Horst Gunkel, Band 4 der Metta-Sangha-Saga: Nilay - der Sohn Jesu - Kapitel 3                                       letztmals bearbeitet am 09.01.2026
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3 - Erste Lehrtätigkeit



Seit der Szene, in der wir Nilay in der Schule erlebt haben, damals, in der Klasse für die jüngeren Schüler/innen, sind einige Jahre vergangen, inzwischen ist Nilay in seinem zwölften Lebensjahr und er besucht bereits im dritten Jahr die Klasse der älteren Schüler/innen. Übers Jahr wird er die Schule beenden und selbstverständlich erwarten alle, dass er, der Sohn von Yuz und Amita, dann selbst den Unterricht der jüngeren Schüler leiten wird.

Da er aber nicht nur in der Schule unterrichtet wurde, sondern mit den beiden erfahrensten Lehrpersonen, die man sich denken kann, zusammen wohnte, war er in der Lehre gefestigt: er wusste mehr als alle andere Gleichaltrigen.

Zu denjenigen, die ihn unterrichteten, gehörte auch Kalenian, ein Mann von Anfang 30, ein Künstler, ein Musiker, ein Komponist. Kalenian war außerhalb der Sangha aufgewachsen und als junger Mann aus Überzeugung hierher gezogen. Kalenian war verheiratet mit Yuva, einer Frau, die hier am Ort geboren war. Ihr Vater, Anup, war früher so etwas wie der Vorarbeiter – damals, in der alten Zeit, als noch die adligen Herrschaften hier das Sagen hatten.

Nach dem Umbruch, also nach dem Erscheinen von Yuz und Amita, war aus Anup so etwas wie der Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes geworden, von dem alle hier lebten. Kalenians Frau Yuva war bildende Künstlerin, sie war Bildhauerin und Holzschnitzerin und fertigte die Figuren des Buddha und der Bodhisattvas an. Außerdem arbeitete sie, wie ihr Mann Kalenian, nicht nur musisch, sondern unterrichtete auch. So kam es, dass Kalenian einer der Lehrer Nilays wurde, und selbstverständlich hatte der Lehrer Nilay besonders im Blickfeld. Es gab zwar keinerlei offizielle Hierarchien in der Mettā-Sangha, aber als Sohn des hl. Paares war man natürlich trotzdem etwas ganz Besonderes.

An diesem Tag sprach Kalenian nach dem Unterricht seinen Schüler an: „Du, Nilay, ich würde mich gern einmal mit dir unterhalten, hast du Lust, einen Spaziergang mit mir zu machen?“ Nilay ging es so wie vermutlich den meisten Schülern, wenn der Lehrer sie nach dem Unterricht zu einem Gespräch auffordert: er fühlte sich unwohl.

Nilay biss sich auf die Lippen: wie sollte er das kommunizieren? Dann entschloss er sich zu vollständiger Offenheit: „Weißt du, Kalenian, ich habe ein bisschen Angst davor, dass du mir etwas Unangenehmes sagen willst. Freundliche Dinge sagst du immer im Beisein anderer, darum kann es also nicht gehen. Daher ist es so, dass ich alles andere als Lust auf diesen Spaziergang habe. Aber natürlich wird es wichtig sein, was du mir zu sagen hast. Und außerdem möchte ich alles, was unangenehm ist, so schnell wie möglich hinter mich bringen. Also machen wir jetzt einen Spaziergang!“

Kalenian dachte erst etwas nach, während sie losgingen in Richtung des Wäldchens, das hinter dem Schilfgürtel, der weite Teile des Seeufers einnahm, lag. Dann sagte er: „Ich freue mich, dass du so überaus offen und ehrlich bist. Jeder andere hätte auf meine Frage entweder mit `Ja´ geantwortet oder eine Ausrede präsentiert. Aber du brauchst wirklich gar keine Angst zu haben, ich will dir nichts Unangenehmes sagen, ich will dich nur etwas besser verstehen.“

