheiten war der Fluss hier gut einen Kilometer breit.


Der Fluss, die Krokodile und die Kosten

Eigentlich floss er so langsam, das man darin bequem hätte schwimmen können. Allerdings verwarf Nilay diesen Gedanken spätestens bei der Sichtung der ersten Krokodile. Als er sich dem Fluss näherte, kam ihm ein Mann mit seinem Sohn entgegen und fragte: „Möchtet ihr auch übersetzen?“

Als Nilay das bejahte, sagte ihm der andere: „Ich habe mich erkundigt, wegen der Krokodile fahren die Fischer in ihren kleinen Booten nur in der Nähe der Stadt und überqueren nicht den Fluss. Die Krokodile vermeiden die Stadtnähe, sicher weil sie in der Vergangenheit häufig Zusammenstöße mit bewaffneten Menschen hatten Kleine Boote aber könnten sie zum Kentern bringen, und im Wasser sind diese Tiere den Menschen eindeutig überlegen, man hat dann praktisch keine Chance. Man braucht also ein größeres Boot mit zwei Fährmännern und sie verlangen für die Überfahrt insgesamt eine Silbermünze, das entspricht beim hiesigen Kurs 24 Kupferstücken. Wenn wir aber sechs bis acht Fahrgäste sind, kostet uns das also nur drei bis vier Kupferstücke pro Person.

Er musterte Nilay: Wie ist es, junger Mann, habt Ihr vier Kupferstücke, mit denen ihr euch an der Überfahrt beteiligen könnt?“

Nilay war nicht sicher, ob das ein günstiges Angebot war oder nicht, daher fragte er ausweichend: „Gibt es denn genügend Leute die jetzt übersetzen wollen, habt Ihr noch andere, die mitkommen?“

Bislang noch nicht, wir sind bisher die einzigen und wir haben nur sieben Kupferstücke. Aber in den nächsten Stunden kommen bestimmt noch andere - oder morgen.“

Gut, sagte Nilay. Dann versucht, weitere Mitfahrer zu finden, ich höre mich selbst noch ein wenig am Hafen um.“ Das tat Nilay dann auch und es stellte sich heraus, dass alles, was der Mann ihm gesagt hatte, stimmte, eine günstigere Möglichkeit gab es nicht.

Im Laufe des Tages kam nur noch eine weitere Person dazu, die bereit war, mit ihnen überzusetzen. Nilay hatte inzwischen Kontakt mit einer netten Fischerfamilie aufgenommen, die begierig war, Neuigkeiten zu hören: aus dem Kaschmirtal war noch nie jemand hier. Nilay wusste so merkwürdige Dinge aus der Mettā-Sangha zu erzählen, die ihnen wie eine Zauberwelt vorkam: eine Welt ohne Geld, wo jeder nach seinen Fähigkeiten arbeitete und jedem Güter nach seinen Bedürfnissen gegeben wurden. Mit anderen Worten, Nilays Abendessen war ebenso gesichert wie seine Übernachtung, auch wenn er sich gezwungen sah, entgegen seinen Gewohn­heiten an diesem Abend gebratenen Fisch zu essen.

Nilay hatte sich mit Santosh, so hieß der Mann mit dem Knaben, der auch über den Fluss wollte, verabredet, dass dieser versuchen solle, weitere Mitfahrer zu finden. Sie würden sich dann am nächsten Tag zur fünften Stunde hier wieder treffen. Den Abend verbrachte Nilay bei seiner Fischerfamilie. Am nächsten Morgen verabschiedete er sich nach dem Frühstück – es gab Fischsuppe mit Teigfladen. Er ging alsdann in die Stadt und fand einen Geldwechsler. Bisher hatte er immer mit Kupferstücken bezahlt, aber diese gingen allmählich zur Neige, hier konnte er Geld tauschen: eine Silbermünze in 24 Kupferstücke.

