Horst Gunkel: Die Jesus-Trilogie - Band 3: Jesus - die Jahre 34 - 96 - Kapitel 5                                         letztmals bearbeitet am 02.02.2026

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  5 - Kolloquien


Alles ließ sich gut an. Schon in der folgenden Woche waren alle Bewohner des Dorfes freundlicher miteinander, teilweise sogar schon mit einer ans Übertriebene grenzenden Freundlichkeit! Aber sie schienen auch alle Spaß daran zu haben.

Auch das „spirituelle Kolloquium” traf sich in der kommenden Woche erstmals. Noch am Abend des ersten Uposatha hatte man sich verabredet, diese Treffen jeweils am Nachmittag des vierten Tages nach Uposatha abzuhalten. Wie nicht anders zu erwarten war, beschäftigte man sich auch hier mit den fünf ethischen Regeln, die das heilige Paar verkündet hatte. Insbesondere der Umgang mit eigentlich verhassten Personen war ein Thema.

So eröffnete Jagan die Gesprächsrunde: „Als Sita von dem Dämon besessen war, habe ich sie oftmals gehasst - obwohl ich sie doch früher geliebt habe. Manchmal habe ich mir sogar gewünscht, dass sie möglichst bald stirbt. Ich sah das als den einzigen Weg, wie ich frei von ihr sein könnte. In Wirklichkeit wollte ich natürlich frei von dem Dämon sein, der sie beherrschte - aber das konnte ich damals noch nicht richtig trennen.”

Sita nickte nachdenklich und fügte hinzu: „Mir ging es vielleicht noch schlimmer. Jagan hatte ein einziges Objekt, das er hasste: mich. Aber ich? Ich hasste alle! Ich wähnte, jeder sei mein Feind, jeder habe es nur darauf abgesehen, mich zu ärgern!

Sie seufzte und fuhr fort: In den zwei Wochen, seitdem ich davon befreit bin, habe ich viel nachgedacht - über diesen Hass, aber auch über den Hass bei anderen Menschen. Auch meine Eltern konnten mitunter ganz eklig sein, richtig gemein - nicht nur mir gegenüber, sondern auch gegenüber meinen Geschwistern, ganz oft gegenüber unseren Arbeitern und manchmal auch gegenüber Nachbarn oder dem Kaufmann. Es war fast so, als ob da zeitweilig ein Dämon in sie gefahren wäre.”

Yuz ergriff nun das Wort und erzählte etwas von einer Dämonenaustreibung, die er einst in Galiläa, vorgenommen hatte, was Amita wenig hilfreich fand. Sie ließ ihn aber gewähren und widersprach ihm auch hinterher nicht, denn sie hatte kein großes Ego, das sich aufplustern musste. Sie wusste vielmehr, dass die besseren Argumente und eine nachvollziehbare Darlegung geeignet sind, verständige Menschen zu überzeugen.


Dämonen in uns –Die Natur der Triebe

Amita setzte vielmehr ihre Gedanken fort, ohne auf Yuz´ Erzählung weiter einzugehen: „Manchmal ist es vielleicht gar nicht hilfreich, nur von äußeren Dämonen zu sprechen, die von uns Besitz ergreifen können. Es gibt innere dämonische Kräfte, die nicht von außen kommen, sondern die in tief in uns allen drin stecken, das ist etwas, was wir mit allen Tieren teilen.

Ale lauschten ihr jetzt gespannt, und so fuhr Amita fort: Würde ein Tier oder ein Mensch nicht essen, dann stürbe er. Also gibt es Hunger und Durst - Signale, die uns sagen, dass wir essen oder trinken sollen. Da gibt es etwas Unangenehmes, das Hungergefühl, etwas das wir weghaben möchten, das wir hassen. Gleichzeitig sehen wir diese leckere Banane, die wir begehren, die wir haben möchten, um den Hunger zu stillen. Da ist also  einerseits der Hunger, den wir ablehnen, den wir hassen – und andererseits die Banane, die in uns den Greifreflex weckt, die wir begehren.“

Alle lauschten jetzt Amitas Vortrag gespannt, und so führte sie weiter aus: Und das ist nicht nur beim Essen so! - Warum paaren sich Tiere? Wollen sie wirklich Eier ausbrüten? Wollen sie wirklich Junge aufziehen, die dann als Nestflüchter weglaufen und ihre Eltern allein lassen, wenn diese alt und krank sind? - Nein! Sie paaren sich aus einem einfachen Grund: weil sie geil sind, weil sie Verlangen haben - Gier.

Amita blickte in die Runde, die ihr gespannt lauschte: Das ist ein Gefühl, das jeder hier am Tisch aus eigener Erfahrung kennt. Wir haben also – wie alle Tiere – zwei Triebkräfte in uns. Da ist einerseits die Gier, das Verlangen, das Habenwollen, der Besitzwunsch. Und andererseits ist da die Abneigung, der Hass, das Weghabenwollen, die Ablehnung. Diese beiden Triebe sind im Tierreich sinnvoll. Wenn wir uns als Tiere verstehen, sind diese auch für uns hilfreich. Doch für Götter, für hochentwickelte Wesen sind diese Triebe nicht nötig. Kein Gott braucht eine Banane, weil er Hunger hat. Richtige Götter brauchen auch keinen Sex, weil sie sich nicht wie Tiere reproduzieren.

Sie blickte kurz jeder einzelnen anwesenden Person in die Augen, bevor sie provokant fragte: Und dazwischen - zwischen den Tieren einerseits und den Göttern andererseits - dazwischen stehen wir Menschen. In welche Richtung möchte ich mich orientieren? Möchte ich ein Tier sein  - oder lieber den Göttern gleich?