Nach kurzem Schweigen fragt der jüngere der beiden: „Was möchtest du besser verstehen?“

Weißt du, Nilay, du hast nicht nur das unwahrscheinliche Glück am vermutlich besten Ort der Welt zu leben, du hast außerdem noch den Vorteil, die genialsten Eltern zu haben, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, weiterhin hast du zwei ganz wunderbare Schwestern. Aber ich spüre bei dir eine unterschwellige Unzufriedenheit, und ich weiß nicht woher die kommt.“

Nilay schwieg zunächst, während sie weitergingen. Kalenian drängte seinen Schüler nicht. Er wusste, dass dies kein verstocktes Schweigen war, sondern dass sein Gegenüber um die richtigen, die angemessenen Worte rang. Schließlich sagte er: „Kalenian, stell dir einen Ort vor, in dem völlige andere Werte gelten als hier. Es gibt dort einen Guru, der diese Werte sehr eloquent verbreitet. Die Bewohner des Ortes vertrauen ihm, schließlich kennen sie nichts anderes. Und es gibt sogar verblendete Menschen, die von außerhalb dorthin gezogen sind und nun auch die dort gültigen Werte preisen. Stell dir vor, dort wachsen junge Menschen heran. Meinst du, diese sollten das Recht haben, sich außerhalb zu informieren, wie es im Rest der Welt zugeht?“

Nach kurzem Nachdenken antwortete der junge Lehrer: „Du bist sehr kritisch und ausgesprochen aufgeweckt, mein Lieber, du möchtest deine Entscheidungsfreiheit, dich für oder gegen etwas zu entscheiden, auch wenn es gut zu sein scheint. Du bist dir aber nicht sicher, ob es nur gut zu sein scheint und ob es vielleicht doch nicht das Beste ist. Habe ich dich damit richtig verstanden, Nilay?“

Genau so ist es, Kalenian, der Buddha hat seine Novizen aufgefordert: Komm und sieh selbst! Er hat nicht gesagt: Höre mir zu und glaube meine Worte! - Ist dir der Zweifel völlig fremd? Bist du sicher, dass es nirgendwo im Universum etwas besseres gibt als hier?“

Nilay, unsere Ausgangslage ist unterschiedlich. Du bist hier geboren, du hast das Glück, unsere Weltbetrachtung von klein auf mitbekommen zu haben. Ich bin da draußen in der üblichen Welt von Bhārat Gaṇarājya aufgewachsen. Ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, dass unsere Gemeinschaft hier die beste im ganzen Universum ist, das kann wohl kein Irdischer. Aber ich weiß, wie draußen in Bhārat Gaṇarājya die Mehrheitsgesellschaft ist, wie ihre Werte sind und wo ihre Defizite liegen. Damit war ich nicht zufrieden. Daher habe ich mich umgehört, welche Alternativen es in Bhārat Gaṇarājya gäbe. Vier habe ich in Erwägung gezogen, aber diese hier schien mir die beste. Dann habe ich die drei, die in erreichbarer Entfernung waren, besucht. Diese Gemeinschaft hier, unsere Mettā-Sangha, ist nicht nur die mit Abstand beste davon gewesen, sie hat meine Erwartungen, ja sogar meine kühnsten Hoffnungen übertroffen. Ich habe mich auch mit Reisenden unterhalten, die außerhalb von Bhārat Gaṇarājya waren und auch dort schien keine spirituelle Gemeinschaft dieser hier auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Also habe ich die Brücken hinter mir angebrochen und bin hierher gekommen. Ich habe eine Gemeinschaft gefunden, die ich tatsächlich als ideal bezeichnen möchte – nicht absolut ideal, sondern ideal für das, was in dieser Welt möglich ist, einer Welt, die von Vergänglichkeit, die von Alter, Krankheit und Tod geprägt ist.“