Nilay zählte nach, was er da zurückbekommen hatte: „Guter Mann, Ihr habt mir nur 23 Kupferstücke gegeben!“

Der Geldwechsel zuckte mit den Schulter: „Selbstverständlich, ein Kupferstück ist die Wechselgebühr, schließlich müssen meine Familie und ich auch von etwas leben!“

Nilay war im Begriff sich zu entrüsten, doch dann sagte er sich: das ist wohl die Realität in der Geld-Welt. Du wolltest sie kennenlernen, also musst du auch mit ihren Regeln klarkommen.

Er ging mit seinen Kupfermünzen, die er im seinem dritten Kleidungsstück, dem für kalte Zeiten, eingewickelt hatte aus dem Laden und fürchtete nun, diese Münzen früher oder später zu verlieren. Also betrat er einen anderen Laden und kaufte sich dort ein kleines Ledersäckchen. Es war solide verarbeitet, kostete aber zwei Kupfermünzen. Er suchte sich alsdann eine verborgene Stelle; dort nahm er die 21 Kupferstücke, die er vom Umtausch noch übrig hatte und die sechs Kupferstücke, die er noch von seiner Mutter hatte, sowie die anderen drei Silbermünzen und gab sie in den Lederbeutel, dann nähte er den Beutel innen an seine Unterrobe. Nur die eine Goldmünze aus dem Schatz, den er von seiner Mutter in seinem Proviant erhalten hatte, die blieb in seinem Untergewand eingenäht.

Nun musste er sich aber beeilen, um Santosh zur fünften Stunde treffen zu können. Auf dem Weg dorthin stellte er fest, dass er einen halben Tag nur für die Verwaltung seines Geldes aufgewendet hatte und dafür auch noch drei Kupfermünzen ausgegeben hatte. `Die Geld-Welt ist eine abstruse Welt´, sagte er sich und sehnte sich wieder nach seiner Heimat, nach der Mettā-Sangha, zurück.

Santosh hatte inzwischen sechs Personen für die Überfahrt zusammen. Sie gingen gemeinsam zum Fährmann.

Dieser erklärte: „Sechs Personen, das bedeutet - bei einem Fährpreis von einer Silbermünze - vier Kupferstücke von jedem. Die ersten Fahrgäste zahlten ihre Gebühr, dabei fiel Nilay auf: `Wenn ich von jedem das Geld in Kupfermünzen einkassiert hätte und mit einer Silbermünze bezahlt hätte, hätte ich mir die Wechselgebühr sparen können – verflixte Geld-Welt.´

Jetzt war es an Santosh zu zahlen: „Ich kann nur sieben Kupferstücke für uns beide zahlen, mehr habe ich nicht, aber mein Sohn ist ja auch erst acht Jahre alt, zählt eigentlich nur als halbe Person, das wären dann sechs Münzen.“

Der Fährmann schüttelte den Kopf: „Der Fährpreis ist vier Kupferstücke pro Person bei sechs Leuten, sonst kommt ja nicht der Wert einer Silbermünze zusammen. Wenn ihr nicht zahlen könnt, bleibt ihr hier. Oder ihr teilt die Kosten anders unter euch auf!“

Die beiden Personen, die schon bezahlt hatten schüttelten den Kopf, einer von ihnen erklärte kategorisch: „Wir haben unseren Fahrpreis bezahlt, was ihr macht ist uns egal.“

Nilay, dem dieses ganze Geld-Theater inzwischen tierisch auf die Nerven ging, sagte zu Santosh: „Du zahlst für euch beide deine sieben Kupfermünzen und ich zahle fünf statt vier und dann passt´s!“ Santosh stimmte freudig zu.

