Horst Gunkel: Die Jesus-Trilogie - Band 3: Jesus - die Jahre 34 - 96 - Kapitel 6 letztmals bearbeitet am 03.02.2026
Die fett und kursiv gedruckten Begriffe sind am Ende der
Seite erläutert.
Beachte auch die Fußnoten, die kann man anklicken.
6
- Die Uposatha-Veranstaltung
Am
nächsten
Uposatha
wurde zunächst die Metta
Bhāvanā
gelehrt.
Anschließend ging es um eine ganz wichtige Qualität,
nämlich die Achtsamkeit, also um die Tatsache, immer
voll und ganz bei dem zu sein, was man gerade macht.
Hierzu hielt Amita
einen Vortrag mit zahlreichen Beispielen.
Anschließend führte Yuz in eine Meditation der Atembetrachtung ein. Auch diese hatte verschiedene Phasen, wodurch man von einer zunächst noch gröberen Achtsamkeit, die durch das Zählen der Atemzüge gestützt wurde, allmählich zu einer immer verfeinerteren Achtsamkeit geführt wurde. In der vierten (und letzten) Phase sollte man sich nur noch auf die Empfindungen an einem einzigen kleinen Punkt konzentrieren, bei dem man den Atem spürt.
Danach
wurde
diese Meditation gemeinsam eingeübt, anschließend gab
es wieder eine gemeinsame Gesprächsrunde, in der vor
allem Probleme bei der Meditation angesprochen wurden.
Schließlich fasste Amita,
das Ergebnis zusammen: „Wir haben also gesehen, dass
es unterschiedlichste Probleme gibt, die in der
Meditation auftauchen, aber man kann sie sehr klar
einteilen in fünf Gruppen von Hindernissen, nämlich
(1.)
Begehren,
(2.)
Abneigung,
(3.)
Trägheit und Schlaffheit,
(4.)
Unruhe und Besorgtheit und
(5.)
Unentschlossenheit und mangelnde Disziplin.
„Wir haben auch verschiedene Wege kennengelernt, wie wir mit den Hindernissen umgehen können. Natürlich werden wir immer wieder mit Schwierigkeiten in unserer Meditation zu kämpfen haben. Dann ist es wichtig, einen Ansprechpartner zu haben.”
„Ich werde daher vom nächsten Uposatha an vormittags - also wenn viele von euch mit Yuz bei den Bauarbeiten sind - hier eine Sprechstunde abhalten.” Amita zeigte dabei auf die Bank der Kṣatriyas. „Dazu sitze ich auf der Bank, auf der jetzt Sita sitzt. Wer zu meiner Sprechstunde kommen will, kommt einfach zu mir. Wenn ich schon mit jemandem anderen spreche, wartet ihr dort an dem Bäumchen bis ihr dran seid. Ihr braucht euch nicht zu schämen, wenn eure Meditation nicht so läuft, wie ihr euch das wünscht. Kommt einfach in meine Sprechstunde, ich bin für euch da!”
Naturgemäß
freuten
sich viele der Zuhörerinnen und Zuhörer darüber. In
der vorangegangenen Besprechung hatten sich doch
einige geniert, vor allen Anderen das anzusprechen,
was bei ihnen in der Meditation nicht gut lief.
Außerdem verfolgte Amita mit dieser Ansage noch einen zweiten Zweck. Diese Bank, die während der Versammlungen nur von den Kṣatriyas genutzt wurde - und um die die einfachen Leute auch sonst eher einen großen Bogen machten -, wurde jetzt (jedenfalls vormittags) auch von Amita genutzt.
Und, was noch viel wichtiger war: die einfachen Leute, die zu ihrer Sprechstunde kamen, wurden von Amita aufgefordert, sich neben sie zu setzen. Die Bank verwandelte sich also von einem Symbol eines Klassen- oder Kastensystems zu einem Objekt mit Allgemeinnutzen und der Begegnung.
Der Teil des Uposatha aber, auf den sich alle am meisten freuten, war das Ritual am Ende: die Puja mit dem abschließend von Amita vorgesungenen Metta Sutta. Doch zur allgemeinen Überraschung wurde während der Puja vor diesem Lied noch ein weiterer Punkt eingeflochten, den Amita erklärte:
„Liebe Sangha-Mitglieder, viele von euch sind sicher noch skeptisch, wohin das hier alles führen mag. Wie ihr wisst, war Yuz früher Mönch und ich war Nonne, wir haben uns zum Buddha, zum Dharma und zum Sangha bekannt. Das nennt man die dreifache Zufluchtnahme. Man muss aber nicht Mönch oder Nonne werden, um Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha nehmen zu können. Wer fest davon überzeugt ist, dass das für ihn oder sie der richtige Weg ist, kann das in einem feierlichen Ritual tun.”
Sie kündigte feierlich an: „Heute werden das drei junge Menschen machen. Wenn auch ihr Zuflucht nehmen wollt - wann auch immer: nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr oder wann auch immer - sprecht mich an – irgendwann, irgendwo, wir regeln das!”
„Heute haben wir also diese erste Zufluchtszeremonie”, erklärte sie und zeigte auf einen speziellen kleinen Sandkasten, der auf einem Tisch stand - mit einer von Yuz geschnitzten Buddha-Figur darin.
„In diesen Sandkasten werden die drei jungen Leute, Raj, Sunay und Shanti, ihre brennenden Holzspäne stecken, nachdem sie die dreifache Zufluchtnahme gesprochen haben. Raj, Sunay und Shanti tretet bitte nach vorn.”
Diese taten das, dann sprach Amita immer eine Zeile vor und die anderen sprachen es nach:
Buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi1
Dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Saṅghaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Dutiyampi buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Dutiyampi dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Dutiyampi saṅghaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Tatiyampi buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Tatiyampi dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Tatiyampi saṅghaṃ saraṇaṃ gacchāmi
Anschließend
umarmten
Amita
und Yuz
jedes der drei Kinder - unter großem Beifall.
