Horst
Gunkel, Band
4 der Metta-Sangha-Saga: Nilay - der Sohn Jesu - Kapitel 21
letztmals bearbeitet am
12.5.2026
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21 - Was kommt nach der hl. Familie?
Amita hatte den Wunsch geäußert, ein kleines Familientreffen abzuhalten, nur Yuz, sie selbst und die drei Kinder der beiden sollten daran teilnehmen. Man traf sich auch nicht wie sonst im alten Gasthof, sondern im Haus der hl. Familie. Amita hatte zusammen mit Taracitta ein Mittagessen zubereitet, es war ein Essen im ganz kleinen Familienkreis – ganz wie zu Anfang der Mettā-Sangha.
Es war augenscheinlich etwas Besonderes, den Grund dafür hatte sie nur Yuz genannt: Es war etwas, worüber sowohl er als auch Amita in letzter Zeit öfter gemeinsam nachgedacht hatten, nun wollte sie es mit ihren Kindern besprechen. Diese hatten ebenfalls – jeder für sich – darüber nachgedacht, denn es lag ja auf der Hand, das etwas geklärt werden musste.
Ursprünglich war es unausgesprochen klar gewesen in der Mettā-Sangha: In allen spirituellen Fragen trafen Amita und Yuz die wichtigen Entscheidungen. Sie taten das im Wesentlichen gemeinsam – nie in Konkurrenz zueinander. Manchmal ergab es sich zwar aus dem Augenblick heraus, dass Amita oder Yuz etwas ad hoc entschieden, auch wenn die jeweils andere Person das dann möglicherweise nicht ganz hundertprozentig optimal fand. Aber es gab nie eine sichtbare, für Dritte erkennbare Konkurrenz. Das lag daran, dass die beiden wussten, wie kongenial der jeweils andere war. Aber es lag auf der Hand, dass dieses Modell nicht mehr funktionierte, wenn Yuz und Amita nicht mehr lebten - und Yuz war inzwischen 90, Amita gerade einmal zehn Jahre jünger. Es war also an der Zeit, sich über die Zeit nach ihnen Gedanken zu machen.
Amita eröffnete, sobald das Essen verspeist war, die Versammlung des Familienrates mit den Worten: „Ich nehme an, ihr könnt euch denken, warum Yuz und ich euch zu diesem Gespräch zusammengerufen haben. Wir beide sind alt und werden alsbald nicht mehr leben. Unsere Dorfgemeinschaft ist hervorragend organisiert, zwar ist auch Raj, unser Geschäftsführer, schon fast 70 - aber mit dem Rat haben wir ein Gremium, dass die Geschicke unseres Dorfes im Einklang mit den Prinzipien unserer Mettā-Sangha ausgezeichnet leidet. Die Positionen des Rates werden danach besetzt, was für unsere Dorfgemeinschaft, die nunmehr fast schon eine Kleinstadt ist, gut und richtig ist. Aber in spirituellen Fragen war es bisher immer so, dass Yuz und ich die Richtung vorgegeben haben. Mit unserem Ableben entsteht da eine Leerstelle - und wir sollten gemeinsam überlegen, wie diese am besten zu füllen ist.“
„Naja“, sagte Mahadevamitta, „wir haben doch da im Kloster bereits eine gemeinsame Führung: unsere beiden Klostervorsitzenden, Bhikkhunī Maria und mich...“
Bh. Maria unterbrach ihren Bruder: „Taracitta ist zwar nicht ordiniert, aber ich denke sie ist genauso kompetent, wie wir beide, sie leitet außerdem das Schulwesen - ist also für die Bildung der Mettā-Sangha zuständig, und unser Bildungswesen besteht in erster Linie darin, den Dharma zu vermitteln.“
Taracitta griff das auf, brachte aber noch einen weiteren Aspekt hinein: „Unsere Eltern waren, wie wir alle wissen, auch eine zeitlang Mönch bzw. Nonne. Daher haben sie natürlich ebenso eine klösterliche Ausbildung, wie die heutigen Mönche und Nonnen, und ich möchte sagen, auch wir drei, ihre Kinder sind von klein auf nicht nur mit Muttermilch, sondern auch mit dem Ambrosia des Dharma aufgewachsen. Aber ich würde zum Beispiel Manisha, die wie Mutter Nonne war und dann in den Familienstand zurückgekehrt ist, als ebenso kompetent ansehen.“
Mahadevamitta ergänzte: „Schaut euch auch einmal Upekkhadakini
an, die ich vor ewig langer Zeit als Shyla kennenlernte. Sie
hat lange in einem Haushalt gelebt, war aber geistig immer darauf
ausgerichtet, Nonne zu sein. Sie hat dann unter großen Entbehrungen
und einer langen, gefährlichen Reise zur Mettā-Sangha
erreicht, um bei uns zu sein. Sie hat als Blaugekleidete jahrelang
hier gelebt, wurde dann Novizin In Ghora Katora und lebt
jetzt seit Jahren als Upekkhadakini hier im Kloster. Sie ist
nach außen wenig aufgefallen, aber ich rede oft mit ihr. Ich habe
den tiefen Eindruck sie steht uns in nichts nach.“
Yuz, der bislang geschwiegen hatte, fasste zusammen: „Wir haben also einige Menschen, die wirklich in unsere Fußstapfen treten können. Und so wie wir hier gemeinsam beraten, so sollten auch diese dereinst gemeinsam beraten. Unser Dorf hat den Rat an der Spitze, der sollte in Zukunft so weiter arbeiten wie bisher. Er sollte aber nicht das höchste Gremium der spirituellen Führung sein. Dazu brauchen wir so etwas wie einen spirituellen Rat. Und damit der Bruch nach dem Tod von Amita und mir nicht so groß ist, sollten wir diesen Rat jetzt bald einsetzen. Der Rat sollte nicht allzu groß sein. Meiner Erfahrung nach ist alles, was acht Personen übersteigt, zu groß. Ich könnte mir vorstellen, dass etwa sechs Personen das Optimum sind - acht die absolute Obergrenze. Und wir sollten diesen Rat bald einsetzen, damit der Übergang nach unserem Tod nicht so abrupt ist.“
„Das ist genau meine Meinung auch“, erklärte Amita. „Ich meine aber, wir müssen auch festlegen, wie der Rat besetzt ist. Ich denke, es ist unablässig, dass diesem Rat der Abt und die Äbtissin unseres Klosters angehören, außerdem die Leiterin der Schule. Neue Ratsmitglieder sollten jeweils von den bestehenden Ratsmitgliedern einmütig ernannt werden.“
Taracitta sah in die Runde. Dann sagte sie: „Ich sehe, dagegen keine Einwände, dann ist das wohl so beschlossen, wie es Amita und Yuz eben dargelegt haben. Ich habe aber noch eine Frage, zum Namen des Rates. Der bestehende Dorf-Rat wird allgemein als Rat der Mettā-Sangha bezeichnet. Das wäre eigentlich der passende Name für unser Gremium. Wenn wir das aber so nennen, dann sieht das nach einer Abwertung dieses Dorfrates aus. Daher fände ich es gut, wenn wir einen neuen Namen für das neue Gremium hätten- und wenn wir den hätten, bevor wir unseren Plan bekannt machen.“
Es wurden einige Namen diskutiert schließlich einigte man sich auf den Namen „Spiritueller Rat der Mettā-Sangha“. Der Name wurde zwar nicht als optimal empfunden. Er könne ja später geändert werden, wichtig sei es erst einmal, diesen Rat zu gründen und die Gemeinde darüber in Kenntnis zu setzen.
„Dann kommt die spannende Frage, wer in diesen Rat soll!“ stellte Yuz fest.