Als Nilay nun seine fünf Münzen aus seinem neuen Geldbeutel geholt hatte, sah der Fährmann diese misstrauisch an: „Halt, das geht nicht, zwei der Münzen sind nicht aus Gandhara. Die werden nicht akzeptiert.“

Nilay stutzte, obwohl alle Münzen doch von jeweiligen Staat auf das Gewicht hin geprüft und daher gemünzt worden waren, kam es auch noch darauf an, wessen Kopf die Münze zeigte! Er suchte in seinem Geldbeutel und fand zum Glück genug Münzen aus Gandhara, um die fünf Kupferstücke zahlen zu können.

Nilay, Santosh und der Knabe gingen noch zwei Tage lang gemeinsam weiter. Santoshs Frau war zwei Wochen zuvor verstorben, der Knabe war ihr einziger Sohn, also wollte er ihn zu den Eltern seiner verstorbenen Frau bringen, damit er dort aufgezogen würde. Bei dieser Gelegenheit würden dann die Großeltern des Knaben auch vom Tod ihrer Tochter erfahren. Anschließend wollte Santosh dann allein nach Gandhara zurückkehren, wo er ein Stück Land bebaute. Nilay wünschte den beiden viel Glück, als sie sich trennten.


Seit er den Jhelam überquert hatte, war Nilay jetzt wieder Bhārat Gaṇarājya, wie Indien damals hieß und heute noch auf Hindi heißt. Auf einer heutigen Landkarte gehören alle Teile des damaligen Gandhara, die Nilay bereist hatte, ebenso wie die Gegend, durch die er jetzt wanderte, zu Pakistan, einem Land, das es erst seit 1947 gibt und heute eine „Islamische Republik“ ist.

Den Islam gab es damals noch nicht. Während Gandhara zu Nilays Zeit, also im 1. Jhd. u. Z., buddhistisch geprägt war, war Bhārat Gaṇarājya damals wie heute ein hinduistisches Land, eine Religion, die man damals noch „Brahmanismus“ nannte. In dem Teil, durch den Nilay jetzt ging, dem Fünfstromland Punjab5, gab es aber eine starke jainistische Minderheit. Der Jainismus war in seiner heutigen Form von Mahavira gestiftet worden, einem Zeitgenossen Buddhas.


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Fußnoten

1 Dieses Kapitel spielt in Taxila, der Hauptstadt von Gandhāra, einem graeco-buddhistische Staat, der in der Folge des Indien-Feldzuges von Alexander dem Großen entstanden war. Nach dessen Tod stritten seine Heerführer, die Diadochen, um das Reich. In diesem Zusammenhang entstand Gandhāra mit der Hauptstadt, die auf griechisch Taxila heißt, in Sanskrit schreibt sie sich Takṣaśilā. Zu dem Zeitpunkt, in dem unsere Geschichte spielt (53 u. Z.), war Gandhara bereits in Baktrien, einem ebenfalls griechisch geprägten Staat, aufgegangen. Wir behalten hier durchgängig die griechische Schreib­weise bei, zumal damals Griechisch die Amtssprache war.

2 Taxila war damals eine der größten Städte der Welt, sie war zwar deutlich kleiner als Rom, und auch ein ganzes Stück kleiner als Antioch, aber doch größer als Athen oder Puruschapura.

3 Diese Erzählung ist übernommen worden von: https://de.wikipedia.org/wiki/Gondophares (Stand 31.7.2024)

4 Jhelam liegt am gleichnamigen Fluss, der damals die Grenze zwischen Gandhara und Bhārat Gaṇarājya bildete. Die Stadt wurde von Alexander dem Großen 326 v. u. Z. nach der Schlacht am Hydaspes, wie der Fluss damals hieß, gegründet. Alexander nannte die Stadt seinerzeit Alexandria Bukephalos, nach seinem Pferd Bukephalos, das in der Schlacht umkam.

5 Punjab bedeutet wörtlich „fünf Flüsse“, da sich in ihm die Wasser der fünf großen Flüsse des „Fünfstromlandes“ Punjab vereinen. Er entsteht nahe der Stadt durch den Zusammenfluss des Satluj, dem zuvor schon der Beas zugeflossen ist, und des Chanab, der vom Jhelam und vom Ravi gespeist wird. Nach 71 Kilometern mündet er in den Sindh (Indus).