Amita lehnte sich zurück, bevor sie weitersprach: Die Brahmanen sprechen von Wiedergeburt. Wenn wir dem glauben, dann würde, wer sich durch Gier und Hass treiben lässt, als Tier wiedergeboren. Wer sich von Gier und Hass emanzipiert, würde in der Götterwelt wiedergeboren.

Sie schloss mit dem Worten: Also wo möchtet ihr hin?”

Yuz ergänztemit ruhiger Stimme: „Oder, um bei dem zu bleiben, was die alte Religion, das Judentum, lehrt: Wenn wir von Gier und Hass umgetrieben werden, so gelangen wir in die Scheol, wo unsere Seelen gereinigt werden, wer hingegen gottgefällig gelebt hat, der kann Gott begegnen.”

Sita fügte hinzu: „Der Buddha lehrt, dass es drei Wurzelübel gibt, die beiden von euch genannten - Gier und Hass - und schließlich noch die Verblendung. Und wenn ich dich am Uposatha richtig verstanden habe, dann ist das die irrige Annahme, dass wir glauben: `Wenn wir das bekämen, was wir wollen, wären wir rundum glücklich, sind wir aber nicht, weil wir schon wieder etwas anderes wollen.´

Jagan nickte nachdenklich: „Verblendung ist auch, dass wir irrtümlich denken: `Wenn nur das eine verhasste Ding weg wäre, wären wir glücklich.´ Sind wir aber nicht, weil der Hasstyp sofort das nächste verhasste Objekt ansteuert.”

Jetzt fragte Sita zögernd: „Darf ich auch sagen, was mich an der Lehre des Buddha immer gestört hat?”

Na sicher!” antworteten Yuz und Amita wie aus einem Mund.

Bei den Brahmanen kommt man dann in die Götterwelt...”, begann sie.

Halt, das ist nicht richtig”, intervenierte Amita, „im Buddhismus kann man auch in der Götterwelt wiedergeboren werden, was aber nicht das Endziel ist. Im Brahmanismus ist das Ziel die Vereinigung der Seele, des Atman, mit dem Brahman - mit Gott. Dem hat der Buddha wiedersprochen, denn das würde voraussetzen, dass es eine Seele - einen Atman, einen festen, unveränderlichen Wesenskern - gibt und einen ebenso fest umrissenen Brahman, also zwei Personen, eine menschliche und eine göttliche. Diesem Glauben an Personen, also daran, dass es einerseits ein `Ich´ gibt und andererseits einen `höchsten Gott´, hat der Buddha widersprochen, weil alle Dinge sich ändern, weil alles im Fluss ist. Der Dharma folgt nicht einem statischen Konzept, er betrachtet die Welt in ihrer Dynamik, so wie sie tatsächlich ist!”

Also, das ist mir jetzt zu hoch!” intervenierte Jagan.

Amita nahm diesen Ball auf: „Du hast völlig recht, das ist jetzt, am Anfang des Weges, zu hoch. Genau so ging es mir vor zehn Jahren auch, da fand ich das auch `zu hoch´. Das ist auch der Grund, warum wir davon am Uposatha nichts gesagt haben. Man muss Schritt für Schritt vorgehen. Im Moment langt es, zu wissen, dass es in jedem Menschen diese drei Wurzelübel gibt: Gier, Hass und Verblendung. Gut wäre es auch zu erkennen, dass es besser wäre, wenn diese geschwächt und schließlich ganz überwunden wären. Sind wir darüber einig?”

Alle nickten.

Jetzt übernahm Yuz: „Und wenn wir uns darüber einig sind, ist doch die nächste Frage: `Wie kommen wir dahin. Welche Schritte muss ich machen, um dorthin zu kommen.´ Genau das wird daher das Thema unseres nächsten Uposatha sein, eine Meditation zu erlernen, wie ich von Hass wegkomme, und auch von seiner milderen Form, von Abneigung. Das war auch der Grund, warum von uns beiden nicht die Bitte nach einem Kolloquium kam. Da besteht immer die Gefahr ins Theoretische abzugleiten. Worum es aber wirklich geht, ist: kleine Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Man muss sich wirklich ändern wollen - und bereit sein, diesbezügliche Übungen zu machen.”

Amita sah, die Enttäuschung auf Sitas Gesicht, die das Kolloquium vorgeschlagen hatte, daher ergänzte sie: „Das heißt nicht, dass ein Kolloquium nicht hilfreich sein kann. Man darf dabei aber nicht an einen Expressweg zum Erwachen glauben. Das Entscheidende ist auf jeden Fall, am eigenen Geist zu arbeiten. Dafür bekommt ihr, wie alle anderen, die richtigen Übungsanweisungen. Ein besonderer Vorteil eines Kolloquiums ist aber, dass diejenigen, die über einen besseren Sprachschatz verfügen und auf einem intellektuellen Niveau diskutieren können, dies hier tun können. Daher hatten wir auch im Frauenkloster so ein Kolloquium für die gebildeteren Frauen. Die Übungen allerdings waren für alle Nonnen gleich. Häufig machten die gebildeteren Nonnen schnellere Fortschritte - aber nicht immer. Bildung ist eine Qualität. Aber es gibt auch andere Qualitäten, die man nutzen kann.”

Welche?”

Ganz unterschiedliche, das kann gläubiges Vertrauen sein, das kann eine devotionale Haltung sein, angeborene oder anerzogene Herzensgüte, die Fähigkeit sich schnell konzentrieren zu können, es können aber beispielsweise auch musische Fähigkeiten sein. Aber eines ist für alle Menschen wichtig, die sich weiterentwicklen wollen: man muss sich wirklich ändern wollen und man muss bereit sein, diesbezügliche Übungen zu machen, um so Schritt für Schritt voranzukommen.”