„Ich habe vorher noch einen weiteren Vorschlag“, Amita, brachte diesen ein, „ich möchte, dass wir festlegen, dass niemand aus dem Rat ausgeschlossen werden kann - unter keinen Umständen. Ich möchte dadurch erreichen, dass es niemals dazu kommt, dass eine Mehrheit die Minderheit entfernt. Auf diese Art stärken wir das Konsens-Prinzip. Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Aber wir wollen immer auch verstehen, warum Personen andere Meinung sind - und Brücken bauen für Vorschläge, die alle vertreten können.“
Da dazu alle schwiegen, war auch dieser Vorschlag angenommen. Der Buddha und andere führende Weise Indiens hatten die Sitte eingeführt, dass bei spirituell hoch entwickelten Menschen Schweigen als Zustimmung gilt, und so war es auch in der Mettā-Sangha.
Der Wunsch, die Größe des Spirituellen Rates auf sechs, maximal acht Personen zu beschränken, machte dann im Anschluss die Besetzung nicht einfach, da bereits fünf Leute am Tisch saßen, die diesem Rat nach Meinung aller unbedingt angehören sollten.
„Ja, es sollten etwa sechs, höchstens aber acht sein, wie ich vorgeschlagen habe“, erklärte Yuz dann. „Da aber Amita und ich in wenigen Jahren dem Rat nicht mehr angehören werden, denke ich, es ist das besten, wir beginnen jetzt mit acht Personen einschließlich uns beiden Alten - nehmen aber zu Amitas und meinen Lebzeiten keine weiteren auf. Nach unserem Tod seid ihr dann frei, die Zahl wieder auf maximal acht zu erhöhen.“
Es gab keinen Widerspruch. Dann aber meldete sich doch noch Bhikkhunī Maria zu Wort: „Momentan sind wir alle Mitglieder der heiligen Familie, ich wünsche mir, dass es bei weiteren Berufungen – egal ob jetzt oder später – keinen Unterschied macht, ob man Nachkomme von Yuz und Amita ist oder nicht.“
Bhikkhunī Maria sah in die Runde und freute sich, dass diesmal die Annahme des Vorschlags nicht nur durch Schweigen angenommen wurde, sondern dass alle zustimmend nickten, auch Taracitta, die als Einzige Kinder hatte - und deren Nachkommen damit keinen Vorteil gegenüber anderen Sangha-Mitgliedern hatten.
In den Spirituellen Rat der Mettā-Sangha wurden alsdann zusätzlich zu den fünf, die jetzt am Tisch saßen Upekkhadakini, Sammaditthimitta (SDM) und Manisha (wie Karunadakini nach dem Ausscheiden aus dem Nonnenstand auch offiziell wieder hieß) aufgenommen. Alle drei neu aufgenommenen waren keine Sprösslinge der heiligen Familie. Mit Amita, Yuz, Taracitta und Manisha gehörten genau so viele „Laien“ wie Mönche und Nonnen dem Gremium an.
Als erstes wurde der Rat der Mettā-Sangha davon informiert - und gebeten, sich hinter diese Entwicklung zu stellen. Natürlich waren dessen Mitglieder davon überrascht - und zunächst sehr zurückhaltend, denn sie fürchteten Verlust ihres Einflusses. Schließlich waren aber doch alle zufrieden, dass ihnen jetzt mehr Zeit für ihre Kernaufgaben blieb.
Am nächsten Uposatha wurde der neue „Spirituelle Rat der Mettā-Sangha“ vorgestellt, wozu jede Person aus dem Spirituellen Rat knapp erläuterte, was ihr besonders wichtig war. Hören wir uns kurz an, was die drei von ihnen, die nicht der hl. Familie angehörten, sagten.
Als erster von ihnen stellte sich SDM vor: „Liebe Angehörige der Mettā-Sangha. Wir ihr wisst, war ich früher sehr skeptisch gegenüber der Mettā-Sangha. Ich bin dann viel durch ganz Bhārat Gaṇarājya gewandert, war auch in vielen Klöstern, sodass ich beurteilen kann, dass das, was hier praktiziert wird, die beste Sangha für sog. Laien, für Nicht-Ordinierte ist, und mit Sicherheit auch zu den besten Mönchsklöstern gehört. Zu Nonnenklöstern kann ich nichts sagen, denn dort war ich naturgemäß nicht. Ich möchte einen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Sangha leisten und dabei auch die Außenwirkung verstärken. Es gibt so viele Menschen, denen wir helfen können, zum Dharma zu finden – und sich dadurch weiterentwickeln zu können: Zum Wohl aller fühlenden Wesen.“
Amita klatschte Applaus, dem dann die ganze Gemeinde
folgte.
Manisha stellte sich und ihre Absichten als Nächstes vor: „Liebe Sangha-Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde, wie ihr wisst bin ich aus dem Orden ausgetreten, um eine Familie zu gründen. Ich hätte mir bei diesem Schritt nicht träumen lassen, dass ausgerechnet ich in den neuen Spirituellen Rat berufen würde. Mein Hauptaugenmerk wird darauf sein, dass die vielen Menschen, die hier in Familien leben und nicht im Kloster, möglichst optimale Bedingungen haben, den Dharma zu praktizieren, also an ihrer menschlichen Entwicklung zu Freude, Freundschaft und Befreiung aus dem Rad der Geburten zu basteln.“
Das freute natürlich alle die, die Befürchtungen hatte, die Mettā-Sangha würde irgendwann nur noch zur Unterstützung der Mönche da sein, wie das fast überall in Bhārat Gaṇarājya ansonsten war.
Als letztes Stellte
sich Upekkhadakini (Bhikkhunī Shyla) vor: „Ich bin mit
Sicherheit für die allermeisten hier im Dorf die Unbekannteste in
diesem Gremium, denn ich habe die längste Zeit meines Lebens
woanders gelebt. Dennoch waren meine großen Vorbilder, seit ich
elf Jahre alt waren Mahadevamitta und Bhikkhunī Maria, die ich damals nur unter ihren früheren Namen kannte,
als Nilay und
Maria, den
Kindern des hl. Paares, das ich auch nur aus MDMs Erzählungen kannte - aber bereits damals verehrte. Ich
hatte seinerzeit zwei fast unerreichbar erscheinende Ziele: ich
wollte zur Mettā-Sangha und ich wollte Nonne werden. Zwei Dinge, die jedes für
sich, unerreichbar schienen, aber gemeinsam praktisch nicht zu
verwirklichen, weil es hier in der Mettā-Sangha damals kein Kloster gab. Da ich mein ganzes Leben dem Dharma gewidmet habe,
ist es mir aber gelungen mich meinen Zielen nicht nur zu nähern,
sondern beide zu erreichen, was ich früher für unvorstellbar
hielt.
Wenn es einen Komparativ für `unvorstellbar´ gäbe, würde ich jetzt sagen: Ich habe das noch `Unvorstellbarere´ erreicht, ich habe sogar das `Allerunvorstellbarste´ erreicht: Ich gehöre nicht nur der Mettā-Sangha an, ich bin nicht nur Nonne, sondern ich gehöre jetzt sogar dem Gremium an, dem auch die vier Idole meiner Kindheit, meiner frühen Jugend angehören, nämlich Amita, Yuz, MDM und Bhikkhunī Maria. Ich möchte alles dafür tun, dass ihr alle hier genauso gute Bedingungen für eure persönliche Entwicklung habt, wie ich sie hatte. Vielen Dank!“
Und alle, gerade auch die, die Upekkhadakini bislang noch gar nicht kannten, freuten sich über ihre Worte und applaudierten ihr.