Erläuterungen

Agápē-Koinótita - Gemeinschaft des Wohlwollens” eine wörtliche Übersetzung von Mettā-Sangha ins Griechische.

Baktra – Hauptstadt von Baktrien

Baktrien - ist der historische Name einer Landschaft um die ehemalige Hauptstadt Baktra (das heutige Balch in Afghanistan), die nördlich des Hindukusch liegt. Baktrien, wurde zum Zentrum von Wissenschaft, buddhistisch-hinduistischer Theologie und Weltwirtschaft.

Bhārat Gaṇarājya(Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien

Bodh-GayaStelle, an der der Buddha sein Erwachen erreichte. Das Wort ist zusammengesetzt aus bodh- (Erwachen, Erleuchtung) und Gaya (Name der nahegelegenen Stadt)

Brahmāeiner der Hauptgötter des Hinduismus, er gilt dort als der Schöpfer. Der Buddhismus kennt keinen Schöpfergott.

Brahmaneneine der Kasten im Hinduismus, nur Brahmanen dürfen religiöse Rituale vollziehen

Brahmanismusindische Religion, in der (u.a.) einen Brahman (Gott) verehrt wird. Der B. heute als Hinduismus bezeichnet.

Buddha – wörtlich: Erwachte/r; eine Person, die das Ziel des Buddhismus erreicht hat und damit befreit ist von den Fesseln des Ichglaubens. Der historische Buddha lebte von 560 – 480 v. Chr. in Nordindien, sein bürgerlicher Name war Siddhartha Gotama von Śākya.

Dharmahier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des Buddha. Das Wort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz, Wissenschaft, Lehre.

Erwachen – andere spirituelle Traditionen sprechen von Erleuchtung, im Buddhismus verwenden wir besser den Ausdruck „Erwachen“ für das, was der Buddha erreicht hat. Während unter „Erleuchtung“ jeder etwas anderes verstehen kann, beschreibt „Erwachen“ das spezifisch Buddhistische, die Tatsache, dass die erwachte Person die drei Wesensmerkmale (Unvollkommenheit, Vergänglichkeit, Wesenslosigkeit) völlig verwirklicht hat. Es ist für die erwachte Person so, als sei alles, was vorher war, so absurd und unlogisch wie ein Traum, daher der Ausdruck „Erwachen“.

Erwachter – die deutsche Übersetzung von Buddha”

Gandhāra – Antiker Staat mit Peschawar als Hauptstadt, der Teile des heutigen Afghanistan und Pakistan umfasste. Die frühere persische Provinz wurde von Alexander dem Großen erobert. Nach dessen Tod verfiel sein Weltreich. Hier begegneten sich indische und hellenistische Kultur. Zu Zeit des indischen Kaisers Aśoka verbreitete sich hier der Buddhismus und die buddhistischen Kultur wurde von griechischen Einflüssen geprägt. Hier entstanden auch erste Buddhabildnisse, die den griechischen Gott Apollo als Vorbild für unsere heutigen Buddhastatuen nahmen.

Gondophares I. - gilt als der Begründer des Indo-Parthischen Königreiches und war ein partischer Lokalfürst, bevor er König wurde. Gondophares regierte von 20 n. Chr. bis etwa 50 n Chr. (Quelle: Wikipedia 19.4.2024)

Grüne Tārā – Bodhisattva, die für grenzenloses Mitgefühl zu allen Wesen steht. Sie wird immer sitzend dargestellt, im Begriff aufzustehen, um den leidenden Wesen aktiv zu helfen, ihre rechte Hand zeigt die Geste der Wunschgewährung. Sie hat grüne Haut, denn sie gehört zu einer Gruppe von grünen Wesen, genannt die Karmafamilie. Neben der Grünen Tārā gibt es noch 20 weitere Tārās, die Grüne Tārā ist aber die bekannteste davon.