Das klingt recht überzeugend, Kalenian, aber es erfüllt dennoch nicht Buddhas Anspruch an einen, der den Pfad wirklich geht: Komm und sieh selbst! Du bist unser Lehrer Kalenian. Wenn du uns in Musik unterrichtest, erzählst du nicht nur etwas von Musik, du lässt uns singen, du lässt uns an Instrumenten üben, du lässt uns praktische Erfahrungen machen. Warum aber werden wir über die Welt da draußen unterrichtet – völlig ohne praktische Erfahrungen?“

Kalenian zeigte sich beeindruckt von der Überzeugungskraft seines Schülers, dennoch glaubte er ihn bremsen zu müssen: „Du hast recht, Nilay! Mit allem was du sagst, hast du recht! Aber es gibt auch so etwas wie die Fürsorgepflicht der Eltern und Erzieher. Wir müssen euch davor bewahren, dass euch etwas Schlimmes geschieht, dass ihr in die Sklaverei verkauft werdet etwa. Außerdem steht es jedem Erwachsenen frei, unsere Gemeinschaft zeitweise oder dauerhaft zu verlassen.“

Meinst du nicht, Kalenian, dass uns die Schule auch darauf vorbereiten müsste, auf die übrige Welt, auf das, was da draußen vor sich geht? Vielleicht durch Exkursionen? Oder dadurch, dass uns Anhänger anderer Glaubensrichtungen hier gelegentlich ihre Überzeugungen darlegen können.“

Ich fürchte, dafür sind unsere Schüler/innen noch nicht reif genug. Aber ich möchte dir einen Vorschlag machen: lass uns doch ein Gespräch wie dieses in der Klasse führen, wenn du willst.“

Nilay überlegte einige Zeit, ihm war klar, dass der Lehrer immer angesehener ist als ein Schüler, auch bei den anderen Schülern, dass man dem Lehrer eher glauben würde. Zwar hatte er durch seine Herkunft schon eine gewisse etwas abgehobene Rolle, aber es war immer noch der Lehrer, dem die Schüler vertrauten...

Dann sagte er plötzlich fest entschlossen: „Wir machen es so: an diesem Tag bin ich der Lehrer und du der Schüler. Ich trage meine Position vom Platz des Lehrers aus vor, du sitzt zwischen den Schülern. Ich werde die Position vertreten, die ich heute vertrat und du die deine. Dann hören wir, wie sich die anderen Schülerinnen und Schüler positionieren. Ist es in Ordnung, wenn wir das am nächsten Mittwoch machen?“

Kalenian war darüber zwar reichlich verwundert, aber er wusste auch, dass er die offensichtliche Kluft, die es zwischen ihm und Nilay gab, nur dann überwinden konnte, wenn er jetzt nicht über Details feilschte, sondern zustimmte: „So machen wir es, Nilay, das ist ein interessantes Unterrichtskonzept.“



Am nächsten Mittwoch fanden sich die Schülerinnen und Schüler von Nilays Klasse wie üblich rechtzeitig ein und setzten sich auf ihre Plätze, sie unterhielten sich. Zu den letzten die kamen gehörte Nilay. Er setzte sich auf den Platz des Lehrers.

He, Nilay, bist du heute unser Lehrer?“ fragte Sanya scherzhaft.

Ja, Leute, ich werde hier jetzt den Unterricht übernehmen. Eigentlich war das erst fürs nächste Jahr vorgesehen, und auch dann hätte ich den Unterricht bei den Jüngeren übernehmen sollen, aber wie ihr seht, haben sich die Pläne geändert.“

Moment mal, heißt das jetzt, dass du künftig immer unser Lehrer bist?“ das war die Stimme von Valin, dem kräftigsten Schüler.