Der Spirituelle Rat der Mettā-Sangha tagte von da an regelmäßig einmal wöchentlich, jeweils am Abend vor Uposatha. Beim ersten Treffen unterhielt man sich zunächst darüber, wie das neue Gremium in der Bevölkerung angekommen war und man zeigte sich sichtlich zufrieden. Danach fragte Amita: „Über welches Thema sollten wir uns zunächst unterhalten?“
„Ich habe da einen Vorschlag,“ begann SDM. „Wir wissen meist, was uns von anderen Religionsgemeinschaften unterscheidet - und worin wir besonders gut sind. Man kann sich aber nur optimieren, wenn man von allem das Beste nimmt. Die meisten von uns sind in unserer Jugend vom Brahmanismus geprägt worden. Das steckt noch in uns drin. Da gab es vieles Schlechte, aber sicher auch manches Gute. Allein Yuz ist in einem anderen Erdteil aufgewachsen, in einem anderen religiösen Umfeld, im Römischen Reich und unter Juden. Er hat sich davon angewandt - wie wir andere uns vom Brahmanismus abgewandt haben. Aber sicher gab es auch im Judentum Gutes. Einiges davon lässt Yuz vielleicht unbewusst in seine Art zu lehren einfließen. Ich möchte aber nicht, dass diese positiven Einflüsse des Judentums verloren gehen. In wenigen Jahren wird Yuz – wie auch ich – nicht mehr unter den Lebenden sein. Ich möchte gern diesen verborgenen Schatz in ihm, das positive Vermächtnis des Judentums für unsere Mettā-Sangha, retten. Daher möchte ich Yuz bitten uns einmal schwerpunktmäßig über das Positive am Judentum zu informieren, und dann können wir sehen, wie wir dies für uns nutzbar machen können.“
Yuz sah alles andere als begeistert aus, und er machte bereits Anstalten, dieses Ansinnen von sich zu weisen, doch dann unterstützten andere SDMs Vorschlag, so sagte Manisha: „Ich denke, das ist wichtig, was SDM vorschlägt, und wir sollten auch überlegen, welche positiven Elemente der Brahmanismus hat, und uns überlegen, ob wir etwas davon für die Mettā-Sangha nutzen können - oder vielleicht auch von noch anderen Glaubensgemeinschaften. Aber SDM hat recht, das, was wir aus dem Judentum übernehmen können, muss zuerst geklärt werden, weil Yuz inzwischen 90 ist, und wir wissen nicht, wie lange er noch in der Lage sein wird, dieses Wissen weiterzugeben.“
„In Ordnung, dein Anliegen ist ja gut begründet, SDM“, sagte Yuz schließlich. „Ich bin zwar der Meinung, dass das meiste nicht hilfreich ist, aber es gibt sicher auch einiges Positive. Als besonders positiv fand ich, dass es ethische Regeln gab. Ein Teil dieser Regeln war problematisch, so lautete die erste: `Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine fremden Götter neben mir haben.´ Wir aber, die wir im Dharma geschult sind, wissen, dass der Egoismus unser Hauptfeind ist, das Ich-Denken. Den ersten Vorsatz mit dem Wort `ich´ zu beginnen, geht daher gar nicht. Vom Göttlichen als einem `Ich´ zu sprechen und sich von anderen abzugrenzen ist so völlig daneben...“
Amita unterbrach ihn: „Yuz, wir wollten von den positiven Aspekten des Judentums sprechen.“
„Sicher, Amita, ich komme jetzt darauf. Deshalb haben nämlich Amita und ich gleich zu Beginn den Dekalog, also die `Zehn Gebote des Judentums´ mit den Handlungsempfehlungen des Buddha abgeglichen und so neu formuliert, wie wir das heute noch immer an Uposatha gemeinsam rezitieren.“
„Ach, das wusste ich noch gar nicht, ich dachte ihr hättet nur die traditionell negativ formulierten Vorsätze des Buddha – dort heißt es ja immer `Ich nehme mir vor, aufzuhören mit...´ – durch eine positive Variante erweitert.“ Das war Taracittas Beitrag.
Amita unterstützte ihren Mann: „Yuz stellt das völlig richtig dar - und es ist in meinen Augen auch kein Wunder, das das Positive an den jüdischen Geboten weitgehend mit den Handlungsempfehlungen des Buddha übereinstimmt.“
„Deswegen halte ich ja auch dieses Thema nicht für sehr ergiebig!“, versuchte Yuz das Thema zu beenden.
Aber SDM ließ nicht locker: „Da scheinst du bezüglich der ethischen Regeln recht zu haben, was ist denn noch irgendwie positiv am Judentum?“
Yuz nickte: „Die Tatsache, dass man eine klare Adresse hat, an die man sich mit Dankgebeten aber auch mit Bitten wenden, kann, eben diesen Gott JHWH, den ich inhaltlich ablehne, weil da dem Göttlichen niedrigste Beweggründe unterstellt werden: Egoismus, Rachegefühle, Zorn, Kriegslüsternheit...“
SDM ließ nicht locker. „Lass doch einfach mal das Negative weg und berichte uns vom Positiven, es gibt dort also eine Adresse, an die sich Betende wenden können. Gibt es wirklich nur die eine? Im Brahmanismus gibt es ja verschiedenste Götter...“
Yuz sagt: „Das Böse ist auch so etwas wie eine personifizierte Gottheit, der Satan, ein abtrünniger Engel...“
Da hakte jetzt Manisha nach: „Ein Engel? Was ist das?“
Yuz erklärte: „Also die Juden haben nur einen Gott, aber es gibt auch noch Engel, die Mal´ach, das sind so etwas wie die Gehilfen Gottes, sie haben verschiedene Aufgaben, manche begleiten z. B. die Juden am Sabbat – das ist so eine Art Uposatha – dazu lädt man sie mit einem besonderen Gebet ein. Besonders wichtig sind die Erzengel, sie sind die wichtigsten Engel, die Erzengel Michael, Gabriel, Uriel und Raphael begleiten beispielsweise die Schlafenden. An sie kann man sich also wenden, wenn man von schlechten Träumen geplagt wird. Dann gibt es auch Schutzengel, die die Menschen beschützen. Und dann gibt es noch die Cherubim und die Seraphim, die bilden so etwas wie den Hofstaat von JHWH.“
„Das ist ja fast so ein Durcheinander wie bei den Göttern des Brahmanismus!“ wundert sich Upekkhadakini. „Es scheint also ein menschliche Bedürfnis für Ansprechpartner, Helfer und Beschützer zu geben, du hast dich ja auch gern an Abba oder später an Amoghasiddhi gewandt. Wir sollten die Sinnhaftigkeit solcher Figuren prüfen und in Erwägung ziehen, inwieweit wir sie als Hilfe für die Mettā-Sangha nehmen können.“
„Aber es geht doch nicht darum, neue Gottheiten zu erfinden!“ warnte jetzt Bhikkhunī Maria.
„Sicher nicht,“ erläuterte Upekkhadakini ihr Ansinnen, „aber es gibt transzendente Kräfte, zu denen man Kontakt aufnehmen kann. Auch der Buddha hat von Göttern gesprochen. Natürlich sind das keine Personen. Aber mit der Grünen Tara haben wir zum Beispiel ein Bild geschaffen, das uns visuell orientierten Menschen ermöglicht, Kontakt mit einer abstrakten Kraft aufzunehmen, eben weil wir sie visualisieren können. Karuna, Barmherzigkeit kann man nicht visualisieren und mit einem abstrakten Prinzip fällt es uns auch schwer in Kontakt zu treten. Mit der Grünen Tara geht das. So habe ich das immer verstanden, was Amita macht.“
„Das ist richtig, und Yuz macht das ja auch: früher
mit Abba, heute mit Amoghasiddhi“,
unterstützte Amita sie.