Hindukusch – Hochgebirge (bis 7700 m) in weiten Teilen Afghanistans und dem Nordwesten Pakistans. Der Name bedeutet Hindu-Mörder und zeigt an, wie mörderisch diese Passage der Seidenstraße war.

Jainismus Der Jainismus ist eine indische Religion, die es seit etwa 3500 Jahren gibt (teilweise wir er auf noch älter geschätzt. Seine großen Lehrer werden als „Furtbereiter“ bezeichnet, weil sie die Furt auf gezeigt haben, zu denen es an das andere Ufer (Nirwana) geht. Historisch belegt ist der letzte dieser Furtbereiter, Mahavira der zur gleichen Zeit lebte wie der Buddha. Er war radikaler als der Buddha und gewissermaßen sein Konkurrent auf dem Markt der neuen Religionen Indiens vor 2500 Jahren. Im Gegensatz zum Buddhismus ist der Jainismus in Indien niemals verschwunden. Heute bekennen sich in Indien mindestens fünf Millionen Menschen zum Jainismus. Der wohl weltweit berühmteste Inder bis heute – Mahatma Gandhi, ein gläubiger Hindu  – stand dieser Religion nahe, deren Anhänger eine radikale Gewaltlosigkeit zu leben versuchen.

JainsAnhänger der Religion des Jainismus

Karma – im Buddhismus jede absichtlich ausgeführte Handlung. Es wird davon ausgegangen, dass Handlungen Folgen haben, die (auch) auf den Verursacher zurückwirken. Im Hinduismus hingegen wird meist davon ausgegangen, dass es karmisch heilsam sei, sich an die Regeln und Beschränkungen seiner Kaste zu halten und die Brahmanen (bezahlte) Opfer für einen bringen zu lassen.

Kastedie indische Gesellschaft wird gemäß der hinduistischen Religion in streng voneinander abgetrennte Kasten eingeteilt, die wichtigsten Kasten sind die Brahmanen (Sanskrit: ब्राह्मण, Priester), katriya (Sanskrit: क्षत्रिय, Adel, Krieger, Beamte) und die vaiśya (Sanskrit: वैश्य = Kaufleute, Händler, Großgrundbesitzer) und śūdras (Sanskrit शूद्र, = Arbeiterklasse incl. Handwerker), darunter stehen die Dalits (Kastenlose, Unberührbare). Auf diese Art schuf der Hinduismus eine Apartheidsgesellschaft mit einer arischen Mittel- und Oberschicht, und einer indigenen Bevölkerung, die man nicht einmal berühren durfte; so sollte eine Rassenvermischung verhindern werden. 

Kerala – Region im Südwesten Indiens, heute ein Bundesstaat Indiens mit ca 35 Mio. Einwohnern Über die Geschichte Kralas ist nur wenig bekannt. Vieles ist ungesichert oder nur in Legenden und Mythen überliefert. So soll der Apostel Thomas im Jahre 52 in Muziris (das heutige Kodungallur) gelandet sein – der antiken Hafenstadt, die im 1. Jahrhundert n. Chr. auch der römische Gelehrte Plimius der Ältere erwähnte – und das Christentum nach Kerala gebracht haben. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. soll es auch eine Masseneinwanderung von Juden nach Muziris gegeben haben. (nach Wikipedia 4.6.2025)

Mahāvira - wörtl.: „großer Held“ gilt vielen als der Begründer der indischen Religion Jainismus, die etwa zeitgleich mit dem Buddhismus entstanden ist. Die Lehre des Jainismus existiert in Indien bis auf den heutigen Tag; außerhalb des Subkontinents konnte sie jedoch – im Gegensatz zur Lehre Buddhas – nie nennenswert Fuß fassen. (Quelle: Wikipedia)