Die Versammlung rief laut und kräftig: „ Sadhu! Sadhu! Sadhu!”2, so wie sie das von Yuz gelernt hatten
Diese erweiterte Puja fand noch größeren Anklang bei den Teilnehmern als die normale. In den nächsten Tagen war das wichtigste Gesprächsthema in der Sangha: Möchtest du auch Zuflucht nehmen? Sollte ich Zuflucht nehmen? Und viele Leute sprachen Amita darauf an und berieten sich mir ihr.
Tatsächlich
fanden
in den nächsten Wochen weitere Zufluchtnahmen
statt. Amita
lenkte dies so, das meist nur zwei oder maximal drei
Zufluchtnahmen an einem Uposatha
erfolgten. Die ersten beiden Erwachsenen, die Zuflucht
nahmen waren Sita
und Ajala.
Zwar hatten sich als erste schon beim Kolloquium Sita
und Jagan
angemeldet, doch Amita
wollte vermeiden, dass zunächst alle Kṣatriyas
das täten, das würde nur die Kastenschranke
bestätigen.
Mit Ajala war jetzt neben einer Kṣatriya auch eine Śūdra zur Dharmamitta geworden. In der Woche darauf folgten dann Jagan und Anup. Und auch in den nächsten Wochen gab es immer Dharmamitta-Zeremonien.
Yuz und Amita - die Rollenverteilung
Allerdings hatte sich Yuz schon bei der ersten dieser Zeremonien, als die drei Kinder Dharmamittas wurden, unwohl gefühlt und das auch auf dem Heimweg Amita kommuniziert: „Ich fühle mich zunehmend fehl am Platz, Amita, ich bin hierher gekommen, um mit anderen spirituell zu praktizieren. Für mich ist das Gespräch mit Abba, das Gebet zu Abba, am wichtigsten. Das findet hier gar nicht statt. Ein unbeteiligter Beobachter würde unsere heutige Veranstaltung so beschreiben: `Es war eine buddhistische Ritualfeier, geleitet von einer Priesterin. Es wurden auch drei neue Gemeindemitglieder aufgenommen. Die Priesterin wurde bei ihrer Puja gelegentlich von einem Gehilfen unterstützt, einem Ausländer.´”
Amita schwieg eine zeitlang nachdenklich, dann sagte sie: „Ich sehe in dem, was du sagst, zweierlei, Yuz. Das eine ist, dass dir Elemente des Gebets in unserer Feier fehlen. Das andere ist deine verletzte männliche Eitelkeit. In Galiläa warst du der Star - hier nicht. Aber wo immer du deine frühere Rolle des einsamen Kämpfers gespielt hast - sei es in deinem ersten Kloster in Puruschapura, sei es als Kämpfer gegen das Kastensystem in Pataliputra oder auch bei den Zoroastern und in Galiläa - immer hat das zum Scheitern geführt. Oft ging es dir sogar an den Kragen. Ich möchte mein Leben nicht mit einem Mann teilen, der ständig Kopf und Kragen riskiert. Ich möchte noch viele Jahrzehnte mit dir zusammenleben. Du hast recht: Momentan stehe ich etwas mehr im Mittelpunkt, aber das wird sich schon bald wieder ändern.”
Yuz schüttelte irritiert den Kopf: „Wieso sollte sich das ändern?”
„Weil sich naturgemäß meine Prioritäten in den nächsten Monaten ändern werden.”
„Das verstehe ich nicht.”
Dann legte Amita seine Hand auf ihren Bauch.
„Heißt das, du bist
schwanger?”, fragte Yuz zaudernd.
„Ich bin nicht sicher, aber ich vermute es”, antwortete Amita mit einem zaghaften Lächeln. „Meine Regel ist seit zehn Tagen überfällig. Und ich fühle mich irgendwie anders. Ich glaube, die `heilige Familie´ bekommt Zuwachs.”
Für
den
Rest des Tages war die Besprechung ihrer
Rollenverteilung in der Sangha
kein Thema mehr, anderes stand jetzt im Mittelpunkt.
Am
nächsten
Tag aber brachte Amita
wieder das Gespräch darauf: „Für dich scheint das Gebet
eine sehr große Rolle zu spielen. Das geht vermutlich
nicht nur dir so. In ganz Bhārat
Gaṇarājya
beten die Menschen zu
Göttern und opfern ihnen. Als Kind in einer Familie
die dem Brahmanismus
folgte, war für mich das Gebet auch wichtig.
Sie erinnerte sich: „Als ich dann dich kennenlernte und von dir nahe dem Kloster Weiße Wolke unterrichtet wurde, fand ich es befreiend, endlich eine intellektuell anspruchsvollere Möglichkeit gefunden zu haben, meinen spirituellen Bedürfnissen nachzugehen. Für Gebet war dann zunächst kein Platz mehr. Aber ich stellte allmählich fest, dass ein solches Bedürfnis durchaus auch in mir vorhanden war. Die Oberin in meinem Kloster sagte allerdings, das sei ein Zeichen von Unreife. Zum Buddha kann man eigentlich nicht beten, weil er im Nirwana ist, also unerreichbar. Ich glaube nicht an einen Schöpfergott, wie du weißt. Aber ich denke, dass solche Projektionen unseres Geistes - wie es bei dir dein Abba - durchaus hilfreich sein können.”
„Daher betest du zu deinem Stern?”, fragte Yuz. „Wie passt das in dein buddhistisches Weltbild?”
„Der Buddha lehrt, dass wir uns entwickeln können”, erklärte Amita. Die nächste Stufe, die man erreichen kann - und die alle Mönche und Nonnen in diesem Leben zu erreichen versuchen - ist der `Stromeintritt´. Ein `Stromeingetretener´ ist jemand, der so weit entwickelt ist, dass es sicher ist, dass er in relativ kurzer Zeit – der Buddha sagt in maximal sieben Leben – zum Nirwana kommt.”
Yuz übernahm und doziert weiter: „Ja, und dazwischen gibt es noch zwei weitere Stufen, den Einmalwiederkehrer, der nur noch einmal geboren wird, und den Nichtwiederkehrer, der gar nicht wieder auf dieser Welt geboren wird, sondern in einer Art himmlicher Sphäre erscheint und dann ins Nirwana eingeht. So hat es der Buddha gelehrt.”