„Wobei Amoghasiddhi für Furchtlosigkeit steht und die Grüne Tara für Barmherzigkeit. Wir sollten zur gegebenen Zeit nachsehen, was für weitere Kräfte sich eignen, und ob es bereits irgendwo Projektionsbilder dafür gibt, oder inwiefern es Sinn macht neue zu entwickeln“, freute sich Taracitta. Da sind wir doch heute schon ein ganzes Stück weiter gekommen.
Yuz überlegte kurz, dann sagte er: „Ansonsten fällt mir
momentan nur noch der Sabbat ein: der arbeitsfreie
Tag der Juden, aber den haben wir mit Uposthha bei
uns auch eingefügt, allerdings von Übertreibungen bereinigt. Die
Juden dürfen an diesem Tag z.B. kein Licht anzünden, weil das ja
eine Arbeit wäre und an diesem Tag Arbeit verboten ist. Mir haben
sie auch verbieten wollen, am Sabbat Menschen zu
heilen. Das ist natürlich absurd.“
SDM machte eine kleine Verbeugung vor Yuz: „Wie schön, dass ihr mit den ethischen Regeln und dem Uposatha schon einiges Positive von den Juden übernommen habt. An der Sache mit Engeln oder Göttern oder Bodhisattvas arbeiten wir noch, das wird uns sicher noch lange Zeit beschäftigen. Und wenn dir noch etwas einfällt Yuz, berichte uns bitte davon. Das gilt natürlich für die anderen auch: wenn ihr etwas Positives in anderen Religionen findet, berichtet uns, damit wir versuchen können, es den Leuten aus der Mettā-Sangha in praktischen Übungenzu vermitteln.“
In dieser Art arbeitete der Spirituelle Rat der Mettā-Sangha.
Als sich die Sitzung aufgelöst hatte sprach Yuz SDM an: „Weißt du SDM, ich bin immer wieder erstaunt, wie du dich entwickelt hast. Bei unserem ersten Treffen, vor vielen Jahren empfand ich dich arrogant und borniert. Umso erstaunter bin ich, wie weitblickend und feinfühlig du bist. Ich muss sagen, ich bin richtig froh, dich im Spirituellen Rat zu haben.“
„Yuz, das habe ich zum großen Teil dir zu verdanken“, erklärte SDM. „Du - und auch die beiden Frauen damals, ich glaube es waren Amita und Juva, ihr habt mir den entscheidenden Anstoß gegeben. Wegen euch wurde ich ein wandernder Mönch. Ich hoffte, auch woanders solch fruchtbare Anstöße zu bekommen - das war aber in dem Maße nie mehr der Fall. Deshalb bin schließlich hierher zurückgekehrt. Hier glaube ich mich noch weiter entwickeln zu können - soweit das in meinem Alter möglich ist. Allerdings glaube ich, dass ich auch dir etwas zurückgeben kann. Ich habe den Eindruck, dass ich dir eine dieser transzendenten Projektionen vermitteln kann, die für dich womöglich noch hilfreicher ist. Ich habe sie einst in einem Mahasanghika-Kloster kennengelernt.“
„Du warst in einem Mahasanghika-Kloster?“
„Ja, es ist schon mehr als zehn Jahre her. Nicht alles hat mir dort gefallen, aber einiges fand ich doch sehr beeindruckend. Dazu gehörte eine solche Figur, wie ihr sie hier mit der Grünen Tara, mit Akshobya und mit Amoghasiddhi habt, und die wollte ich dir gern vorstellen, weil ich den Eindruck habe, dass sie besonders gut zu dir passt.“
„Da bin ich gespannt, kannst du mir das jetzt gleich erläutern?“
„Gerne, Yuz, aber vielleicht nicht hier, sondern in einem passenden Ambiente. Im Tempel ist zur Zeit keine Veranstaltungen, was meinst du?“
Also begaben sich Yuz und SDM in den Tempel, dort befanden sich zu diesem Zeitpunkt nur zwei Personen - und die saßen ziemlich weit hinten, offensichtlich in Meditation oder im Gebet versunken.
„Wenn wir uns ganz vorn beim Schrein und den anderen Figuren hinsetzen und ganz leise sprechen, werden wir niemanden stören“, sagte Yuz. Das war sicher so, da der Tempel aus Holz war. Der künftige Steinerne Tempel war zwar im fortgeschritteneren Baustadium, aber noch keineswegs fertig. Das Holz des gegenwärtigen Tempels wirkte eher schalldämpfend.
Yuz sah SDM erwartungsvoll an; gleichzeitig wurde ihm bewusst, wie stark sich sein Verhältnis zu diesem Mönch seit ihrer ersten Begegnung geändert hatte. Hatte er damals – völlig zu recht – von oben auf den bornierten Ditthimitta herabgesehen, so war ihm inzwischen bewusst, dass SDM nunmehr ein Mann war, dem er auf Augenhöhe begegnen konnte. Offensichtlich war dieser während seiner Wanderzeit genauso gereift, wie er – Yuz – selbst ja auch während er umherwanderte: des Meisters Lehr- und Wanderjahre.
„Yuz, erzähle mir doch bitte, was die bei uns üblichen Visualisierungsfiguren bei dir auslösen, und warum du dich so schwer von der Figur, die du Abba nennst, lösen konntest.“
„Du weißt, SDM, dass ich als Jude aufgewachsen bin. Ich hielt - und halte - Gott für das Zentrum des spirituellen Lebens. Was mich im Judentum störte, war, dass der Gott, den die Rabbiner predigten, JHWH, ein zorniger, kriegerischer Gott war. Ich aber war von Anfang an überzeugt, dass Gott ein Gott der Liebe sein muss, ein Gott der Barmherzigkeit.1 Daher bin ich auch froh, dass wir uns hier Mettā-Sangha nennen, die Gemeinschaft der All-Güte, Freundlichkeit, Warmherzigkeit, der Liebe für jeden - nicht nur für meine Nächsten. Das habe ich auch versucht in Palästina zu predigen, wie du weißt: mit mittelmäßigem Erfolg.
Wir haben hier unter anderem die Figur der Grünen Tara, die kommt diesem Ideal relativ nahe, auch wenn sie nicht genau die Emotion Mettā symbolisiert, sondern Karuna, Barmherzigkeit. Aber für mich funktioniert diese Figur nicht als Identifkationsobjekt, weil sie eine weibliche Figur ist und weil sie mich immer an Amita erinnert. Ich schätze Amita sehr - aber ich kann sie nicht als so etwas wie eine Gottheit betrachten.