Statt zu antworten fixierte Nilay den Schüler streng. In diesem Moment öffnete sich die Tür, Kalenian trat ein. Seine Körperhaltung war geduckt, leicht unterwürfig: „Entschuldigung, Herr Lehrer, ich bin etwas zu spät!“

Nilay sah ihn streng an: „Und das schon an deinem ersten Tag in der Rolle des Schülers! Ich hoffe, das bleibt eine einmalige Ausnahme!“

Jetzt herrschte eisernes Schweigen in der Klasse. Was spielte sich hier ab? War der Lehrer abgesetzt worden? Von wem? Etwa von der hl. Familie selbst? Aber das entsprach so ganz und gar nicht der normalen Vorgehensweise. Man war doch hier kooperativ, nicht konfrontativ! Alle waren verunsichert alle, außer Nilay und Kalenian.

Worin unterscheidet sich die Mettā-Sangha von den anderen Ortschaften im Kaschmirtal?“ fragte der Lehrer, also Nilay.

Eisiges Schweigen. Anders als sonst meldeten sich nicht zahlreiche Schüler, es rief auch niemand etwas herein. Das war etwas, was Nilay nicht erwartet hatte, er wandte sich daher an die beste Schülerin in Raum: „Also Indica, worin unterscheidet sich die Mettā-Sangha von den anderen Ortschaften?“

Indica sah ihren bisherigen Mitschüler Nilay und jetzigen Lehrer verstört an. Sie zögerte. Doch dann fasste sie sich ein Herz und sagte: „Bei uns geht es solidarisch und kooperativ zu, jedenfalls bisher immer. Bei uns wird niemand als jemand Besseres oder Wichtigeres angesehen, nur weil er einflussreichere Eltern hat.“

Das saß! Die anderen Schüler sahen stolz auf die mutige Indica, aber auch ängstlich auf Nilay, manche schielten zu Kalenian.

Nilay fixierte Indica: „Woher weißt du das? Wie kommst du zu der Annahme, wie es woanders ist und woher weißt du, so genau, wie es hier ist?“

Indica nahm ihre neue Rolle als opponierende Schülerin an: „Ich weiß das, weil es hier immer so gehandhabt wurde. Bis gestern jedenfalls! Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob hier nicht auch derjenige mehr zu sagen hat, der im richtigen Bett geboren wurde! Und meine bisherige Meinung habe ich hier in dieser Schule vermittelt bekommen, von Kalenian, dem besten Lehrer, den ich mir vorstellen kann. Außerdem habe ich diese Überzeugung von meinen Eltern vermittelt bekommen und meinen Freundinnen.“ Dann wandte sich sich an Kalenian: „Sag du doch auch etwas dazu, du warst doch unser Lehrer, dir haben wir vertraut.“ Indica war den Tränen nah und Nilay fragte sich, ob er sich möglicherweise vergaloppiert hatte, er nahm sich vor, etwas sensibler vorzugehen. Aber zunächst war es an Kalenian, der von Indica so flehentlich vorgetragenen Aufforderung nachzukommen.

Indica, da hast völlig recht. Es kommt bei uns nicht darauf an, in welchem Bett man geboren ist, welchen Vater oder welche Mutter man hat, sondern wie man sich verhält. Wir heißen Mettā-Sangha, weil für uns Mettā das Allerwichtigste ist: Wohlwollen, Freundlichkeit, Wertschätzung für jede und jeden, unabhängig von Geschlecht, Kaste, Beruf oder Alter. Das wird auch so bleiben, solange wir uns daran halten. Ich werde mich daran halten und ich erwarte von euch allen, dass ihr das auch tut. Das ist unser Selbstverständnis als Mettā-Sangha. Woanders ist es anders, aber bei uns ist das so. Punkt!“