Fein”, da war Sitas Einsatz, „dann lehrt uns jetzt bitte eine Übung. Ich habe festgestellt, dass der Dämon, der in mir war, zwar weg ist, aber dass es dennoch Abneigung, Nichthaben­wollen - ja bisweilen sogar Hass in mir gibt. Wie bekomme ich das weg?”

Brahma Vihāras”, sagte Yuz einfach.


Metta Bhāvanā: Die Übung der liebenden Güte

Und zwar zunächst einmal die Metta Bhāvanā”, ergänzte Amita.

Was ist das?” wollte Jagan wissen und Amita gab ihm eine ausführliche Erläuterung:

Das ist eine Übung, bei der wir Liebe, Freundlichkeit, Offenheit, Zuneigung, Verständnis, Offenherzigkeit und Wohlwollen erzeugen. Sie wird traditionell in fünf Phasen1 geübt.

Phase 1 - Liebe zu sich selbst

In der ersten Phase”, erklärte Amita, betrachten wir uns selbst mit Liebe und Wohlwollen. Ich stelle mir dabei vor, wie ich etwas tue, das ich sehr gerne mache. Ich stelle mir vor, wie ich auf einer Bergwiese im Frühling sitze, im Hintergrund weidende Schafe und Lämmer, in der Luft tanzen Schmetterlinge und Libellen. Und von dieser Bergwiese aus habe ich auch eine herrliche Aussicht.

Das ist das Umfeld, bei dem sich mein Herz öffnet, sodass ich rundum glücklich und zufrieden bin. Wenn ihr im Laufe eurer ersten Versuche mit der Metta Bhāvanā etwas experimentiert, werdet ihr sicher das für jeden von euch passende Ambiente finden.

Phase 2: Wohlwollen für einen guten Freund

Mit strahlendem Gesicht erklärte Amita weiter: „Nachdem sich dieses Gefühl von Metta - von völliger Annahme eurer eigenen Person, von Wohlwollen und dem damit verbundenem Glücksgefühl - etabliert hat, wendet ihr euch einer anderen Person zu, einem guten Freund oder einer guten Freundin - möglichst einer Person des gleichen Geschlechts, damit keine andere störende Emotion hereinspielt, wie beispielsweise geschlechtliches Verlangen...”

Da könnte ich dich zum Beispiel nehmen”, freute sich Sita.

Amita lächelte geduldig: „Das kommt ganz darauf an. Wichtig ist auch, dass es eine Person auf Augenhöhe ist. Solltest du zum Beispiel hochnäsig auf mich herabsehen, weil ich keine Katriya bin, nicht aus dem Adel stamme, wäre das nicht optimal. Solltest du andererseits wie eine Schülerin zu mir aufblicken, weil ich derzeit deine Lehrerin bin, wäre das auch nicht auf Augenhöhe. Ebensowenig solltest du daher vielleicht auch deine Kinder oder Eltern verwenden, jedenfalls nicht in den ersten Monaten - vielleicht auch Jahren - mit dieser Meditation. Später kannst du mehr experimentieren. Jetzt am Anfang empfehle ich dringend so vorzugehen, wie ich das schildere, damit sich keine falschen Muster herausbilden. - Du wendest dich also deiner guten Freundin zu - mit deinem offenen, warmen Herzen, das du in der ersten Phase entwickelt hast, und wünschst deiner Freundin alles Gute, betrachtest sie mit Wohlwollen.

Amita lehte sich entspannt zurück: Wie du das im einzelnen machst, musst du ausprobieren. Wenn du dir nicht sicher bist, ob etwas, das du gemacht hast, richtig ist, kannst du jederzeit zu Yuz oder mir kommen, um nachzufragen.”

Und muss ich das im Weiteren auch mit Leuten machen, die ich nicht mag?” Dieser Gedanke kam Jagan, da es ja noch drei weitere Phasen gab.

Yuz lächelte ihn an: „Sehr gut mitgedacht. Deine – und meine! – alte Religion sagt allerdings, man solle Gleiches mit Gleichem vergelten2. Auf diese Art wird allerdings der Hass nie besiegt - das ist falsch!

Phase 3: Wohlwollen für die neutrale Person

Er erklärte jetzt den nächsten Schritt: Aber in der Metta Bhāvanā kommt jetzt noch nicht diese schwierige Person, sondern in der dritten Phase nehmen wir erst einmal eine neutrale Person. Das ist jemand, den ihr kennt, mit dem ihr aber nicht befreundet seid - und der euch auch nicht geärgert hat. Vermutlich kämen dafür viele eurer Leute hier auf dem Hof infrage.

Phase 4: Wohlwollen für eine schwierige Person

Erst in der vierten Phase nehmen wir uns eine schwierige Person vor, erklärte Yuz. Wir denken aber nicht an die Schwierigkeiten, die wir mit dieser Person haben - sondern an das Verbindende: auch diese Person will glücklich sein, will ein angenehmes Leben führen. Auch in ihr sind Hass, Gier und Verblendung - aber in mir auch! Zum Glück arbeite ich daran - zum Beispiel mit der Metta Bhāvanā. Ich wünschte auch diese Person würde – wie ich – einen Weg finden, sich zum Positiven zu entwickeln.”

Jetzt wurde Jagan plötzlich sehr engagiert: „Das kenne ich! Als Sita vom Dämon besessen war, habe ich sie oftmals wirklich gehasst - aber dann gab es auch Momente, wo ich mir nur gewünscht habe, dieser Dämon wäre fort! Ich habe sogar zu JHWH gebetet, er möge diesen Dämon vertreiben! Hat er aber leider nicht.”