Dann haben wir noch Aksobhya, diese blaue Figur, die mit der rechten Hand die Erde berührt. Wie du weißt nimmt das Bezug auf den Buddha, der während seines Erwachensprozesses, die Erde berührte, damit Mutter Erde als Zeuge seiner großen spirituellen Fortschritte erschien. Das ist ein starkes Symbol, ein Symbol der Selbstvergewisserung. Aber es ist für mich nicht hilfreich als Ansprechpartner. Von daher wäre die Grüne Tara schon eher geeignet, eben weil sie für Barmherzigkeit steht. Ein Symbol für Mettā, das nicht weiblich ist, wäre sicher noch hilfreicher.“
„Das glaube ich auch, Yuz, dass das für dich hilfreicher wäre, aber was ist das besondere für dich an Abba gewesen, und warum hast du irgendwann auf Amoghasiddhi umgeschaltet?“
„Abba war für mich die ideale Vaterfigur, gewissermaßen das positive Gegenbild zu JHWH. Daher hab ich ihn angerufen mit `Abba du´, mit `Vater unser´. Aber allmählich habe ich bemerkt, dass dieser Abba die vom Negativen so gut wie möglich gereinigte Figur des JHWH war. Unterschwellig schwang da immer noch etwas von JHWH mit, der der Gott meiner Kindheit war - aber auch der Schrecken meiner Kindheit. Das Zornige, was in der Figur steckte, habe ich auch in mir erkannt. Aber wie kann ich mich von meinem inneren Jähzorn, vor dem ich mich immer fürchtete, emanzipieren, wenn ich an Abba festklammere? Diesen Widerspruch fürchtete ich in mir, von dem versuchte ich mich immer zu emanzipieren - und doch holte er mich immer wieder ein, mindestens in den ersten 34 Jahren meines Lebens. Das war auch der Grund, warum ich versuchte davon loszukommen, indem ich schon damals in Palästina mich auf den Engel der Furchtlosigkeit konzentrierte, so als wollte ich mir immer sagen: `Jesus, fürchte dich nicht´2. Also dieser Aspekt des Göttlichen, die Gabe der Furchtlosigkeit, eines der besten Dinge, die man jemandem geben kann, verbinde ich heute mit Amoghasiddhi. Aber es ist nicht genau das, was ich immer gesucht habe. Ich brauche eigentlich als idealen transzendeten Ansprechpartner einen Aspekt des Göttlichen, der reines Mettā verkörpert, alles umfassende und alle umschließende Liebe. Und das passt aus den genannten Gründen weder bei Abba noch bei Amoghasiddhi.“
Sammaditthimitta (der Name, den ihm Jesus gab, bedeutet so viel wie `der frei ist von jeder Einseitigkeit, der die Dinge von allen Blickwinkeln beleuchtet, sogar von innen´), lächelte Yuz an: „Und genau an dieser Stelle kommt die Figur ins Spiel, die in dem Mahsanghika-Kloster, in dem ich war, verehrt wurde: Amitābha. Sein Name bedeutet `Unendliches Licht´, denn seine Liebe, seine Herzlichkeit dringt überall hin, bis in die entlegensten Gegenden und in die verstecktesten Ritze. Er ist nicht blau wie Aksobhya oder grün wie Amoghasiddhi, sondern rot, wie das Herz, wie das lodernde Feuer der Liebe – natürlich nicht dieser profanen geschlechtlichen Liebe, sondern wie das Feuer von Mettā, von wahrer, alle Wesen umfassender Liebe. Er sitzt ruhig da, in Meditation, seine Hände liegen in der dhyāna-mudrā3, von seinem Herzen strahlt warmes rotes Licht in alle Richtungen und erfüllt die Welt. Amitabha sitzt auf einem Thron aus Lotusblüten, die herrlichen Duft ausströmen, er herrscht über eine Welt names Sukhāvatī – das bedeutet `das Glückliche Land´ – und sein Lotusthron wird getragen von Pfauen, von denen man sagt, sie könnten giftige Schlangen vertilgen und deren Gift in Schönheit verwandeln. Seine Weisheit ist die `unterscheidende Weisheit´, die in der Lage ist das Gute vom Nichthilfreichen zu unterscheiden – und zwar auch in substilster Form.“
„Das würde mich befreien, von dem Nichthilfreichen, das
unterschwellig immer bei Abba mitschwang! Und es ist
hier wirklich Mettā, die im Mittelpunkt steht – das
ist wunderbar – das ist für mich so etwas wie die Figur, die die Mettā-Sangha
symbolisiert, mein großes Projekt!“
Er korrigierte sich gleich: „Das Projekt, das Amita und ich, das wir mit euer aller Unterstützung geschaffen haben. - SDM, ich danke dir von ganzem Herzen! Das ist genau die Figur, das Symbol des Göttlichen, des Transzendenten, das ich immer gesucht habe. Es ist für mich, als wäre der Stein der Weisen gefunden worden, als wäre Licht in die Dunkelheit gekommen, als hättest du, SDM, den Staub von meinen Augen gewischt, sodass ich gefunden habe, was zu finden war! Gefunden, wonach ich ein Leben lang suchte!“
„Wenn du möchtest, können wir uns hier hinsetzen und meditieren. Ich kenne die Sādhāna, die Visualisierungspraxis, mit der man Amitābha evoziert.“
Dann setzten sich die beiden Mönche in den Lotussitz, legten die Hände in der Dhyāna-Mudrā in ihren Schoß und SDM leitete die Meditation an, in der Yuz sein Herz öffnete und die Kraft Amitābhas empfing.
Für Yuz war von da an klar: Amitabha
sollte die zentrale Figur des Göttlichen für die Mettā-Sangha
sein, denn sie symbolisierte mehr als jede andere Figur reines Mettā.
Wenn er noch ein großes Ziel in seinem Leben hatte, dann den, Amitābha
als die zentrale Figur der Mettā-Sangha zu
implementieren.
Einige Tag später begab sich Yuz zu Yuva, der Bildhauerin und Holzschnitzerin, in ihre Werkstatt. Yuz sah sich die in Arbeit befindlichen Werkstücke an und war sehr zufrieden. Yuva gab gerade ihrer Auszubildenden einige Anweisungen, denn die junge Frau arbeitete hier erst seit einigen Monaten. Zwei männliche Mitarbeiter, einer auf Stein - einer auf Holz spezialisiert - arbeiteten schon seit vielen Jahren in der Werkstatt mit.
„Ich nehme an, du kommst nicht ohne ein besonderes
Anliegen“, sagte Yuva - und Yuz musste zugeben, dass
es ihm nicht in erster Linie darum ging, den Fortschritt der
Arbeiten zu betrachten:
„Du hast mich ertappt, Yuva, ich habe da eine große Bitte. Ich möchte eine neue große Rupa für den Hauptschrein – oder besser: einen der beiden Hauptschreine – im Steinernen Tempel. Und ich habe vor, ihn festlich bei der Tempelweihung zu übergeben, sofern ich das noch erlebe, was ich sehr hoffe, denn die Übergabe dieses Tempels soll ein letzter großer Höhepunkt in meinem langen Leben sein. Mir schwebt folgendes vor: ...“
Und dann beschrieb er die Figur, die Yuva schnitzen sollte - Amitabha - in allen Details, so wie sie ihm SDM zuvor erklärt hatte und wie er selbst sie visualisiert hatte.
„Und ich habe in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Bitte: Sprich nicht über irgendwelche Details mit irgendjemanden. Es wird sich zwar nicht vermeiden lassen, dass andere mitbekommen, dass du an einer weiteren Großfigur arbeitest, aber es sollten keine Einzelheiten durchsickern.“
„Aber der Rat der Mettā-Sangha...“, wollte Yuwa gerade zu bedenken geben.