„Soweit die Theorie, Yuz,
und jetzt zur Praxis. Was glaubst du, wo du in diesem
Modell bist?”, fragte Amita ihren Mann.
„Ich bin mir nicht sicher, dass dieses Modell hilfreich ist”, antwortete Yuz. „Und ich verstehe mich auch eigentlich nicht als Buddhisten.”
„Trotzdem”, drängte Amita. „Einmal angenommen, es stimmt, wo glaubst du, wo du bist?”
„Also ich bin von klein auf auf dem spirituellen Pfad gewesen, demnach wäre ich mindestens ein Stromeingetretener. Vielleicht ein Einmalwiederkehrer. Vielleicht war das eine Mal, dass ich wiedergekehrt bin, auch meine Kreuzigung?”
„Ich denke, man darf diese
Einteilung nicht so dogmatisch sehen, Yuz,”
erwiderte Amita.
„Außerdem:
warum soll jemand, der fähig ist, aus dem Rad der
Geburten auszusteigen, nicht wiederkehren können? Wenn
es doch so ist, dass wir um so freundlicher, um so
hilfsbereiter sind, je weiter wir uns entwickeln - warum
soll dann ein sehr hoch entwickeltes Wesen, eine Buddha,
eine völlig Erwachter,
nicht sagen können: `Ich verweile hier, um den anderen
Wesen zu helfen?´”
Amita untermauerte ihre These noch weiter: „Wir beide sind hier und tun das, was wir tun, um anderen Menschen zu helfen sich spirituell zu entwickeln. Wenn du die Wahl hättest, dich gewisssermaßen ins Nichts aufzulösen oder hier weiterzuwirken, was würdest du tun? Also ich für meinen Teil denke, dass wir hier sehr gute Arbeit leisten und ich möchte das weiter tun, aber nicht weil ich es möchte, nicht aus Gier, sondern um anderen zu helfen.”
Yuz war etwas konsterniert: „Moment mal, Amita, das klingt ja fast wie eine Kritik am Buddha! Der ist ins Nirwana ` abgehauen´, obwohl er auf Erden noch viel Gutes hätte bewirken können, als wäre es egoistisch vom Buddha gewesen, ins Nirwana einzugehen.”
„Mir geht es nicht um eine Bewertung des Buddha, Yuz”, klärte Amita. „Mir geht es auch nicht darum, ob mir jemand vorwerfen könne, ich würde den Buddha bewerten. Ich stelle mir vielmehr die Frage: Wenn ich eine Einmalwiederkehrerin wäre - würde ich nicht noch einmal und noch einmal wiederkehren wollen, nicht wegen meiner eigenen Bedürfnisse, sondern um anderen Wesen zu helfen? Und wenn ich ein Nichtwiederkehrer wäre, also so eine Art Geist, würde ich dann nicht versuchen, den Menschen zu helfen?”
„Ach so, Amita, du meinst so ähnlich wie der Dämon, der in Sita war, nur eben im Positiven?”
„Nicht ganz”, korrigierte Amita. „Der Dämon hat sie ja besessen, so dass sie keinen eigenen Willen hatte. Ich meine es mehr so, dass dieser `Geist´ den positiven Willen unterstützt. Ich gebe dir einmal ein Beispiel. Stell dir vor ich wäre so eine Nichtwiederkehrerin und würde Menschen helfen wollen. Jetzt ist da ein Mensch, der in seiner Not bittet: `Abba hilf mir!´ Dann würde ich versuchen, mit seinem Geist Kontakt aufzunehmen. Wenn dieser Kontakt stattfindet hält mich dieser Mensch für Abba, er redet mich so an, und ich helfe ihm!”
„Das bedeutet”, überlegte Yuz, wenn ich mich an Abba wende und glaube eine Antwort zu bekommen - dann könnte das in Wirklichkeit ein Nichtwiederkehrer sein?
„Warum denn nicht?”, ihr Gesicht strahlte vor Begeistereung: „Oder denke an Ajala, sie hat sich in ihrer Not an den Buddha gewendet, weil ihr keine andere passende Adresse eingefallen ist. Und irgendeine Kraft hat dafür gesorgt, dass du zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort warst. Und ich kam dann auch noch dazu. Und heute haben wir hier die Metta-Sangha.”
Yuz räumte ein: „Das ist eine gute Theorie - vielleicht hilfreicher, als das was die Juden, die Jains, die Brahmanen und die Theravadins sagen. Jetzt sag mir noch, was hat das mit deinem Stern zu tun, diesem Mitternachtsstern?”
„Du betest zu Abba, vermutlich weil du durch deine Sozialisation dazu gebracht wurdest, auf diese Weise Hilfe zu suchen”, erklärte Amita. „Du hast den Kriegsgott JHWH durch den gütigen Abba ersetzt, vertraust aber weiter auf die Hilfe des Gebets.”
„Ja, richtig, Amita.”
Sie fügte hinzu: „Ich wurde in der Weise sozialisiert, dass man sich an eine der hinduistischen Gottheiten wendet, da gibt es ja eine ganze Reihe. Diese Projektionen fand ich aber nicht hilfreich - daher habe ich sie durch Tara3 ersetzt.”
„Das klingt interessant, Amita,
wofür steht diese Figur?”, fragte Yuz interessiert.
„Ich weiß nicht, welche Bedeutung die Sternengöttin Tara früher für die Hindus hatte”, gesteht Amita ein. „Ich habe einfach meine eigenen Projektionen in diese Figur gesteckt.4 Sie steht für den Aspekt von Karuna - von Mitgefühl - also das, was entsteht wenn Metta auf ein leidendes Wesen trifft. Ich stelle sie mir in Meditationshaltung sitzend vor, ungefähr wie der Buddha. Allerdings ist ihr rechtes Bein nach vorn gestreckt - gerade so, als wollte sie aufstehen und jemandem zu Hilfe eilen, der ihrer Hilfe bedarf. Ihre rechte Hand zeigt die Geste der Wunschgewährung - auch das drückt aus, dass sie jemandem helfen will. Sie hat langes schwarzes Haar. Mit ihrer linken Hand zeigt sie eine buddhistische Geste: zwei Finger bilden einen Kreis, was das Rad der Lehre, das Dhamma-Cakra, darstellt. Die übrigen drei Finger zeigen nach oben, was die drei Juwelen symbolisiert: Buddha, Dharma, Sangha.”