Phase 4: Allgüte

Nein, das hat Yuz gemacht!” sagte Amita und erläuterte das Verfahren der Metta Bhāvanā weiter: „Dann gibt es schließlich noch die fünfte Phase, dafür können wir uns ruhig etwas mehr Zeit nehmen. In dieser Phase stellen wir uns anfangs noch einmal diese vier Personen aus den vorigen Phasen vor - und versuchen, ihnen möglichst in gleichem Maße unser Metta zukommen zu lassen.

Und dann weiten wir den Kreis der Empfänger unseres Metta, unserer liebenden Güte, etwas aus, erst ganz langsam, zum Beispiel auf alle hier auf diesem Hof, alle Männer, Frauen und Kinder; auch auf alle Tiere, die Esel, die Hühner, die Katzen und auch die Mäuse, die Fische im See usw. Dann dehnen wir den Empfängerkreis aus auf das ganze Kaschmirtal, dann auf ganz Bhārat Gaṇarājya, dann auch auf die anderen Länder, schließlich aufs ganze Universum, also auch auf andere Lebensformen, das können Devas3 sein oder Geister...”

Und was ist mit Dämonen - oder mit Mara4?” Das war Ritas Frage.

Auch Dämonen sind – wie Devas – fühlende Wesen. Wäre der Dämon glücklich, dann wäre er kein Dämon mehr, sondern vielleicht ein Deva. Jeder kann sich entwickeln, jedes Wesen, das so etwas wie Geist hat, wie Bewusstsein. Entscheidend ist, wie sich das Bewusstsein entwickelt. Und die Metta Bhāvanā ist eine ganz ausgezeichnete Methode, das Bewusstsein zu entwickeln. Ziel der Metta Bhāvanā ist es, Hass durch Liebe zu ersetzen, Hass durch Liebe zu besiegen.”


Wir wollen die Welt verändern!

Jagan wird jetzt ganz emotional. „Das ist ja phantastisch, so könnte man die ganze Welt verändern!”

Yuz lachte leise: „Ja, das war auch mein Ziel, als ich nach Galiläa zurückging. Ich war aber zu ungeduldig. Ich wollte, dass sich ganz schnell etwas verändert. Es wäre besser gewesen, ich hätte mit meinen Jüngern die Metta Bhāvanā geübt - statt überall herumzulaufen und zu predigen. Deshalb habe mich ja inzwischen entschieden, es genau so zu machen. Deshalb fangen wir hier nicht mit dem Gottesbegriff an - sondern lernen, wie man an sich arbeitet, zum Beispiel mit der Metta Bhāvanā.”

Dann sollten wir das aber nicht nur in diesem kleinen Kreis machen, sondern auch am nächsten Uposatha!” forderte Jagan.

Amita griff den Ball auf: „Genau das haben wir vor. Alle diese Übungen - nicht nur die Metta Bhāvanā - wollen wir einem größeren Kreis anbieten. Das sind zunächst die Menschen unserer Gemeinschaft hier am Hof. Daraus soll sich eine Sangha entwickeln, eine spirituelle Gemeinde.

Sie erklärte weiter: Und vermutlich werden allmählich auch aus dem übigen Kaschmirtal Leute dazukommen, wenn der Kaufmann Śiva dort von uns berichtet. Daher brauchen wir diese Vortragshalle. Wir sind hier mehr als fünfzig Menschen auf diesem Hof. Sicher werden langfristig manche nicht an den Versammlungen teilnehmen, vielleicht weil sie – wie Jeevan – dazu körperlich nicht in der Lage sind, möglicherweise auch aus anderen Gründen. Aber wir können davon ausgehen, dass bald auch aus anderen Teilen Kaschmirs Menschen hierher kommen. Daher sollte diese Halle groß genug sein für mindestens 100 Menschen. Und das bedeutet, dass wir jetzt als erstes einmal einen geeigneten Platz aussuchen müssen, ich habe dazu gewisse Vorstellungen.”

Die vier gingen dann das Gelände ab - und tatsächlich wurde noch an diesem Tag beschlossen, wo die Halle errichtet werden sollte. Yuz steckte gleich das Gelände ab, und in den nächsten Wochen arbeitete er an drei Tagen an Jeevans Haus, an weiterem drei Tagen an den Vorbereitungen für die Halle und am Vormittag des Uposatha mit anderen Männern an der Halle bzw. am Transport des Baumaterials dafür. Es gab immer viel zu tun.


Am nächsten Uposatha wurde - nach der einführenden geleiteten Meditation und der Mittagspause - von Amita ein Vortrag über den Wert von Liebe und Güte für die menschlichen Beziehungen gehalten. Es gelang ihr, die Menschen davon zu überzeugen, dass diese Gemeinschaft ein Vorbild für andere Dörfer sein sollte - und dass man eine echte spirituelle Gemeinschaft bilden könne.

Sie erklärte die Bedeutung von Metta und endete mit den Worten: „Lasst uns hier etwas entwickeln, das für uns alle, aber auch für jeden einzelnen von uns wichtig ist und ein Vorbild für andere sein kann! Ich rufe euch daher dazu auf: Lasst uns die Metta-Sangha bilden!”

Nachdem sich der Jubel gelegt hatte, führte Yuz in die Metta Bhāvanā ein, danach wurde diese Meditation geübt und im Anschluss sprach man gemeinsam über die Erfahrungen danit. Selbstverständlich wurde auch dieser Tag mit einer Puja beendet.