Yuz lächelte sie an: „Auch der Rat ist nicht eingeweiht. Es soll doch eine Überraschung sein. Ich habe nicht einmal mit Amita darüber gesprochen!“
Yuva sah den heiligen Mann mit Verwunderung an, dann sagte sie verschmitzt lächeln: „Dann haben wir beide jetzt wohl ein kleines Geheimnis vor deiner Frau?“
Yuz wog den Kopf nach links und rechts, dann antwortete er: „Nicht nur vor Amita, es ist ein kleines Geheimnis, dass wir vor der gesamten Mettā-Sangha haben. Es soll schließlich ein Geheimnis sein und wird gewissermaßen den überraschenden Höhepunkt der Tempelweihung darstellen.“
„Wenn du meinst...“ antwortete Yuva - und war sich nicht ganz sicher, ob er da wohl geplant aus seiner tiefen Weisheit heraus sprach, oder ob der alte Mann nicht vielleicht doch ein wenig wunderlich geworden sei. Schließlich sagte sie bestimmt: „Von mir erfährt keiner ein Sterbenswörtchen!“
Yuz nickte ihr zu und wandte sich zum Gehen. Yuva konnte noch hören, wie er im Weggehen kicherte: „Kein Sterbenswörtchen das ist gut – und so passend: kein Sterbenswörtchen, hihi...“
Meditation zwischen Ekstase und Gelassenheit
Und jetzt schauen wir wieder einmal in den Unterricht - heute in den Unterricht der Studenten, also der männlichen Erwachsenen, die sich noch tiefer mit dem Dharma beschäftigen möchten. Einige von ihnen besuchen einen Kurs, der einmal wöchentlich nachmittags stattfindet und für den sie von der Arbeit freigestellt wurden. Die anderen waren hier als blaugekleidete Vollzeitstudenten, die sich darauf vorbereiteten, demnächst zum Kloster Weiße Wolke zu gehen, um dort ordiniert zu werden. Wir werden hier dem gleichen Thema begegnen wie bereits zweimal zuvor, dem Pfad zur Befreiung in 17 Schritten4.
Diesmal geht es um den mittleren Teil dieses Pfades, der insgesamt aus den drei Teilen Ethik, Meditation und Weisheit besteht. Dieser mittlere Teil, der sich mit Meditation beschäftigt, umfasst die Schritte:
7. Avippatisāra – Gewissensreinheit
Pāmojja – Freude
Pīti – Verzückung, Begeisterung, Ekstase
Passaddhi – Beruhigung
Sukha – Glückseligkeit
Samādhi – tiefe Meditation, Versenkung
Der Lehrer ist MDM, er wird unterstützt vom 36-jährigen Mönch Bhikkhu Dinesh. Bh. Dinesh beginnt, wie üblich, indem er bittet, dass einer der Studenten den bisherigen Stand kurz zusammenfasst.
Balu macht das: „Wir haben beim letzten Mal den ersten Teil dieses Pfades, der sich mit Ethik befasst hat, abgeschlossen. Wir haben gesehen, wie nötig es ist, unsere Sinnesorgane auf das Nützliche zu lenken und von allem das, was geeignet ist Gier, Hass und Verblendung erzeugen könnte, abzuwenden und statt dessen die ethischen Vorsätze zu üben. Je erfolgreicher wir darin sind, desto besser, denn dann sind wir bereit, in unserer Meditation wirkliche Fortschritte zu machen.“
Bhikkhu Dinesh war mit dieser knappen Zusammenfassung einverstanden: „Danke Balu, damit haben wir in der Tat die Basis gelegt für eine erfolgreiche Meditation. Und wer von uns hätte nicht schon das Gegenteil davon erfahren - nämlich wie lausig unsere Meditation ist, wenn wir unsere Sinnestore wieder einmal törichterweise für etwas geöffnet hatten, das zu Gier führt oder zu heftiger Abneigun? Oder auch wenn wir uns Vorwürfe machen mussten, dass unser ethisches Verhalten leider nicht so war, wie es eigentlich unseren Absichten entsprochen hätte. Haben wir aber andererseits unsere Sinnestore gehütet und unser ethisches Verhalten hat ein hohes Niveau erreicht, dann werden wir damit zufrieden sein, dann ist unser Gewissen rein. Und genau dieser entscheidende Punkt, avippatisāra, Gewissensreinheit, der ist es, der uns zur wirklichen Meditation verhilft, jenseits der Meditationshindernisse5. Gewissensreinheit ist also gewissermaßen die Schnittstelle zwischen Ethik und Meditation! Wir werden uns mit diesem Punkt nächste Woche ganz ausführlich befassen. Heute jedoch wollen wir uns zunächst mit einen gröberen Überblick über den mittleren Teil des Pfades zur Befreiung befassen, über den Teil, der sich mit Ethik befasst. Und damit gebe ich weiter an MDM.”
„Ja, vielen Dank, Balu und Bhikkhu Dinesh. Dieser mittlere Teil des Pfades ist etwas sehr Schönes, denn hier gewinnt unsere Meditation an Kraft. Wenn wir mit unserem Gewissen im Reinen sind, wenn wir daraus Selbstvertauen und Zuversicht gewinnen, dann steigt in uns Freude auf: Pāmojja. Wir fühlen uns wohl und sind mit uns im Reinen. Alles fließt jetzt, unsere Konzentration ist gefestigter und das wiederum stellen wir mit Freude fest. Dies führt zu so etwas wie einem Rückkopllungsefffekt: Wir bemerken Freude und freuen uns über die Freude, wir beginnen in der Freude zu schwelgen - das bedeutet, sie verstärkt sich. Aus der Freude wird jetzt Begeisterung - plötzlich scheint alles möglich. Die Begeisterung kann sich sogar bis zur Ekstase, zur Verzückung steigern, der Palibegriff hierfür ist Pīti.”
Chetan meldete sich und bekam das Wort erteilt: „Das klingt irgendwie unglaublich geil! Aber kann das denn Ziel der Meditation sein? Ich dachte immer, in Meditation geht es darum Ruhe und Gelassenheit zu entfalten!”
MDM nickte ihm zu: „Damit sprichst du etwas Wichtiges an - und die Antwort ist in deiner Frage eigentlich schon enthalten. Du hast gefragt: `Kann das denn Ziel der Meditation sein?´ und die Antwort ist ganz klar: Nein, denn wir sind ja noch nicht am Ende des Pfadabschnittes `Meditation´ auf dem Pfad zur Befreiung. Pīti ist ein wichtiger Schritt auf dem Pfad, aber eben nicht das Ziel. Es gibt sogar Meditationslehrer, die behaupten Pīti sei der `Feind der Meditation´. Das ist falsch! Pīti wird nur dann zum Feind der Meditation, wenn der oder die Meditierende alles daran setzt, hierbei zu verweilen, eben weil es so geil ist! Denn das wäre ja dann wieder Gier, und damit wären wir wieder in den Meditationshindernissen gefangen. Unser Umgang mit Freude und Verzückung muss ein anderer sein - keinesfalls ein gieriger. Wenn Freude aufkommt, nehmen wir das zur Kenntnis und genießen es. Wenn Verzückung, Pīti, auftritt, dann nehmen wir das auch zur Kenntnis und begrüßen es. Und wenn Pīti allmählich schwindet, dann nehmen wir auch das zur Kenntnis und begrüßen es. Wir versuchen eben nicht gierig an dem geilen Gefühl von Pīti festzuhalten, sondern lassen es weise los - und kommen so zum nächsten Schritt zu Passaddhi, zu Beruhigung. Der Überschwang von Verzückung ist vorbei, er hat sich gelegt. Aber die Empfindung von Freude ist unterschwellig immer noch vorhanden. Diese ruhige Zufriedenheit mit einer leichten Freude darüber, dass wir zufrieden sind, ist der Zustand, indem sich etwas aufbaut, was als Sukha bezeichnet wird, als Glückseligkeit. In diesem Zustand sind wir selig - wir haben ein Gefühl, wie es Götter oder Engel haben: eine ruhige, mit Freude unterlegte Zufriedenheit, welche diejenigen kennzeichnet, die man als `Selige´ bezeichnen kann. Und das wiederum ist die Grundlage für Samādhi: für völlig gesammelte Meditation. Wir sind beim Meditationsobjekt und bei nichts anderem, Ruhe, Zufriedenheit, glückliche Seligkeit sind dann der Hintergrund von dieser eigentlichen Meditation, von Meditation im engeren Sinne, eben von Samadhi.“
Amal fragte: „Das ist aber noch nicht das, was wir als Erwachen bezeichnen?“
„Nein, Amal“, erklärte Bhikkhu Dinesh, „du hast recht, das ist noch nicht Erwachen, das ist noch nicht Befreiung, denn die erreichen wir erst durch den dritten Teil des Pfades zur Befreiung. Aber Samadhi ist etwas, das wir auch anstreben - als Mittel zum Zweck, als Mittel zur Erreichen der Befreiung. Und dieses Mittel zum Zweck, das ist wahre, tiefe Meditation in vollkommener Absorbiertheit, das ist Samadhi!