Dann fügte sie noch hinzu: „Sie ist sehr jung - ungefähr so alt wie ich damals war, als wir zusammen nach Bodh Gaya gegangen sind.”
„Ich hoffe, sie hat etwas
mehr an als du damals, als ich dich beim Bad im Bach
überrascht habe”, scherzte Yuz.
„Sie trägt einen leichten
dünnen Rock,” antwortete Amita lächelnd.
„Sonst nichts?”, fragte Yuz
neugierig.
„Sie soll ja hübsch aussehen”,
erklärte Amita. „Ich
will mich ja mit ihr identifizieren können.”
„Ich bin nicht sicher, ob ein solches Bild mich nicht auf wenig hilfreiche Weise ablenken könnte, Amita...”
„He, Yuz, ich mache dir keinen Vorschlag, wie du meditieren oder beten sollst, sondern ich beschreibe, was für mich hilfreich ist.”
„Und die Hautfarbe?”, fragte Yuz jetzt nach. „Ist sie eher blass, wie bei den Kṣatriyas, oder eher dunkel, wie bei den Dalits?”
„Ihre Haut ist grün.”
„Kein Mensch hat grüne Haut!”
entrüsteste sich Yuz.
„Gerade darum, Yuz, gerade darum!”, erklärte sie ihm. „Ich will mir deutlich machen, dass das kein Mensch ist. Ich will mir immer verdeutlichen, dass dies eine Projektion meines Geistes ist. Außerdem ist grün schön! Es ist die Farbe des Waldes, die Farbe der Natur, die Farbe des Frühlings - des aufkeimenden Lebens! Grün ist die Hoffnung! Und grün ist meine Lieblingsfarbe.”
Yuz überlegte: „Dann wäre es also durchaus legitim, wenn jemand anderes sich eine Projektion von einer Person mit roter, gelber, blauer, tiefschwarzer oder schneeweißer Haut machen würde.”
„Selbstverständlich Yuz”, bestätigte Amita. „Und wenn sich jemand eine Person mit einem Elefantenkopf wie Ganeesh vorstellt, ist das auch in Ordnung.”
„Ich habe mir bisher gar kein
Bild von Abba
gemacht,” gesteht sich Yuz jetzt ein.
„Das ist auch völlig in
Ordnung”,
beruhigte ihn Amita. „Genau
so wie es in Ordnung wäre, wenn du dir eine weiße Taube
mit einem Ölzeig im Mund vorstellen würdest oder einen
brennenden Dornbusch. Es muss nur für dich
funktionieren.”
Sie erklärte ihrem Lebensgefährten: „Ich nenne das visuelle Meditation oder Visualisierung. Und wenn ich mir vor meinem geistigen Auge Tara vorstelle, dann öffnet sich mein Herz sofort - und es steigt Mitgefühl in mir auf. Und das ist auch die Motivation, die mich antreibt. Sie hat mich schon angetrieben, als ich zum ersten Mal zum Kloster Weiße Wolke kam, sie hat mich angetrieben, als wir nach Bodh Gaya gingen. Sie hat mich im Kloster angetrieben. Sie hat mich angetrieben, als ich dort fortging, um dich wiederzufinden - und in dir einen kongenialen Partner zu finden. Und auch jetzt, wo wir die Metta-Sangha aufbauen, treibt sie mich an!”
„Und sie wird dich bei der
Erziehung unserer Kinder antreiben!”, sagte Yuz mit
einem Lächeln.
„Die ich mit dir gemeinsam aufziehen will, Yuz”, erwiderte Amita zärtlich.
Sie umarmten und küssten sich.
„Du, Amita, mir war gerade so, als würde ich eine wunderschöne, leichtbekleidete Frau mit grüner Haut küssen.”
„Wenn dich das zu spirituellem Elan antreibt, soll´s mir recht sein, mein Geliebter.” Doch dann fügte sie noch hinzu: „Bevor das in eine falsche Richtung abdriftet, mein Lieber: Eine Projektion kann man nicht küssen - weil man sie nicht berühren kann. Sie hat keinen materiellen Körper - sie hat einen Lichtkörper, so ähnlich wie ein Regenbogen.”
Vater
unser...
Auch in den Uposatha-Veranstaltungen wurde jetzt das Gebet eingeführt. Bei der nächsten Veranstaltung übernahm Yuz die Leitung: Er seinen Adressaten im Gebet Abba und erklärte: „Für mich ist dieser Abba ein sehr hoch entwickeltes Wesen - ein Mahasattva5, der in den Weiten des Universums6 wirkt. Ihn können wir anrufe , um ihm zu danken - oder auch, wenn wir um etwas bitten. Wenn ich ihn mir vorstelle, ist es immer so, dass er in dieser Weise7 den Arm erhoben hat: die Geste der Furchtlosigkeit. Ich habe in den schwersten Stunden meines Lebens zu ihm gebetet, kurz vor meiner Verhaftung in Palästina, auf dem Berg Gethsemane und auch, als sie mich auf dem Berg Golgatha kreuzigten. Abba hat mir auch damals geholfen.”
Er warf einen Blick auf Amita, um zu sehen, wie sie seine Darlegung fand, und als er ihren unterstützenden Blick sah, fügte er seiner Beschreibung von Abba mit schmunzelndem Unterton noch hinzu: „Ach ja, und er hat grüne Haut.”8
Natürlich fragten die Zuhörern wegen der grünen Haut nach. Yuz erläuterte es so, wie das auch Amita ihm gegenüber getan hatte. Nachdem auch alle weiteren Fragen aus dem Auditorium beantwortet waren, bat eine Anwesende: „Yuz, kannst du so ein Gebet anleiten.”