Das Problem mit der Bank

Soweit zum Ablauf. Es war aber noch etwas geschehen, was dem `heiligen Paar´ aufgefallen war - und was sie hinterher erörterten:

Während alle Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Boden saßen, befand sich diesmal an der Seite eine Bank, auf der Sita und Jagan saßen - sowie drei ihrer Kinder. Die älteste Tochter, Anandita, war nicht zugegen, denn sie war verheiratet und zu ihrem Mann gezogen, der in einer Stadt einige Tage entfernt wohnte. Die anderen Kinder aber waren bei der Uposatha-Veranstaltung anwesend und saßen, wie ihre Eltern, auf dieser Bank: der älteste Sohn Raj (13) und die Zwillinge Sunay, ein Knabe, und das Mädchen Shanti  beide 12).

Amita sprach diese Tatsache auf dem Heimweg an: „Ich fand es schon störend, dass die Herrschaften eine Sonderrolle beanspruchen - und auf einer Bank saßen, um zu zeigen, dass sie etwas Besseres sind.”

Yuz nickte: „Man könnte noch sagen, dass die Eltern, die nicht arbeiten müssen, auch zuhause eine Bank haben, auf der sie meist sitzen, und das daher so gewohnt sind. Aber dass die Kinder auch dort sitzen, zeugt mir von Dünkel.”

Amita überlegte laut: „Die Eltern wollten - vor allem auf Betreiben von Sita - dieses Kolloquium. Wir waren nicht begeistert davon, haben es uns aber dadurch schöngeredet, dass sie auf einem anderen sprachlichen Niveau seien, als die Śūdras. Wenn dem so ist, müssten die Kinder aber auch am Kolloquium teilnehmen. Zu jung sind sie eigentlich nicht mehr.

Sie dachte einen Augenblick nach, dann ergänzte sie: Die Zwillinge sind so alt wie du, als du im Tempel von Jerusalem mit den Schriftgelehrten diskutiertest. Und Raj ist so alt wie ich, als ich dich im Kloster Weiße Wolke als Dharma-Lehrer kennenlernte.”

Yuz überlegte vorsichtig: „Aber wir können nicht hingehen und sagen: `Entweder machen die drei im Kolloquium mit, oder sie müssen auf dem Boden sitzen´. Das geht so nicht.”

Richtig, Yuz. So kann man das nicht sagen. Ich schlage stattdessen vor, ich gehe übermorgen zu Sita und spreche mit ihr. Sie wird danach glauben, dass sei ihre Idee - und sie wird auch Jagan dafür gewinnen.”

Yuz lächelte sie bewundernd an: „Du hast einmal gesagt, ich sei der eindeutg bessere Dämonenaustreiber von uns beiden. Wenn dir das gelingt, was du da vorhast, ernenne ich dich zur eindeutig besseren Diplomatin von uns beiden.”

Amita stellte sich so dicht vor ihn, dass sie sich fast berührten: „Das weiß ich schon lange - aber ich freue mich, wenn du es dann auch aussprichst, Liebster.”

Und bevor er noch etwas erwidern konnte, schmiegte sie sich an ihn und gab ihm einen langen Kuss – lang genug, dass er den Impuls, ihr zu wider­sprechen, fallen ließ...

Metta-Sangha - die Geburt einer Gemeinschaft

Am vierten Tag nach dem zweiten Uposatha war das zweite spirituelle Kolloquium, diesmal im erweiterten Kreis.

Ich bin euch ja so dankbar, dass jetzt auch Raj, Sunay und Shanti teilnehmen dürfen”, bedankte sich Sita, und Jagan ergänzte: „Vielen Dank, dass du es schließlich doch zugelassen hast, Yuz.”

Der nickte - ihm wurde in diesem Augenblick klar, dass Amita bei den Eltern der beiden den Anschein erweckt haben musste, er sei dagegen, weswegen sie das natürlich jetzt unbedingt wollten. - Und er dachte weiter: `Vielleicht wäre die Sache in Galiläa besser gelaufen, wenn ich Amita dabei gehabt hätte, sie hat ein riesiges diplomatisches Geschick - sie kann es so darstellen, dass es einem das als das höchste Glück erscheint, was eigentlich sie selbst wollte. Andererseits ist es natürlich auch jetzt von großem Vorteil, eine solch tolle Partnerin zu haben...´

Und wir haben auch alle drei schon eifrig die Metta Bhāvanā geübt, Yuz”, Raj bemühte sich offensichtlich gleich darum, wahrgenommen zu werden.

Aber auch Shanti hatte nicht die zaghafte Zurückhaltung, die Mädchen oft an sich haben, und stellte gleich eine Frage: „Ihr habt unserer Gruppe den Namen Metta-Sangha gegeben, das klingt danach, als sei Metta das Wichtigste. Aber ihr habt beim ersten Uposatha mit den ethischen Vorsätzen begonnen. Was ist denn dann das Wichtigere von beiden?”

Da sie bei ihrer Frage Yuz angesehen hatte, antwortete dieser ihr: „Die wichtigste Geisteshaltung ist Metta, daher haben wir sie als erste Meditationsform eingeübt. Wir werden auch andere Meditationen üben, die darauf aufbauen. Der Buddha hat den Dreifachen Pfad gelehrt, der besteht aus Ethik, Meditation und Weisheit. Diese drei Dinge werden immer in dieser Reihenfolge genannt, denn Ethik ist das Wichtigste.