Soweit unser kleiner Abstecher zu den Studenten.
Yuz selbst wandte sich inzwischen in seiner Meditation und auch mit seinen Gebeten an Amitābha, und er berichtete auch im Spirituellen Rat der Mettā-Sangha davon.
„Ich habe mich inzwischen ganz von Abba als meiner persönlichen Projektion auf das Transzendente gelöst, aber ich halte es nach wie vor für ganz wichtig, sich dieses Transzendente, dieses Spirituelle, als eine – gedachte – Person vorzustellen, an die ich mich wenden kann, so wie du das auch machst, Amita, mit der Grünen Tara.“
Die Angesprochene bestätigte das: „Für mich ist die Grüne Tara die eindeutig wichtigste Projektionsfläche für das, was Karuna, Barmherzigkeit, ausmacht.“
Bhikkhunī Maria sprang ihrem Vater bei: „So sehr ich, wie du auch, Amita, die Grüne Tara schätze und verehre, die grundlegende Emotion aller vier Göttlichen Weilungen ist eindeutig Mettā, ist Allgüte, alles umfassende Liebe. Natürlich: wenn wir mit Mettā einer leidenden Person begegnen, entsteht Karuna, die Emotion, für die die Grüne Tara steht. Wenn wir mit Mettā einer glücklichen Person begegnen, entsteht Mudita, Mitfreude. Und wenn wir das Schicksal einer beliebigen Person mit tiefem Verständnis des Karma-Gesetzes betrachten, entsteht Upekkhā. Aber die grundlegende positive Emotion ist - und bleibt - Mettā. Daher heißen wir die Mettā-Sangha, und von daher sollte Amitābha schon eine besonders herausgehobene Position in unserer Sangha haben.
MDM sagte: „Für mich steht der Buddha eindeutig im Mittelpunkt. Er hat den Dharma, so wie wir ihn praktizieren, in den Mittelpunkt gestellt. Amitābha als Symbol der Liebe ist für mich genauso ein wichtiger Aspekt wie Amoghasiddhi, der die Furchtlosigkeit gibt, und Aksobhya, der für Unerschütterlichkeit in der Praxis steht.“
Yuz dachte laut nach: „Der Dharma, die wirklichkeitsgetreue Lehre von der Wirklichkeit, kann für mich nur schwer in einer Person wie dem Buddha verkörpert werden. Denn wenn er im Nirwana ist, also als Person nicht mehr existiert, kann er niemand sein, an den ich mich im Gebet wenden kann. Die bildliche Darstellung einer Gottheit muss für mich – und wie ich weiß für viele andere auch – aber außerdem noch für so etwas wie Gnade stehen. Das sind zwei wichtige Aspekte, die unsere Meditationsfiguren noch abdecken müssen.“
Jetzt ergriff Bhikkhunī Manisha das Wort: „Wir stellen also fest, dass inzwischen für uns alle diese Figuren für die Meditation - und/oder fürs Gebet - wichtig sind. Es gibt außerdem mindestens bei Yuz das Gefühl, dass das Mandala solcher Figuren unvollständig ist. Vielleicht denken wir alle einmal darüber nach und besprechen das, wann immer jemand dazu eine Idee hat, weiter.“
„Für meine Bedürfnisse reicht die Grüne Tara“, sagte Amita.
„Und für die Bedürfnisse der anderen, können Yuz und andere sich ja weiter Gedanken machen, wir können das in Zweiergesprächen erörtern und dann weiterentwickeln und kommen vielleicht irgendwann zu einer gemeinsamen Position hier im Spirituellen Rat.“
„Das ist eine gute Strategie“, beendete SDM diese Diskussion, „Ich habe da aber noch etwas, das wir heute lösen müssten, nämlich bezüglich der morgigen Uposatha-Feier.“
Bhikkhunī Manisha hatte an diesem Tag mit der Verwendung des Begriffs „Mandala“ die Basis gelegt, für etwas, das später als „Mandala der fünf Jinas“ bekannt wurde und noch heute als solches bezeichnet wird.
Fußnoten
1 Barmherzigkeit (mitfühlende Liebe) ist ein zentraler Aspekt im Christentum und im Buddhismus; „Gott ist mitfühlende Liebe“ (= Deus caritas est) hat übrigens auch Papst Benedikt seine erste Enzyklika genannt, die er zu Weihnachten 2005 veröffentlichte, gewissermaßen als die Weihnachtsbotschaft Jesu.
2 Der Satz „Fürchtet euch nicht!“ findet sich in der Bibel 124 Mal (Quelle: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/glaube/predigt-morgenfeier-f%C3%BCrchtet-euch-nicht). Besonders häufig ist der Satz im Neuen Testament zu finden, 13 Mal in der Mehrzahl („Fürchtet euch nicht!“) und ebenso 13 Mal in der Einzahl („Fürchte dich nicht!“)
3 Die Dhyāna-Mudrā ist die Meditationsgeste, beide Hände liegen im Schoß, nach oben geöffnet, eine auf der anderen, die Daumen berühren sich.
4 Der gesamte Pfad der Befreiung mit allen 17 Stufen findet sich am Ende von Kapitel 16.
5 Als Meditationshindernisse gelten: (1) Begehren von Sinneseindrücken, (2) Abneigung. (3) Unruhe und Besorgtheit, (4) Trägheit und Stumpfheit sowie (5) Zweifel und Unschlüssigkeit. Näheres darüber und wie man sie bekämpft u.a. in Horst Gunkel: Meditation und buddhistische Ethik
Erläuterungen
Abba – Wenn Jesus Gott anbetete, verwendete er dieses aramäische Wort für „Vater“. Er nahm nicht die Anrede JHWH, die im Tenach verwendet wurde. Während JHWH den alttestamentarischen strengen Gott, der ursprünglich der Kriegsgott der Juden war, bezeichnet, interpretiert Jesus das Göttliche neu und sieht darin eine milde, verständnisvolle und unterstützende Vaterfigur.
Akṣobhya – einer der fünf Buddhas im Mandala der fünf Jinas (Buddhas), indem wir das, was Buddhaschaft ausmacht in ihren wichtigsten fünf Teilaspekten darstellen. Akṣobhya („Der Unerschütterliche“) wird dabei als blauer Buddha dargestellt, der für Unerschütterlichkeit steht. Er wird mit der Erdberührungsgeste dargestellt (die rechte Hand berührt die Erde), was daran erinnert, dass der spätere Buddha kurz vor seiner Erleuchtung Mutter Erde als Zeugin für seinen rechten Wandel berief.
Ambrosia - ist altgriechisch (ἀμβροσία) und heißt „Speise der Götter“, sie ist das, was laut Homer die Götter unsterblich macht. Als wissenschaftlicher Name bezeichnet es heute das Traubenkraut, das stark Allergie auslösend ist.
Amitābha – ein nicht-historischer Buddha, häufig wird der historische Buddha zu Meditationszwecken in fünf verschiedene Figuren aufgespalten, um einzelne Aspekte von Buddhaschaft zu betonen, hierbei steht Amitabha für mettā (allumfassende Liebe) und Gnade. Amitabha ist auch einer der fünf jinas, der im Osten des Mandalas der fünf Jinas dargestellt wird.