Maria Magdalena – Jüngerin Jesu, vielleicht seine engste Vertraute. Der Name bedeutet „Maria von Magdala“ (zum Unterschied von zwei andere Marias in Jesu Umfeld. Jesus trieb der als Besessenen geltenden nicht weniger als sieben Dämonen aus, wenn wir der Bibel glauben können. Sie war einige der wenigen Jüngerinnen Jesu die bei seiner Kreuzigung anwesend waren. (Kein Apostel war dabei.) Sie ist auch die erste, der Jesus nach seiner Auferstehung begegnet sein soll. Das ihr zugeschriebene „Evangelium der Maria“ wird von der kath Kirche nicht anerkannt, es zählt zu den apokryphen Texten.

Mettā(Pāḷi) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn Mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind.

Mettā BhāvanāMeditation zur Schaffung von Bedingungen damit Mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen. 

Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft

Prakrit (Sanskrit: prākṛta) ist die Bezeichnung für diejenigen indoarischen Sprachen, die in der sprachgeschichtlichen Entwicklung auf das Altindische folgten. Sie wurden etwa in der Zeit vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum 11. Jahrhundert n. Chr. gesprochen.

Puruschapura - Heute heißt die Stadt am östlichen Ausgang des Chaiber-Passes Peschawar und hat 2             Mio. Einwohner; zu Jesu´ Zeiten war die Stadt erst vor wenigen Jahrzehnten von den                             buddhistischen Königen Gandharas gegründet worden. 

Sanghaspirituelle Gemeinschaft, meist für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. (Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nur Erleuchtete.)

Sanskrit – eine altindische Schriftsprache, die um 1500 v.u.Z. entstand, um die Veden, die heiligen Texte des Hinduismus niederzuschreiben.

Sarvāstivāda ein Orden an der Schnittstelle zwischen Hinayana und Mahayana, der über eine vom Pāḷi-Kanon abweichende Sanskritfassung der Lehrreden Buddhas verfügte. Dieser Sanskrit-Kanon ist bei der Islamisierung Indiens verschwunden, es gibt jedoch eine chinesische und eine tibetische Übersetzung. Das Sarvastuvada ging mit der islamischen Eroberung Indiens unter.

SindhDer Strom ist bei uns als Indus bekannt. Er hieß damals in Indien und heute noch in Pakistan, wodurch er größtenteils fließt, Sindh.

Taxila - war die historische Hauptstadt des Reiches Gandhara, das sich über die östlichen Gebiete des heutigen Afghanistan und den Nordwesten Pakistans erstreckte. Die Herrschaft hatten ab etwa 19 u.Z. die Parther. Deren König Gondophares soll der Überlieferung gemäß den Apostel Thomas an seinem Hof zu Gast gehabt haben. (Quelle: Wikipedia 19.4.2024)

Theravāda - eine der frühen Schulen des Buddhismus, die einzige Hinayana-Richtung, die noch existiert. Theravāda bedeutet „Schule der Älteren“, was darauf hinweisen soll, dass ihre Anhänger den Buddhismus so praktizieren, wie das der Buddha selbst gemacht hat. Bei ihnen stehen die Lehrereden des Pāḷi-Kanon, der ältesten buddh. Schriften im Mittelpunkt.

Thomas, der Apostel - Der Apostel Thomas kommt in allen vier Evangelien vor. Er war jener Jünger, der nicht an die Auferstehung Jesu glauben wollte, bevor er nicht mit eigenen Augen die Wundmale Jesu gesehen hatte. Deshalb wird er auch der Ungläubige genannt. Nach dem Tod Jesu wirkte Thomas als Missionar. Seine Wege führten ihn bis nach Persien und Indien. Thomas starb den Märtyrertod. Wahrscheinlich hat ihn ein Brahmane während eines Gottesdienstes in Kalamina, das ist vermutlich in der Nähe von Madras, ermordet. (Quelle: kathpedia.com 19.4.2024)


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