Er erklärte weiter: Wenn wir nicht ethisch handeln, sind wir nicht auf dem spirituellen Pfad, der uns zum Höchsten bringen kann, was ein Mensch erreichen kann. Das ist in allen hochentwickelten Religionen so, unabhängig davon, welches ihr höchstes Ziel ist. Ethische Achtsamkeit immer mehr zu verfeinern - erst unsere groben Fehlverhalten sein zu lassen und dann immer subtilere Fehler zu erkennen und daran zu arbeiten, diese abzubauen - ist ganz, ganz wichtig. Das ist die Grundlage. Wer sich spirituell weiterentwickeln möchte, kann das aber nur, wenn er oder sie auch meditiert. Im Brahmanismus machen das nur die wenigsten Brahmanen - die anderen Kasten eigentlich gar nicht. Im Jainismus und im Buddhismus praktizieren immerhin auch Mönche und Nonnen täglich die Meditation. Im traditionelle Judentum gibt es eine Meditation in unserem Sinne gar nicht.

Er schloss seine Erklärung mit besonderem Nachdruck ab: Wenn wir hier Meditation für alle anbieten und dies alle einüben lassen, ist das also etwas ganz Außergewöhnliches. Wir tun das, weil wir alle hier auch etwas ganz Außergewöhnliches sein wollen, eine nicht-monastische spirituelle Gemeinschaft, eben die Metta-Sangha.”

Was ist eine nicht-monastische spirituelle Gemeinschaft?” fragte jetzt Sunay.

Amita freute sich über die Frage: „Gut, dass du nachfragst, Sunay! Man muss immer nachfragen, wenn jemand etwas sagt, was man nicht versteht. -  Also: eine spirituelle Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die gemeinsam daran arbeitet, dass alle sich geistig entwickeln können - dass sie sich vervollkommnen können. Das machen auch die Mönche und Nonnen in den Klöstern - das nennt man dann eine `monastische Gemeinschaft´. Dort sind nur Männer oder nur Frauen und die dürfen auch nicht verheiratet sein. Bei uns hier ist das anders. Hier leben Männer und Frauen zusammen, manche sind verheiratet, manche nicht – oder noch nicht. Als ich Yuz kennenlernte, war er ein Mönch und hieß Devamitta. Auch ich war, wie ihr wisst, früher eine Nonne. Jetzt leben wir hier in der Sangha mit anderen Männern und Frauen zusammen.”

Und sind wir eine buddhistische Gemeinschaft oder nicht?” wollte Raj wissen.

Eine buddhistische Gemeinschaft ist eine, bei der sich alle zu den Drei Juwelen, zum Buddha, zum Dharma und zur Sangha bekennen. Ich tue das, und Yuz tut das auch. Die meisten von euch wissen aber noch zu wenig vom Dharma, um sich dazu bekennen zu können. Vielleicht ist das irgendwann anders, wenn sie mehr davon wissen.

Amita betonte schließlich die Offenheit dieser Gemeinschaft: Aber ich fände es falsch, wenn wir jemanden aus unserer Sangha ausschließen würden, nur weil er sagt: `Ich mache hier zwar mit, übe mit, aber ich möchte mich nicht zum Buddha oder nicht zum Dharma bekennen.´”

Shanti wollte unbedingt etwas mitteilen, sie war gegen Ende des Gesprächs schon ganz unruhig geworden: „Also ich vertraue euch vollkommen, euch beiden! Dir, Yuz, und auch dir, Amita! Ihr habt hier so viel Positives bewirkt, seit ihr da seid. Ihr seid so tolle Lehrer und Vorbilder, dass ich euch völlig vertraue. Wenn ihr sagt, Buddha, Dharma und Sangha sind das, worauf ihr vertraut, dann möchte auch ich das tun, wie mache ich das?”

Amita übernahm die Initiative: „Wir können am nächsten Uposatha im Rahmen der Schluss-Puja ein Ritual durchführen, in dem du dich zu Buddha, Dharma und Sangha bekennst. Damit wirst du zu einer Dharmamitta - einer Freundin des Dharma.”

Natürlich wollten das die anderen beiden jungen Leute auch und schließlich baten auch deren Eltern darum.

Amita steuerte das Geschehen jetzt: „Lasst es uns doch so machen: am nächsten Uposatha werden die drei Kinder das machen, was man traditionell als Zufluchtnahme bezeichnet. Eine Woche später könnt ihr das auch machen. So bekommt das ein ganz anderes Gewicht - und kann dazu führen, dass sich das auch weitere Leute überlegen.”


Von Götter und von Projektionen

Das Kolloquium dauerte noch drei Stunden. Danach gingen Yuz und Amita nach Hause. Yuz war sehr schweigsam. Daher eröffnete Amita das Gespräch: „Kann es sein, dass du dir überlegst, ob du die Zufluchtnahme heute noch machen würdest?”

Der schaute seine Partnerin erstaunt an: „Ich wusste schon seit wir hier im Tal sind, dass du Gedanken lesen kannst. In der Tat überlege ich das. Ich finde die Übungen, die der Buddha gelehrt hat, wunderbar. Aber ich bete zu Abba. Er ist für mich Gott - er ist für mich der Schöpfer!”

Und wie war das, als du in einem buddhistischen Kloster Novize wurdest und als du später ordiniert wurdest? fragte Amita. Da hast du doch auch die dreifache Zufluchtnahme gesprochen, das Bekenntnis zum Buddha, zum Dharma und zur Sangha?”

Ja, ich weiß, antwortete Yuz. Aber damals wollte ich dazugehören. Ich fand den Buddha gut, ich fand seine Lehre hilfreich - und ich wollte in den Sangha, um zu lernen. Aber ich hänge irgendwie an dem alten Glauben.”

Aber Yuz, der alte Glaube - das Judentum - ist auf einen Kriegsgott ausgerichtet, den seine Anhänger JHWH nennen. Dieser JHWH-Religion gehörst du nicht an. Du hast dir einen anderen Gott geschaffen, den du Abba nennst. Der existiert genauso wenig als eine beständige Person wie Brahma oder JHWH. Das alles sind Projektionen des Geistes! Brahma ist die Projektion des Geistes der Brahmanen, JHWH ist die Projektion der Rabbiner und Abba ist die Projektion des Jesus von Nazareth. An deiner Projektion ist nichts Schlimmes - sie ist eindeutig besser als diese Projektion namens JHWH. Aber es ist eine Projektion. Das solltest du einsehen.”