Amoghasiddhi – ein nicht-historischer Buddha, ein Archetyp, der im Mandala der fünf jinas im Norden dargestellt wird. Seine Hautfarbe ist grün, er gehört zur Karma-Familie, sein Name bedeutet „vollständiges Gelingen“ und er wird üblicherweise mit der Geste der Furchtlosigkeit dargestellt.
Archetypen - bezeichnen in der Psychologie seit C. G. Jung die dem kollektiven Unbewussten zugehörigen Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster, z. B. der jugendliche Held, der Schatten (die negativen Aspekte des Selbst), oder die anima (die weiblichen Anteile im Mann) resp. der animus (männliche Anteile der Frau)
Bhārat Gaṇarājya – (Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien
Bodhisattva – Figur im Mahāyāna-Buddhismus. Bodhisattvas sind Wesen, die Erleuchtung nicht nur für sich selbst anstreben, sondern zum Wohl aller Wesen. (Im Theravāda wird das Wort nur für den späteren Buddha vor seiner Erleuchtung verwendet.)
Buddha – wörtlich: Erwachte/r; eine
Person, die das Ziel des Buddhismus erreicht hat und damit
befreit ist von den Fesseln des Ichglaubens.
Brahmanismus – indische Religion, in der
(u.a.) einen Brahman (Gott) verehrt wird. DerB.heute als
Hinduismus bezeichnet.
Cherubim - sind Engel, sie sind Repräsentanten sowohl der Kraft JHWHs in der Schöpfung als auch der Regierung Gottes. Sie wurden in den Garten Eden gesetzt, um den Baum des Lebens nach dem Sündenfall zu bewachen (1. Mo 3,24)
Dekalog – (altgriechisch: δεκάλογος dekálogos) die Zehn Gebote
Dhyāna-Mudra - Geste der Meditation (zwei ineinanderliegende Hände)
Dharma – hier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des Buddha. Das Wort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz, Wissenschaft, Lehre.
Erwachen – andere spirituelle Traditionen sprechen von Erleuchtung, im Buddhismus verwenden wir besser den Ausdruck „Erwachen“ fürdas, was der Buddha erreicht hat. Während unter „Erleuchtung“ jeder etwas anderes verstehen kann,beschreibt „Erwachen“ das spezifisch Buddhistische, die Tatsache, dass die erwachte Person die drei Wesensmerkmale Leidhaftigkeit, Vergänglichkeit und Ichlosigkeit völlig verwirklicht hat. Es ist für die erwachte Person so, als seialles, was vorher war, so absurd und unlogisch wie ein Traum, daher der Ausdruck „Erwachen“.
Erwachter – die deutsche Übersetzung von “Buddha”
Grüne Tārā – Bodhisattva, die für grenzenloses Mitgefühl zu allen Wesen steht. Sie wird immer sitzend dargestellt, im Begriff aufzustehen, um den leidenden Wesen aktiv zu helfen, ihre rechte Hand zeigt die Geste der Wunschgewährung. Sie hat grüne Haut, denn sie gehört zu einer Gruppe von grünen Wesen, genannt die Karmafamilie. Neben der Grünen Tārā gibt es noch 20 weitere Tārās, die Grüne Tārā ist aber die bekannteste davon. Ihr Bild ziert unseren Meditationsraum in Gelnhausen.
JHWH – ist der Eigenname des Gottes im Tanach. Da es in der hebräischen Schrift keine Vokale gibt enthält er keine Konsonanten. Ausgesprochen wird er Jahwe, oder auch Jehova.
Jinas, fünf – Jina heißt Sieger; im Buddhismus ist Sieger, wer die Vollkommenheit, Buddhaschaft, Nirwana, erreicht hat. Im Mandala der fünf Jinas werden fünf archetypische Figuren gezeigt, die für Eigenschaften der Vollendung und verschiedene Weisheitsaspekte stehen
Karma – im Buddhismus jede absichtlich ausgeführte Handlung. Es wird davon ausgegangen, dass Handlungen Folgen haben, die (auch) auf den Verursacher zurückwirken.
Karunā = Mitgefühl - das Gefühl, wenn Mettā auf ein leidendes Wesen trifft. Es ist etymologisch verwandt mit caritas (lat.: Barmherzigkeit) und mit to care (engl.: sich kümmern um).
Mahāsāṅghika – (Große Gemeinde) Name einer frühen Schulrichtung des Buddhismus. Sie entstand 137 Jahre nach dem Tod (Eingang ins Nirwana) des Buddha, kurz nach dem zweiten Konzil von Vaiśālī. Hiermit hat sich gewissermaßen die spätere Spaltung in Theravada und Mahayana angekündigt.
Maṇḍala – Wörtlich: Kreis; ein geometrisches Schaubild, das in Hinduismus und Buddhismus eine Bedeutung hat. Es ist meist quadratisch mit einem Objekt in der Mitte, das zentrale Bedeutung hat. Im Maṇḍala der fünf Jinas wird im Mittelpunkt eine Figur gezeigt, die die Eigenschaften der vier anderen Figuren umfasst.
Mettā – (Pali) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind
Mettā Bhāvanā – Meditation zur Schaffung von Bedingungen damit mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen.
Mettā-Orden – Orden der Mönche und Nonnen der Mettā-Sangha
Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft
Muditā – Mitfreude
Nirwana – (auf sanskrit: nirvāṇa bzw. auf Pāḷi: nibbāna) Ziel des Buddhismus, das Wort bedeutet „verwehen“ oder Nicht-Wahn
Rūpa – Form, Körper, auch die Bezeichnung für eine Buddhafigur
Pāmojja - „Freude“, achte der 17 Stufeen
Pīti – „Verzückung, Begeisterung, Ekstase“, viertes (nach dem Sanskrit-Kanon: neuntes) upanisā, pīti ist auch einer der Vertiefungsfaktoren in den ersten beiden jhānas.
Sabbath - jiddisch Schabbes ist im Judentum der siebte Wochentag, ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll. Seine Einhaltung ist eines der Zehn Gebote. Er beginnt am Vorabend und dauert von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstag, denn im jüdischen Kalender dauert der Tag vom Vorabend bis zum Abend des Tages – nicht von 0 bis 24 Uhr. Dies ist abgeleitet aus dem Schöpfungsbericht, dort heißt es „und es war Abend und es war Morgen, ein Tag“.
Sangha – spirituelle Gemeinschaft, hier besonders für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nur Erleuchtete.
Seraphim (Singular: der Seraph) sind Engel, die in den Lehren von Judentum, Christentum undIslam von Gott erschaffen wurden und ihm untergeordnet sind. In der Berufungsvision des Jesaja (Jes 6,1–7) werden solche Mischwesen, die zum Hofstaat JHWHs gehören, als Seraphim bezeichnet. Die Tradition weist ihnen den fünften Rang in der Hierarchie der Engel des Judntums und gemeinsam mit den Cherubim und Thronen den ersten in der Ordnung der neun Chöre der Engel des Christentums zu. Im Islam werden Seraphim nur selten erwähnt, finden aber Referenz als Engel im „höchsten Rat“, die über die Erschaffung des Menschen diskutieren und zu denen manche Berichte auch Gabriel, Raphael und Iblis (Satan) zählen.
Tanach - oder Tenach (hebr. תנ״ך TNK) ist eine von mehreren Bezeichnungen für die Hebräische Bibel, die Sammlung der heiligen Schriften des Judentums er enthält unter anderem die Tora (Weisung). Das Christentum hat alle Bücher des Tanach - etwas anders geordnet – übernommen. Sie sind das Alte Testament.
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