„Ja, gerne. Ich bitte euch dazu alle aufzustehen!”
Die Leute taten das, und er faltete die Hände zum Gebet vor seiner Brust. Die Menschen machten diese Geste nach, dann sprachen sie das Gebet:
Yuz: Abba, Vater unser, der Du bist im Universum!
Alle: Abba, Vater unser, der Du bist im Universum!
Yuz: Abba, Du hilfst den führungsbedürftigen Menschen.
Alle: Abba, Du hilfst den führungsbedürftigen Menschen.
Yuz: Das Universum hat uns alles zur Verfügung gestellt, was wir brauchen.
Alle: Das Universum hat uns alles zur Verfügung gestellt, was wir brauchen.
Yuz: Wasser zum Trinken, Luft zum Atmen,
Alle: Wasser zum Trinken, Luft zum Atmen,
Yuz: die wärmende Sonne und die fruchterzeugende Erde.
Alle: die wärmende Sonne und die fruchterzeugende Erde.
Yuz: Dafür danken wir Dir - und bitten auch heute um unser tägliches Brot und um sauberes Wasser.
Alle: Dafür danken wir Dir - und bitten auch heute um unser tägliches Brot und um sauberes Wasser.
Yuz: Wir bitten um die Vergebung unserer Schuld.
Alle: Wir bitten um die Vergebung unserer Schuld.
Yuz: Ebenso wie auch wir unseren Schuldigern vergeben.
Alle: Ebenso wie auch wir unseren Schuldigern vergeben.
Yuz: Hilf mir, dass ich den Versuchungen von Gier und Hass widerstehe.
Alle: Hilf mir, dass ich den Versuchungen von Gier und Hass widerstehe.
Yuz: Hilf mir, dass ich nichts Böses tue, sondern hilfreich bin.
Alle: Hilf mir, dass ich nichts Böses tue, sondern hilfreich bin.
Yuz: Svāhā!
Alle: Svāhā!9
Auf diese Weise war jetzt - neben der Meditation - auch das Gebet als Bestandteil des Uposatha eingeführt. Man könnte auch das Metta-Sutta, das am Ende von Amita gesungen wurde - und in das inzwischen immer mehr der zuvor nur Zuhörenden einstimmten - als eine Art Gebet sehen. Inzwischen wurde dieses Endritual, das von Amitas wunderbarer Stimme dominiert wurde noch um einen Zusatz ergänzt. Nach einer kurzen Pause sang jetzt
Yuz:
Om
śāntī-ī.10
Alle: Om śāntī-ī.
Yuz: Om śāntī-ī.
Alle: Om śāntī-ī.
Yuz: Om śāntī-ī.
Alle: Om śāntī-ī.
Wobei man zum Schluss immer leiser wurde, um das befriedigende und befreiende Ende der Uposatha-Veranstaltung auch fühlbar werden zu lassen.
Allmählich bekam das Gebet einen festen Platz im Ritual, zu Beginn der Veranstaltung, noch vor der Meditation. Es wurde übrigens abwechselnd von Yuz und Amita gehalten.
Nachdem Amita die Figur der Grünen Tara so eingeführt hatte, wie sie das zuvor auch Yuz erklärt hatte. Das von ihr geleitete Gebet ging so:
Verehrung für den Mitternachtsstern11
Herz aus Mitgefühl,
Gedanken an ein Selbst
steigen in dir nie auf;
ganz dem Wohl der Welt verpflichtet,
ermutigst du deine Anhänger,
allen Wesen zu dienen,
als Ausdruck ihrer Liebe zu dir.
So bringe ich aus Hingabe zu dir
allen Wesen die Früchte deines Herzens dar:
Jedem einzelnen Wesen schenke ich
unaufhörlich kühle Seen und Flüsse,
damit sie in deinem Mitgefühl baden können;
labende Speisen und Getränke,
damit dein Mitgefühl sie nährt;
Sonne, Mond und Sterne,
damit dein Mitgefühl sie entfacht;
köstlich duftende Brisen,
damit sie dein Mitgefühl atmen können;
Vogelgezwitscher und schöne Klänge,
damit dein Mitgefühl ihr Herz, ihren Geist erfüllt.
... und dann der Winter
So
vergingen
die Monate. Allwöchentlich fanden die Kolloquien
statt, zu denen inzwischen auch Yuva
dazu gekommen war. Sita
war zwar alles andere als begeistert, dass Anups
Tochter, eine Śūdra!,
an diesem erlauchten Kreis teilnehmen sollte. Da aber
Adel inzwischen in der Metta-Sangha nicht
mehr
als Argument für die Exklusivität eines Zirkels galt,
konnte Sita
keine stichhaltigen Argumente gegen Yuvas
Teilnahme vorbringen.
Yuva war die mit Abstand engagierteste unter den einheimischen Teilnehmern der Uposatha-Veranstaltungen - eine glühende Tara-Anhängerin. Sie war außerdem künstlerisch begabt und hatte angefangen, Tara-Statuen zu schnitzen. Amita hatte sie auch gebeten, eine große Buddha-Figur für den Schrein anzufertigen. Yuva hatte bereits begonnen einen fast drei Fuß hohen Holzblock zu bearbeiten, der inzwischen bereits grob die Umrisse einer Rūpa annahm.
Die Versammlungshalle war jetzt, wo das Jahr zu Ende ging, fertig. Man hatte sie bereits ab September immer dann benutzt, wenn es regnete.
Yuz
und sein Bautrupp hatten als erstes insgesamt zwölf
Holzpfeiler errichtet, auf denen das Dach aufgesetzt
wurde, sodass es bereits bei Regen Schutz bot, dann
kamen die Wandverkleidungen, Türen und Fenster12
hinzu, sodass man ab Anfang Dezember in einem
geschlossenen Raum sitzen konnte, der allerdings nicht
beheizt war.