Jetzt richteten sich aller Augen auf Nilay, der nunmehr Stellung nahm: „Wir alle wissen, wie es hier ist. Und den meisten von uns gefällt das. Ich finde das auch gut so. Das ist unser Selbstbild. Wir haben in dieser Schule und in unserem Elternhaus dieses Selbstbild vermittelt bekommen, diese Auto-Stereotype. Und wir haben auch eine zweite Stereotype vermittelt bekommen, das Bild davon, wie es `da draußen´ ist, dieses Bild von den anderen, diese Hetero-Streotype. Ihr habt das Selbstbild, gehört, erlernt und es scheint bei oberflächlicher Betrachtung auch korrekt zu sein. Aber die Hetero-Stereotype, das Bild vom Rest der Welt kennt doch kaum jemand von uns. Wir wissen nicht, wie es da draußen ist. Wir beziehen uns hier ganz oft auf die Lehren des Buddha. Der hat seine Anhänger aufgefordert: Komm und sieh selbst! Das möchte ich auch; ich möchte nicht einfach glauben, dass die mir übermittelte Hetero-Sterotype so ist, wie sie beschreiben wird. Ich will selbst sehen, wie es da draußen ist. Vielleicht ist es so schlecht, wie uns vermittelt wurde. Vielleicht ist aber auch nur ganz vieles schlecht und manches auch gut. Vielleicht ist sogar das ein oder andere besser als hier. Das will ich sehen, das will ich erfahren. Und wenn es draußen wirklich irgend etwas gibt, was noch besser ist als hier, warum sollten wir das dann nicht übernehmen!“

War Nilay anfangs nur Ablehnung entgegen gebracht worden, so fanden jetzt doch viele, das in dem, was er sagte, doch mindestens auch ein Körnchen Wahrheit enthalten ist.

Kalenian fand es jetzt an der Zeit, für seine Position zu werben: „Ich glaube ich bin der einzige, der sich von beiden Seiten, von der Mettā-Sangha und von Bhārat Gaṇarājya ein Bild machen kann. Als ich so alt war wie ihr, war das da draußen meine Realität, das was hier in der Mettā-Sangha ist, wäre mein Traum gewesen, wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich genau will. Ich denke, ich bin hinreichend vertrauenswürdig, das ihr es mir glauben könnt. Aber ich unterstütze auch das Recht von Nilay in einigen Jahren, wenn er erwachsen ist, nach draußen zu gehen und sich diese Welt anzusehen. Ich denke, er wird schneller wieder zurück sein, als er es sich zur Zeit vorstellen kann. Aber ein Punkt hat mich doch nachdenklich gemacht. Nilay hat auf den Buddha verwiesen, der gesagt hat Komm und sieh selbst! Ja, das hat der Buddha gesagt. Er hat es den Menschen von außerhalb der Sangha gesagt, er hat sie so auf eine Probezeit in der Sangha eingeladen, zum Noviziat, um Mönch auf Probe zu sein. Er hat nie gesagt: Geh weg und sieh! Und im traditionellen Buddhismus wird, so habe ich es von deinem Vater gelernt, Nilay, im traditionellen Buddhismus wird zwischen zwei Arten von Erlösten, von Vollendeten, von Heiligen gesprochen, einerseits die Glaubenserlösten andererseits den Wissenserlösten. Sollte ich einmal ein Heiliger werden, so wäre ich ein Wissenserlöster. Ich weiß wie es woanders ist und ich kenne und praktiziere den Dharma. Ich denke auch Nilay wird eines Tages in die Welt da draußen gehen müssen, um ein Wissenserlöster werden zu können. Aber jeder und jedem von euch steht es frei auch anzustreben ein Glaubenserlöster oder eine Glaubenserlöste zu sein. Dann nämlich, wenn ihr einfach den Dharma praktiziert, mit Körper, Rede und Geist.“

Anschließend kam es zu einer regen Diskussion, bei der sich viele Schüler/innen positionierten, aber eigentlich keine neuen wesentlichen Argumente auftauchten. Bei den Mädchen überwog eindeutig die Anzahl derer, die gar nicht `die Welt da draußen´ kennenlernen wollte. Bei den Jungen hielten sie sich die beiden Positionen in etwa die Waage.