Ich kann aber nicht ein abstraktes Prinzip wie Metta anbeten”, widersprach Yuz. Ich brauche eine Personalisierung, so etwas wie einen himmlischen Gesprächsparnter.”

Du hast einen himmlischen Gesprächspartner, das bin ich, Yuz. Ich bin deine Gesprächspartnerin und ich bin himmlisch, oder?”

Yuz schwieg - darauf wollte nicht antworten, schließlich sagte er: „Hast du eigentlich keine Figur, an die du dich wendest - keine Projektion deines Geistes, die du anbetest?

Doch, sicher habe ich die, aber ich weiß, dass dies eine Projektion meines Geistes ist. Schließlich bin ich eine erwachsene, aufgeklärte Frau.”

`Manchmal verwendet sie Worte wie andere Leute Ohrfeigen´, dachte Yuz. Er schwieg eine Zeit lang. Endlich fragte er: „Wie heißt er?”

Yuz, was soll die Frage?Amita war erschüttert: Sie klingt wie die Frage eines eifersüchtigen Mannes nach dem Nebenbuhler!”

Du hast gesagt, du wendest dich auch an einen Gott - oder so etwas - an eine Projektion deines Geistes”, beharrte Yuz. Er wird doch einen Namen haben, oder?”

Sie! Sie hat einen Namen”, korrigierte Amita. Sie ist eine Projektion meines Geistes, und ich habe ihr einen Namen gegeben, um sie ansprechen zu können!”

Aha, und wie heißt sie?”, fragte Yuz gespannt.

Stern.”

Sie heißt Stern? Einfach Stern?”, wunderte sich Yuz.

Manchmal nenne ich sie Mitternachtsstern.”

Aha.”


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Fußnoten

1 Amita macht hier keine Zeitangabe für die einzelnen Phasen, weil damals noch keine Zeitmessungen üblich waren. Jede Phase sollte aber zwischen 5 und 10 Minuten lang sein, sodass die gesamte Meditation 25 bis 50 Minuten dauert.

2 Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule.“ (2 Mose 23-25)

3 Als Devas werden in Indien die Götter bezeichnet, von denen traditionell viele verehrt werden, in der Theologie der abrahamitischen Religionen entspricht das in etwa den Engeln.

4 Mara entspricht in der indischen Mythologie dem Teufel.


Erläuterungen

Abba Wenn Jesus Gott anbetete, verwendete er dieses aramäische Wort für„Vater„. Er nahm nicht die Anrede JHWH, die im Tenach verwendet wurde. Während JHWH den alttestamen­tarischen strengen Gott, der ursprünglich derKriegsgott der Juden war, bezeichnet, interpretiert Jesus das Göttliche neu und sieht darin eine milde, verständnisvolle undunterstützende Vaterfigur.

abrahamitische ReligionenSammelbezeichnung für Judentum, Christentum und Islam, weildiese sich alle auf den Stammvater Abraham (arab.: Ibrahim) beziehen.

ātmanindisches Wort für Seele, im Hinduismus ein fester uns innewohnender Wesenskern, der von einem Leben ins nächste weiterwandert und das Ziel hat sich irgendwann mit dem Brahman, dem Göttlichen, zu vereinen. Der Buddha verwarf den Glauben an einen ātman. Der Geist besteht – wie der Körper – aus einer Vielzahl von einzelnen Prozessen, die sich in Abhänigkeit sich wandelnder Bedingungen ständig ändern.

Bhārat Gaṇarājya – (Sprache: Hindi) indische Bezeichnung für Indien 

Brahmā – einer der Hauptgötter des Hinduismus, er gilt dort als derSchöpfer. Der Buddhismus kennt keinen Schöpfergott.

Brahmanen – eine der Kasten im Hinduismus, nur Brahmanen dürfen religiöse Rituale vollziehen

Brahmanismus – indische Religion, in der (u.a.) einen Brahman (Gott) verehrtwird. Der B. heute als Hinduismus bezeichnet.

brahma vihāra - „göttliche Weilungen“ oder „erhabene Geisteszustände“, dazu gehört z.B. die Mettā Bhāvanā

Buddhismus – neuzeitlich-westliche Bezeichnung für das Übungssystem und die Lehre des Buddha. Der Buddha selbst nannte seine Lehre den Dharma.

Devas – „Götter“ im Hinduismus und Buddhismus, etwa vergleichbar mit den Engeln im Judentum, Christentum und Islam

Dharma – hier gewöhnlich die Bezeichnung für die Lehren des Buddha. DasWort bedeutet Wahrheit, (Natur-)Gesetz, Wissenschaft, Lehre.

Dharmamitta - eine in der Mettā-Sangha übliche Bezeichnung für eine Person, die den Dreifachen Pfad im Rahmen der Mettā-Sangha geht.

Dreifacher Pfad – einfachste Beschreibung des buddhistischen Pfades aus (1) Ethik, (2) Meditation und (3) Weisheit, eine ausgearbeitete Version zeigt das upanisā-Sutta auf.

Drei Juwelen – die drei höchsten Kostbarkeiten im Buddhismus: der Buddha (unser Ideal), der Dharma (die von ihm begründete Wissenschaft) und der Sangha (die Gemeinschaft der erfolg­reich Praktizierenden), der Sanskrit-Terminus hierfür ist Triratna.