Im Laufe des Dezembers kam dann der hölzerne Fußboden hinzu. Öllampen auf dem Schrein spendeten etwas Licht, denn bei der Kälte wurden die Holzläden an den Fenstern geschlossen. Damit die Fensterläden und Türen relativ dicht schlossen, wurden Felle verwendet. Felle dienten auch als Sitzunterlage. Gegen die Kälte beim Sitzen halfen Wolldecken.
Von
November
bis März gab es Nachtfrost, die
Tageshöchsttemperaturen lagen allerdings auch im
Winter meist über dem Gefrierpunkt. Dennoch lag von
Dezember bis Februar meist eine mehr oder weniger
geschlossene Schneedecke.
Insgesamt war es jedoch im Winter erheblich schwieriger, die Uposatha-Veranstaltungen durchzuführen. Waren im Spätsommer und im Herbst noch vereinzelt Menschen aus anderen Dörfern angereist, um an den Uposatha-Veranstaltungen teilzunehmen, so war das im Winter gänzlich zum Erliegen gekommen.
Auch für Amita wurde die Winterzeit anstrengender, schritt doch ihre Schwangerschaft allmählich fort. Das Kind wurde für Mai erwartet.
Das Haus, in dem sie wohnten, war inzwischen so aufgeteilt, dass Amita und Yuz ein Zimmer bewohnten, das sie seit Mitte September auch zum Schlafen nutzten, zuvor hatten sie im Freien geschlafen, wenn es nicht gerade regnete.
Der frühere Abstellraum war zunächst leergeräumt worden, inzwischen war dort die Schlaf- und Pflegestelle von Jeevan, außerdem schliefen hier auch Ajala und Reena. Der große Hauptraum wurde als Küche und Esszimmer genutzt. Außerdem kamen abends häufig Menschen zu Besuch, die bei Yuz und Amita Rat suchten - oder einfach jemanden zum Gespräch an kalten Winterabenden brauchten. Ajala und Amita sorgten immer für heißes Wasser, außerdem hielten sie eine große Auswahl an Kräutern für Tee bereit.
Im
Februar
verstarb erstmals ein Mitglied ihrer Sangha,
und Amita
leitete die Leichenzeremonie.13
Es war das erste Mal, dass eine solche Zeremonie hier
abgehalten wurde. Amita
würdigte den Toten, sprach den Hinterbliebenen Trost
zu und betete mit ihnen für eine gute Wiedergeburt des
Dahingeschiedenen.
Anschließend wurde der Leichnam auf einem Holzstapel abseits der Siedlung verbrannt. Die übrige gebliebenen Knochen wurden an einem eigens dafür vorgesehenen Platz vergraben.
Fußnoten
1
Ich gehe zum Buddha und folge ihm.
Ich gehe zum
Dharma und folge ihm.
Ich gehe zur Sangha und
folge ihr.
Zum zweiten Mal
erkläre ich...
Zum dritten Mal
erkläre ich...
2 Heilig! Heilig! Heilig! (oder auch: heilsam)
3 Tara ist ursprünglich eine indische Sternengöttin, deren Name Stern bedeutet. Ihren Ursprung hat Tara im indischen Raum. Sie wurde im 3. Jahrhundert u. Z. in die Götterwelt des indischen Mahayana-Buddhismus eingegliedert. (Wikipedia 4.4.2024)
4 Die Grüne Tara ist heute eine wichtige Figur des Mahayana-Buddhismus. Das in diesem Buch beschriebene Aussehen und die Eigenschaften entsprechen dem, was heute über die Grüne Tara gelehrt wird. Wann genau diese Bedeutung von Buddhisten oder Buddhistinnen entwickelt wurden ist nicht bekannt. In diesem Buch wird das Verdienst der historisch nicht belegten Figur Amita zugeschrieben.
5 Der bedeutendste Theravada-Gelehrte, Buddhaghosa (4. Jhd.), führt den Begriff Mahasattva in seinem Buch „Visuddhi-Magga“ (Der Weg zur Reinheit) ein, er entspricht dem Bodhisattva des Mahayana.
6 Er verwendete in Prakrit die Bezeichnung „akasa“, was „unbegrenzter Raum“ oder „blauer Himmel“ heißt.
7 Er zeigte dabei die zum Gruß erhobene rechte Hand, das war die Art, wie auch die römischen Soldaten in Galiläa grüßten und ist als „Römischer Gruß“ bekannt.
8 Die von Yuz beschriebene Figur existiert tatsächlich im Mahayana-Buddhismus, sie heißt dort Amoghasiddhi.
9 Svaha heißt: Segen! Oder auch: Heil! (abgeleitet von heilig), es ist die Art, wie in Indien Gebete abgeschlossen werden, ähnlich dem „Amen“.
10 Śāntī (sprich: Schahntihi) heißt Friede um Sinne von: Der Friede sei mit euch/uns.
11
Dies ist der einleitende
Abschnitt der Tara-Puja von Dh. Vessantara.
Quelle:
http://www.triratna-buddhismus.de/fileadmin/user_upload/Texte/Puja_fuer_Tara.pdf
12 Es gab damals natürlich kein Glas. Fenster waren also rechteckige Löcher in der Wand, durch die Licht und frische Luft hereinkamen. Man konnte sie mit Läden verschließen.
13 Yuz hatte niemals viel von Trauerfeiern gehalten, so hatte Jesus einst zu einem potentiellen Jünger gesagt: „ Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ (Luk 9,59-60)
Erläuterungen
Abba – Wenn Jesus Gott anbetete, verwendete er dieses aramäische Wort für „Vater“. Er nahm nicht die Anrede JHWH, die im Judentum verwendet wurde. Während JHWH den alttestamentarischen strengen Gott, der ursprünglich der Kriegsgott der Juden war, bezeichnet, interpretiert Jesus das Göttliche neu und sieht darin eine milde, verständnisvolle und unterstützende Vaterfigur.
Bhārat
Gaṇarājya
– (Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien
Bodh-Gaya – Stelle, an der der Buddha seine Erleuchtung erreichte. Das Wort ist zusammengesetzt aus bodh- (Erwachen, Erleuchtung) und Gaya (Name der nahegelegenen Stadt)
Bodhisattva – Figur im Mahāyāna-Buddhismus. Bodhisattvas sind Wesen, die Erleuchtung nicht nur für sich selbst anstreben, sondern zum Wohl aller Wesen. (Im Theravāda wird das Wort nur für den späteren Buddha vor seiner Erleuchtung verwendet.)