Am Ende fasste der „Lehrer des Tages“, also Nilay, die Ergebnisse so zusammen: „Wir haben gesehen, dass eine nicht ganz kleine Minderheit die `Welt da draußen´ gerne besser kennenlernen möchte, die Mehrheit möchte das nicht. Sinnvoll wäre es meines Erachtens, wenn wir das Kennenlernenkönnen der Außenwelt besser in unsere Ausbildung integrieren könnten, damit man nicht, wie das bei mir wohl sein wird – auf sich allein gestellt nach draußen gehen muss. Ich danke euch für eure rege Teilnahme. Von morgen an wird wieder Kalenian euer Lehrer sein. Das heute war nur ein Unterrichtsexperiment. Einige von euch fanden es vielleicht blöde, aber ich bin sicher, wenn ihr euch als Großeltern an eure Schulzeit zurückerinnern werdet, wird es nur wenige Unterrichtstunden geben, an die ihr euch so gut erinnern könnt, wie an diese!“

Bei diesen Worten fiel allen ein Stein vom Herzen, sie bedankten sich bei Nilay und bei Kalenian für den interessanten Vormittag. Eine Idee war aufgebracht worden, die das Unterrichtskonzept und auch die Außenwirkung der Mettā-Sangha für sehr lange Zeit beeinflusste.


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Erläuterungen

Bhārat Gaṇarājya – (Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien

Bodh-Gaya – Stelle, an der der Buddha sein Erwachen erreichte. Das Wort ist zusammengesetzt aus bodh- (Erwachen, Erleuchtung) und Gaya (Name der nahegelegenen Stadt)

Bodhisattva – Figur im Mahāyāna-Buddhismus. Bodhisattvas sind Wesen, die Erleuchtung nicht nur für sich selbst anstreben, sondern zum Wohl aller Wesen. (Im Theravāda wird das Wort nur für den späteren Buddha vor seiner Erleuchtung verwendet.)

Dharma – hier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des Buddha. Das Wort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz, Wissenschaft, Lehre.

Grüne Tārā – Bodhisattva, die für grenzenloses Mitgefühl zu allen Wesen steht. Sie wird immer sitzend dargestellt, im Begriff aufzustehen, um den leidenden Wesen aktiv zu helfen, ihre rechte Hand zeigt die Geste der Wunschgewährung. Sie hat grüne Haut, denn sie gehört zu einer Gruppe von grünen Wesen, genannt die Karmafamilie. Neben der Grünen Tārā gibt es noch 20 weitere Tārās, die Grüne Tārā ist aber die bekannteste davon.

Kālāma Sutta – Lehrrede, die der Buddha an die Kalamer, die Einwohner der Stadt Kalama,  hielt. Es findet sich im Pali-Kanon in der Anguttara Nikāya III.,66

Kaste – die indische Gesellschaft wird gemäß der hinduistischen Religion in streng voneinander abgetrennte Kasten eingeteilt, die wichtigsten Kasten sind die Brahmanen (Sanskrit: ब्राह्मण, Priester), katriya (Sanskrit: क्षत्रिय, Adel, Krieger, Beamte) und die vaiśya (Sanskrit: वैश्य = Kaufleute, Händler, Großgrundbesitzer) und śūdras (Sanskrit शूद्र, = Arbeiterklasse incl. Handwerker), darunter stehen die Dalits (Kastenlose, Unberührbare). Auf diese Art schuf der Hinduismus eine Apartheidsgesellschaft mit einer arischen Mittel- und Oberschicht, und einer indigenen Bevölkerung, die man nicht einmal berühren durfte; so sollte eine Rassenvermischung verhindern werden. 

Katriya (Sanskrit: क्षत्रिय) höchste indische Kaste, umfasst Adel, Krieger, Beamte

Mettā (Pāḷi) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn Mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind.

Mettā Bhāvanā – Meditation zur Schaffung von Bedingungen damit Mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen. 

Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft

Sangha – spirituelle Gemeinschaft, meist für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. (Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nur Erleuchtete.)


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