Erwachen – andere spirituelle Traditionen sprechen von Erleuchtung, im Buddhismus verwenden wir besser den Ausdruck „Erwachen“ fürdas, was der Buddha erreicht hat. Während unter „Erleuchtung“ jeder etwas anderes verstehen kann,beschreibt „Erwachen“ das spezifisch Buddhistische, die Tatsache, dass die erwachte Person die drei Wesensmerkmale Unvollkommenheit,Vergänglichkeit und Egolosigkeit völlig verwirklicht hat. Es ist für die erwachte Person so, als sei alles, was vorher war, so absurdund unlogisch wie ein Traum, daher der Ausdruck „Erwachen“.

Galiläa – Ist ein großes Gebiet im Norden des heutigen Israel (westlich des Jordan, sowohl südlich als auch nördlich des See Genezareth. Der Begriff „Galiläa“ kommt aus dem Hebräischen und heißt eigentlich „Bezirk der Heiden“.

Jainismus Der Jainismus ist eine indische Religion, die es seit etwa 3500 Jahrengibt (teilweise wir er auf noch älter geschätzt. Seine großen Lehrer werden als „Furtbereiter“ bezeichnet, weil sie die Furtauf gezeigt haben, zu denen es an das andere Ufer (Nirwana) geht. Historisch belegt ist der letzte dieser Furtbereiter, Mahavira der zur gleichen Zeit lebte wie der Buddha. Er war radikaler als der Buddha und gewissermaßen sein Konkurrent auf dem Markt der neuen ReligionenIndiens vor 2500 Jahren. Im Gegensatz zum Buddhismus ist der Jainismus in Indien niemals verschwunden. Heute bekennen sich in Indienmindestens fünf Millionen Menschen zum Jainismus. Der wohl weltweit berühmteste Inder bis heute – Mahatma Gandhi, eingläubiger Hindu  – stand dieser Religion nahe, deren Anhänger eine radikaleGewaltlosigkeit zu leben versuchen.

JHWH – ist der Eigenname des Gottes im Tanach. Da es in der hebräischen Schrift keine Vokale gibt enthält er keineKonsonanten. Ausgesprochen wird er Jahwe, oder auch Jehova.

Katriya (Sanskrit: क्षत्रिय) höchste indische Kaste, umfasst Adel, Krieger, Beamte

Mettā (Pali) eine sehr positive Emotion: Wohlwollen, Zuneigung, (nichterotische) Liebe, oft als „liebende Güte“ übersetzt. Mitunter wird sie auch als „Allgüte“ bezeichnet, denn mettā soll allen Wesen in gleicher Weise entgegen gebracht werden. Es ist das, was beispielsweise Jesus meint, wenn er sagt, man solle nicht nur seinen Nächsten lieben wie sich selbst, sondern sogar seinen Feind

Mettā Bhāvanā – Meditation zur Schaffung von Bedingungen damit mettā entsteht, normalerweise in fünf Phasen geübt (1) mettā für sich selbst, (2) für einen guten, edlen Freund/Freundin, (3) für eine neutral besetzten Person, (4) für eine schwierige Person (Feind) und (5) für allen fühlenden Wesen.

Mettā-Sangha – Bezeichnung für die von Yuz und Amita gestiftete Spirituelle Gemeinschaft

Pūjā - „Verehrung“, auch Bezeichnung für einebuddhistisches Verehrungsritual, das aus i.d.R. Gebeten, Opfergaben und Mantrarezitationen besteht, es kann auch Textlesungen enthalten

Rabbiner - das ist ein Funktionsträger in der Jüdischen Religion. Seine Hauptaufgabe ist es, die Tora (ein Teil des Tenach) zu lehren. Die Grundform des Rabbiners entwickelte sich, als sich gelehrte Lehrer versammelten, um die schriftlichen und mündlichen Gesetze des Judentums zu kodifizieren.

Sangha – spirituelle Gemeinschaft, hier besonders für die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler des Buddha. Zur Sangha in engeren Sinn gehören nur Mönche und Nonnen, zur Sangha im engsten Sinn nur Erleuchtete.

Scheol - kommt im Tenach 66 Mal vor und ist ein Ort der Finsternis, zu dem alle Toten gehen, sowohl die Gerechten und die Ungerechten, ein Ort der Stille und Dunkelheit, der vom Leben abgeschnitten ist. Die Gelehrten diskutieren noch heute darüber, ob Scheol nun ausschließlich Grab oder auch Totenwelt oder sogar Hölle bedeutet. (Wilipedia, 4.4.2024).

Śūdras - (Sanskrit: शूद्र) = Arbeiterklasse incl. Handwerker, vierte (und niedigste) der Großkasten, darunter gab es sog. „Unberührbare“

Tanach - oder Tenach (hebr. תנ״ך TNK) ist eine von mehreren Bezeichnungen für die Hebräische Bibel, die Sammlung der heiligen Schriften des Judentums er enthält unteranderem die Tora (Weisung). Das Christentum hat alle Bücher des Tanach - etwas anders geordnet – übernommen. Sie sind das AlteTestament.

Uposatha – heißt wörtlich Fastentag. Alle sieben Tage ist Fastentag: beiNeumond, bei Vollond und bei Halbmond (es galt der Mondkalender). An diesen Tagen waren die Laienanhänger der Jains dazu aufgerufen zuleben wie die Mönche an den übrigen Tagen, die Mönche aber fasteten. Die Regeln bei den Buddhisten sind anders, dort sollenzwar die Laien auch enthaltsam leben und auf alle Unterhaltung (Musik, Gesang, Theater) verzichten. Die Mönche machen an diesemTag das “Eingeständnis von Fehlern”, eine Art Beichte.


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