Brahmanen – eine der Kasten im Hinduismus, nur Brahmanen dürfen religiöse Rituale vollziehen
Brahmanismus – indische Religion, in der (u.a.) einen Brahman (Gott) verehrt wird. Der B. heute als Hinduismus bezeichnet.
Dalits – eine der Bezeichnungen für die Unberührbaren. Diese waren nicht wie die Kastenangehörigen Arier, die nach Indien eingewandert waren, sondern gehörten der dunkelhäutigeren Urbevölkerung an. Die indische Kastengesellschaft hatte dadurch ein Element von Apartheit.
Dharma
– hier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des
Buddha. Das Wort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz,
Wissenschaft, Lehre.
Dharma-Cakra – das achtspeichige „Rad der Lehre“ das Symbol für den Dharma („Buddhismus“), die acht Speichen stehen für den Edlen Achtfältigen Pfad.
Dharmamitta
-
eine in der Mettā-Sangha
übliche Bezeichnung für eine Person, die den Dreifachen Pfad
im Rahmen der Mettā-Sangha
geht.
Edle Achtfältige Pfad, der – erste und zentrale Beschreibung des Buddha für den Pfad zur Erleuchtung. Hier werden acht Baustellen genannt, an denen wir arbeiten müssen: 1. Rechte (oder Vollkommene) Vision (Ansicht), 2. Rechte Entschlossenheit, (3) Rechtes Denken, (4) Rechtes Handeln, (5) Rechter Lebenswandel, (6) Rechtes Bemühen, (7) Rechte Achtsamkeit, (8) Rechte meditative Konzentration
Einmalwiederkehr
–
zweite Stufe der Heiligkei. Er/Sie hat den
Persönlichkeitsglauben überwunden, führt keine
sinnentleerten Rituale aus und zweifelt nicht mehr am Dharma. Außerdem hat er/sie Gier und
Hass in ihren gröberen Formen überwunden. Der Name
bedeutet, dass er nur noch einmal wiedergeboren wird.
Erwachen – andere spirituelle Traditionen sprechen von Erleuchtung, im Buddhismus verwenden wir besser den Ausdruck „Erwachen“ für das, was der Buddha erreicht hat. Während unter „Erleuchtung“ jeder etwas anderes verstehen kann, beschreibt „Erwachen“ das spezifisch Buddhistische, die Tatsache, dass die erwachte Person die drei Wesensmerkmale (Leidhaftigkeit, Vergänglichkeitund Wesenslosigkeit) völlig verwirklicht hat. Es ist für die erwachte Person so, als sei alles, was vorher war, so absurd und unlogisch wie ein Traum, daher der Ausdruck „Erwachen“.
Erwachter – die deutsche Übersetzung von „Buddha”
Galiläa – Ist ein großes Gebiet im
Norden des heutigen Israel (westlich des Jordan, sowohl
südlich als auch nördlich des See Genezareth). Der Begriff
„Galiläa“ kommt aus dem Hebräischen und heißt eigentlich
„Bezirk der Heiden“.
Ganesh – oder Ganesha ist eine der
beliebtesten Formen des Göttlichen im Hinduismus. Die elefantenköpfige
Gottheit ist überaus populär und ihr Geburtstag (zwischen
Mitte August und Mitte September) ist für viele Hindus der
höchste Feiertag. In Mumbai ist seine Verehrung nur mit
der Marienverehrung in einige Katholischen Ländern zu
vergleichen, sein Geburtstag ist dort das höchste Fest, es
gibt Gottesdienste und Prozessionen mit unzähligen Statuen
von ihm, diese werden zum Abschluss im Meer versenkt.
Grüne
Tārā
– Bodhisattva,
die für grenzenloses Mitgefühl zu allen Wesen steht. Sie
wird immer sitzend dargestellt, im Begriff aufzustehen, um
den leidenden Wesen aktiv zu helfen, ihre rechte Hand
zeigt die Geste der Wunschgewährung. Sie hat grüne Haut,
denn sie gehört zu einer Gruppe von grünen Wesen, genannt
die Karmafamilie. Neben der Grünen Tārā gibt es noch 20
weitere Tārās, die Grüne Tārā ist aber die bekannteste
davon.
JHWH – ist der Eigenname des Gottes im Judentum. Da es in der hebräischen Schrift keine Vokale gibt enthält er keine Konsonanten. Ausgesprochen wird er Jahwe, oder auch Jehova.
Kṣatriya (Sanskrit: क्षत्रिय) höchste indische Kaste, umfasst Adel, Krieger, Beamte
Jainismus – Der Jainismus ist eine indische Religion, die es seit etwa 3500 Jahren gibt (teilweise wird er auf noch älter geschätzt. Seine großen Lehrer werden als „Furtbereiter“ bezeichnet, weil sie die Furt aufgezeigt haben, auf der es an das andere Ufer (Nirwana) geht. Historisch belegt ist der letzte dieser Furtbereiter, Mahavira der zur gleichen Zeit lebte wie der Buddha. Er war radikaler als der Buddha und gewissermaßen sein Konkurrent auf dem Markt der neuen Religionen Indiens vor 2500 Jahren. Im Gegensatz zum Buddhismus ist der Jainismus in Indien niemals verschwunden. Heute bekennen sich in Indien mindestens fünf Millionen Menschen zum Jainismus. Der wohl weltweit berühmteste Inder bis heute – Mahatma Gandhi, ein gläubiger Hindu – stand dieser Religion nahe, deren Anhänger eine radikale Gewaltlosigkeit zu leben versuchen.
Jains – Anhänger der Religion des Jainismus
Karunā (= Mitgefühl) – ist das Gefühl, wenn Mettā auf ein leidendes Wesen trifft. Es ist etymologisch verwandt mit caritas (lat.: Barmherzigkeit) und mit to care (engl.: sich kümmern um).
Kaste – die indische Gesellschaft wird gemäß der hinduistischen Religion in streng voneinander abgetrennte Kasten eingeteilt, die wichtigsten Kasten sind die Brahmanen (Sanskrit: ब्राह्मण, brāhmaṇa = Priester), kṣatriya (Sanskrit: क्षत्रिय, Adel, Krieger, Beamte) und die vaiśya (Sanskrit: वैश्य = Kaufleute, Händler, Großgrundbesitzer) und śūdras (Sanskrit शूद्र, = Arbeiterklasse incl. Handwerker), darunter stehen die Dalits (Kastenlose, Unberührbare). Auf diese Art schuf der Hinduismus eine Apartheidsgesellschaft mit einer arischen Mittel- und Oberschicht, und einer indigenen Bevölkerung, die man nicht einmal berühren durfte; so sollte eine Rassenvermischung verhindern werden.
Kṣatriya (Sanskrit: क्षत्रिय) höchste indische Kaste, umfasst Adel, Krieger, Beamte
Mettā – (Pāḷi) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn Mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind.
Mettā Bhāvanā – Meditation zur Schaffung
von Bedingungen damit Mettā entsteht, normalerweise in
fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen
Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person,
(4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen
fühlenden Wesen.
Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft
Mettā Sutta - Ein Sutta ist im Normalfall ein Vortrag, eine Lehrrede. Das Mettā Sutta hat aber die Form eines Gedichtes oder eines Liedes zum Thema Mettā.
Nichtwiederkehrer – man unterscheidet vier
Stufen der Heiligkeit, die unterste ist der Stromeintritt, es folgt der Einmalwiederkehrer (der noch
einmal wiedergeboren wird), der Nichtwiederkehrer (der
in einem himmlischen Gefilde lebende, der von dort ins
Nirwana eingehen wird, ohne wiedergeboren
zu werden) und der Arahat
(Heiliger).
Nirwana – (auf sanskrit: nirvāṇa bzw. auf Pāḷi: nibbāna) Ziel des Buddhismus, das
Wort bedeutet „verwehen“ oder Nicht-Wahn.
Pataliputra – Die Stadt (das heutige Patna) an der Mündung des Son in den Ganges wurde zu Buddhas Zeit von König Ajatasattu (unter dem namen Pataligama) gegründet worden. Ajatasattus Sohn Udayin machte sie dann zur Hauptstadt des Königreiches Maghada. Sowohl der Buddha als auch Mahavira besuchten die Stadt mehrfach und im Jahr 253 v.u.Z. fand hier das dritte buddhistische Konzil statt.
Pūjā - „Verehrung“, auch
Bezeichnung für eine buddhistisches Verehrungsritual, das
aus i.d.R. Gebeten, Opfergaben und Mantrarezitationen
besteht, es kann auch Textlesungen enthalten.
Puruschapura - Heute heißt die Stadt am östlichen Ausgang des Chaiber-Passes Peschawar und hat 2 Mio. Einwohner; zu Jesu´ Zeiten war die Stadt erst vor wenigen Jahrzehnten von den buddhistischen Königen Gandharas gegründet worden.
Sangha – spirituelle Gemeinschaft, meist für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. (Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nur Erleuchtete.)
Stromeintritt
– So etwas wie die erste
Stufe der Heiligkeit im Buddhismus, die weiteren Stufen
sind Einmalwiederkehr, Nichtwiederkehr und Arahatschaft (vollständige
Heiligkeit, Erleuchtung). Stromeingetretene können nie
wieder hinter diesen Zustand zurückfallen, sind also der
baldigen Erleuchtung (spätestens nach sieben Leben, so
heißt es) sicher.
Śūdras - (Sanskrit: शूद्र) = Arbeiterklasse incl. Handwerker, vierte (und niedigste) der Großkasten, darunter gab es sog. „Unberührbare“.
Sūtta - (Mhz.: Sutren oder Sutten) - Lehrrede
Tārā – siehe Grüne Tārā
Theravāda - eine der frühen Schulen des Buddhismus, die einzige Hinayana-Richtung, die noch existiert. Theravāda bedeutet „Schule der Älteren“, was darauf hinweisen soll, dass ihre Anhänger den Buddhismus so praktizieren, wie das der Buddha selbst gemacht hat. Bei ihnen stehen die Lehrereden des Pāḷi-Kanon, der ältesten buddh. Schriften im Mittelpunkt.
Uposatha – heißt wörtlich Fastentag. Alle sieben Tage ist Fastentag: bei Neumond, bei Vollond und bei Halbmond (es galt der Mondkalender). Bei den Buddhisten sollen zwar die Laien auch enthaltsam leben und auf alle Unterhaltung (Musik, Gesang, Theater) verzichten. Die Mönche machen an diesem Tag das “Eingeständnis von Fehlern”, eine Art Beichte.
Visualisierung – Man stellt sich eine bestimmte Figur oder Szene bildnerisch vor, dies kann, muss aber nicht wie ein optischer Eindruck sein.
Zoroaster – Anhänger des Zoroastrismus
Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus ist eine Religion, die von Zarathustra gestiftet wurde. Der Begriff wurde vermutlich erst im 19. Jahrhundert n. Chr. gebräuchlich. Die Religion Zarathustras, die auf sehr alten indoarischen Traditionen und Überlieferungen fußt, entstand zwischen 1800 und 600 v. Chr. Ihre Herkunft ist umstritten. Sie breitete sich etwa im 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. im iranischen Kulturraum (von Gemeinschaften im östlichen Kleinasien und in Mesopotamien über Persien bis zum zentralasiatischen Raum) aus. (nach: Wikipedia 21.1.2024)
Zufluchtnahme – Akt, mit dem sich ein/e Buddhist/in zu Buddha, Dharma und Sangha bekennt, mitunter auch als dreifache Zufluchtnahme bezeichnet.
Zurück zur Übersicht Band 3: Jesus - die Jahre 33 - 96
zur Seite Die Jesus-Trilogie
zur Heimatseite
© 2026 Copyright by Horst Gunkel, Vacha